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Zum Jahreswechsel 2018 – wo gibts noch Value?

Zum Jahreswechsel überdenkt man ja in der Regel all die Geschehnisse des vergangenen Jahres, die Erfolge und Misserfolge und setzt sich gegebenenfalls neue Ziele. Wenn ich so auf mein Aktienjahr 2017 blicke könnte man es unter das Motto stellen: Wo findet man bitte noch Value? Wo kann man noch tatsächlich unter ihrem eigentlichen, inneren Wert notierende Aktien finden?

Mein bevorzugtes Jagdrevier ist ja eigentlich der deutschsprachige Nebenwertebereich. Zum Jahreswechsel 2018 – wo gibts noch Value? weiterlesen

Neues von Sawai

Ich habe hier im Blog vor etwa einem halben Jahr davon berichtet, dass (und aus welchen Gründen) ich mir Aktien des japanischen Generikaherstellers Sawai Pharmaceuticals ins Depot gelegt habe.

Meine Investmentthese: Sawai ist eine finanziell und operativ starke Firma in einem strukturellen Wachstumsmarkt, die Bewertung mit einem KGV von etwa 14 reflektiert aber nicht das extrem starke Wachstum und die gute strategische Position von Sawai als größtem japanischen Generikahersteller.

Darüber hinaus wurde der Einstieg in den amerikanischen Markt vollzogen und mit Upsher-Smith Laboratories eine etablierte US-Generikafirma übernommen, die zwar gute Gewinnmargen, aber schrumpfendes Geschäft aufwies. Die 111 Mrd. Yen (1 Mrd. Dollar) flossen komplett in Bar und wurden über kurzfristige Kredite finanziert – deren Zinsen ja aktuell bekanntlich sehr niedrig sind.  Ausgehend von der Firmenpräsentation nahm ich an, dass Upsher-Smith für Sawai zusätzliche Gewinne von über 10 Mrd Yen im Jahr erzielen könnte und über die Zeit die Kredite zurückzahlt. Ich hielt einen Gewinn von 30 Mrd Yen für Sawai mit USL für möglich, was auf ein einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis hinausgelaufen wäre. Da Sawai ihr Reporting auf den internationalen Bilanzierungsstandard IFRS umstellen, nahm ich an dass die Kosten für die Übernahme als Goodwill in der Bilanz stehen bleiben, statt wie in Japan in der Regel üblich auf 15 Jahre abgeschrieben zu werden.

Mit den aktuellen Quartalszahlen gibt es nun neue Informationen, der Aktienkurs hat ein wenig nachgegeben und ich muss reflektieren wie weit meine These aufgeht oder nicht.

Neue Zahlen

Mitte November kamen die neuen Zahlen, und die waren schlechter als erwartet. Ich habe für den japanischen Markt eigentlich mit weiterem Wachstum gerechnet, allerdings ist der japanische Generikamarkt wie es scheint nicht besonders gut vorangekommen. Sawai steigerte den Umsatz in Japan nur noch um 1,7%, was nicht einmal an staatlich verordneten Preissenkungen lag, sondern an der stagnierenden Verkaufsmenge und der Beendigung von (vermutlich margenschwacher) Auftragsfertigung. Neues von Sawai weiterlesen

Argo Graphics – japanische Ingenieurssoftware

In meinem letzten Post habe ich bereits angekündigt, dass ich mit Argo Graphics eine weitere großartige Firma aus Japan in mein Depot aufgenommen habe. Die Fertigstellung des Beitrags hat nun deutlich länger gedauert als geplant – in der Zwischenzeit hatte ich nicht besonders viel Zeit, war auf dem Valueweekend in Stuttgart (wo ich sehr interessante Leute getroffen habe – wer an Austausch interessiert ist kann sich gerne das nächste Meetup oder das Valueweekend in Berlin 2018 vormerken!). Außerdem bin ich sei einiger Zeit nicht richtig fit und öfter krank, wodurch ich Abends wenig Drang verspüre mich dem Schreiben eines Artikels und Bilanzanalyse zu befassen.

Endlich ist es aber soweit – hier nun die Investmentthese. Was macht diese Firma für mich so interessant?

  • Gute Umsatzsteigerungen der letzten Jahre
  • Äußerst interessante Nische des Softwaremarktes: Argo Graphics vertreibt Lösungen für die graphische 3D-Planung und Simulation von Bauteilen, was im Ingenieursbereich inzwischen nicht mehr wegzudenken ist
  • Skalierbarkeit (durch Größe?): bei knapp 20% Umsatzsteigerung der letzten 5 Jahre ist der Nettogewinn um 80% gestiegen
  • aktive Übernahmestrategie
  • Internationale Aktivität, u.a. in Wachstumsregion Südostasien
  • Bargeld und Wertpapiere in Höhe von mind. 22 Mrd Yen bei einem Börsenwert von 39 Mrd Yen (bei meinem Kauf 33 Mrd) und einem Nettogewinn von mehr als 2 Mrd Yen
  • -> EV/EBIT aktuell 4 , bei meinem Kauf sogar nur 2,5.  KGV etwa 17.

Kurz gesagt erfüllt Argo Graphics die Anforderungen ein Unternehmen billig zu nennen sehr gut, ist überkapitalisiert und hat trotzdem fast 10% Eigenkapitalrendite sowie beste

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Kauf Admiral Group

Ich habe Aktien der Admiral Group gekauft – sowohl privat als auch in meinem Hauptwikifolio zu Preisen knapp unter 21 €. Herzlichen Dank dabei an Jasper, dessen Post mich auf den jüngsten Kursrutsch (von 25€ im Mai auf 20€) aufmerksam gemacht hat, wodurch mir dieses großartige Unternehmen nun endlich einmal günstig genug erscheint.

Da Admiral Group unter den deutschen Valuebloggern bereits fast eine Art Modeaktie geworden ist möchte ich hier zunächst gar nicht so ausführlich darüber schreiben, sondern Links zu deren Analysen sammeln und nur wenig zusätzliche Worte verlieren.

Kurze Investmentthese

  • geringer Kapitalbedarf und starkes Wachstum
  • hohe Ausschüttungen – rund 6% Dividendenrendite
  • aktuelle Gewinne deutlich unter dem erwartbaren langfristigen Mittel
  • Expansion in Auslandsmärkte sehr erfolgreich
  • Kostenführer im britischen KFZ-Versicherungsmarkt
  • starke Preisvergleichsseite und inzwischen gute Kundenbasis erleichtert Expansion in neue Geschäftsfelder (Gebäudeversicherungen, Kredite)
  • beste Chancen langfristig zweistellige Wachstumsraten zu erleben
  • In der aktuellen Phase der Konjunktur  ist es mir lieber auf Unternehmen zu setzen die nicht zu sehr unter einem Konjunktureinbruch leiden

Die Popularität der Aktie unter deutschen Valuebloggern lässt bei mir als erstes Alarmglocken schrillen – kann eine so populäre Aktie denn noch unterbewertet sein? Immerhin haben mindestens Jasper, der arme Charlie, MMI (ValueAndOpportunity) und Kauf Admiral Group weiterlesen

Bye Bye Big Blue

Es gibt verschiedene Arten, ein Investment zu beenden. Manchmal braucht man einfach gerade mehr Geld als auf dem Konto ist und löst eine der am wenigsten aussichtsreichen Positionen im Depot auf. Manchmal ist die Investmentthese voll aufgegangen und der Kurs hat sich so weit gesteigert, dass man die Gewinne mitnimmt. Manchmal ist es voll danebengegangen (was wir Valueinvestoren versuchen möglichst zu vermeiden) und man muss Schadensbegrenzung betreiben.

Und manchmal hat sich nicht viel getan und man hat auch nicht viel Geld verloren, aber erkennt dass die Investmentthese falsch war oder durch geänderte Bedingungen falsch geworden ist.

Ich habe meine IBM-Aktien, nachdem ich etwa drei Jahre lang Aktionär war, zu rund 120 € verkauft. Das ist ein Verlust von 30€ je Aktie, dem auf der anderen Seite Dividenden von weniger als 15 € gegenüberstehen. Trotzdem denke ich, dass es ein guter Zeitpunkt für den Verkauf ist. Was ist der Grund dafür? Meine ursprüngliche These Bye Bye Big Blue weiterlesen

Mix Telematics: wachsendes SaaS-Geschäft

Es ist manchmal interessant, auf welche Weise man auf neue Investitionsideen kommen kann – neben meinem aktuellen Japan-Fokus habe ich zuletzt eine weitere sehr interessante Aktie ausgemacht. Und diese kommt nicht aus Japan, nein nicht einmal aus Asien – zum ersten mal ist es eine afrikanische Aktie! (Und wer sich für die Vorgeschichte und die Branche nicht interessiert kann gerne nach hinten scrollen)

Begonnen hat es vor 2-3 Monaten, als ich Ideen gesucht habe und auf die beiden britischen Unternehmen Quartix und Trakm8 gestoßen bin. Beide Unternehmen bieten Flottentelematik-Lösungen an, dazu später mehr. Insbesondere die Bewertung von Trakm8 sah auf den ersten Blick höchst interessant aus: starkes Umsatz- und Gewinnwachstum in den vergangenen Jahren, ein stark wachsendes technologiebasiertes Geschäftsmodell und vergleichsweise günstige Bewertung mit Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 (laut FT Screener) und Kurs-Buchwert-Verhältnis von etwa 2. Die aktuelle Margenlage sieht eher nicht so gut aus – wegen der hohen Investitionen hat sich der Gewinn in den letzten Jahren etwas verringert. Trotzdem gefiel mir, dass Trakm8 eben aggressiver investierte als Quartix, die eher auf ihr sehr profitables Wachstum setzt, bei hohen Margen mit einem 30er KGV bewertet wird und mir damit zu teuer und riskant ist. Mix Telematics: wachsendes SaaS-Geschäft weiterlesen

Rückschau auf meine Rendite – was kann ich daraus lernen?

UPDATE: Bezogen auf den Aufruf der Blogparade habe ich einen Fehler gemacht. Da sich eigentlich zeitgewichtete Rendite besser für  einen Vergleich eignet hatte ich einfach diese für mich berechnet. Allerdings ging es Stefan eigentlich um die geldgewichtete Rendite. Dazu ist diese Rendite (wenn ich es jetzt richtig verstanden habe) annualisiert, das heißt als mittlere Jahresrendite angegeben. Aus meinen schönen 120% wird somit eine annualisierte Rendite von rund 48 %. Und die geldgewichtete Rendite ist etwas geringer (da der stärkste Anstieg am Anfang des Betrachtungszeitraumes lag) und beträgt rund 43% (Auf zwei Jahre hochgerechnet sind das 104%, also immerhin mehr als eine Verdoppelung). Wenn man also meine Zahlen mit den anderen Bloggern nach dieser Methode vergleichen will, ist mein interner Zinsfuß also 43% (genaugenommen 42,8%)

Mit diesem Beitrag beteilige ich mich jetzt auch an Stefans Blogparade „Wir machen uns nackig“ für Transparenz und Vergleich verschiedener Finanzblogger. Wie Stefan selbst sehr richtig sagt ist sein vorgeschlagener Zeitraum von August 2015 bis August 2017 natürlich viel zu kurz um eine vernünftige Aussage über die Qualität der Anlageentscheidungen einzelner Teilnehmer zu treffen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass ein gutes Depot sich vor allem in Krisen und fallenden Märkten behaupten muss, weniger in Zeiten wo es allgemein sehr gut läuft. Aber trotz des kurzen Zeitraumes ist es immer mal interessant, sich mit seinen Entscheidungen der Vergangenheit zu befassen und eventuell daraus zu lernen. Mit einem sehr langfristigen Vergleich geht das besser, aber mit zwei Jahren kann man schon anfangen. Rückschau auf meine Rendite – was kann ich daraus lernen? weiterlesen

Die Attraktivität der Abomodelle – was Netflix wirklich wert ist

Interessanterweise hat der Autor des großartigen Blogs valueandopportunity vor kurzem einen höchst interessanten Link geteilt, in dem es um die Bewertung von Abo-Modellen geht [LINK ]. Dies hat mich inspiriert, ganz anders über bestimmte Geschäfte nachzudenken, zum Beispiel über Netflix (kurze Analyse am Ende des Beitrags!). Der Autor stellt dar, dass man Abomodelle wie Netflix, Kabelfernsehen, Internet, Amazon (Prime) etc völlig anders bewerten müsse als die offizielle Bilanzierung es hergibt, nämlich eher wie Immobilien auf einer Cashflow-Basis. Dazu braucht man neben einem Zinssatz für die Abzinsung der zukünftigen Zahlungen:

  • Akquisekosten – wie viel muss für einen Kunden an Marketing, Vertrieb, Hardware usw im Schnitt ausgegeben werden um ihn überhaupt zum Kunden zu machen?
  • Retention – wie viele Kunden springen pro Jahr/Monat/Quartal wieder ab? Oder anders betrachtet wie lange bleibt ein Kunde durchschnittlich beim Unternehmen?
  • Bruttomarge – prozentualer Gewinn vor allen Kosten die nicht mit Anzahl der Kunden wachsen
  • Umsatz – Wie viel gibt der Kunde im Durchschnitt aus? Im englischen oft als ARPU bezeichnet.
  • =>Live Time Value: Bruttogewinn über die erwartete Lebenszeit des Kunden

Man versucht also einen gewonnenen Kunden (der natürlich erstmal als Ergebnisbelastung auffällt da er Akquisekosten verursacht hat) stattdessen nach dem von ihm zu erwartenden Cashflow zu beurteilen. Wenn die Parameter Die Attraktivität der Abomodelle – was Netflix wirklich wert ist weiterlesen

Minori Solutions – hochprofitabel und äußerst günstig

Heute stelle ich Minori Solutions vor, eine weitere japanische Firma mit (meiner Meinung nach) erheblicher Unterbewertung. Zunächst kurz meine Investmentthese:

  • moderates Wachstum von Umsätzen, starkes Wachstum der Gewinne
  • Branche (IT und Software) erfordert kaum Kapitalbindung
  • Hälfte des Börsenwertes dennoch durch Bargeld gedeckt
  • Trotz der enormen Überkapitalisierung hat Minori Solutions sowohl eine operative Gesamtkapitalrendite als auch Eigenkapitalrendite im dauerhaft zweistelligen Bereich
  • EV/Nettogewinn ca. 6
  • KGV ca. 11,5
  • Unternehmen plant weiteren signifikanten Anstieg der Umsätze und Gewinne, Nachfrage ist gut
  • Verbesserter Kapitaleinsatz (Aktienrückkäufe!) würde einen starken Schub geben, aber selbst ohne ist das Unternehmen sehr günstig

Nun ist allein das beschriebene für europäische Maßstäbe schon fast zu gut um wahr zu sein. Das eigentlich krasse ist meiner Meinung nach aber die bisherige Entwicklung des Aktienkurses – vor 5 Jahren wurde die Aktie noch zu nur einem Viertel des heutigen Preises gehandelt und war damit ein klassisches Net-Net. Nur eben eines mit Wachstum und satten Renditen. Minori Solutions – hochprofitabel und äußerst günstig weiterlesen

Börsengang Vapiano – Vorsicht vor aufgeblähten Zahlen!

Angekündigt war es schon länger, nun ist es offiziell: Vapiano wagt den Börsengang und bereichert den Kurszettel der deutschen Börsenlandschaft um ein Segment das in anderen Ländern oft viele Unternehmen fasst – Restaurantketten. Da McDonalds, Domino’s, KFC und ähnliche Ketten nicht nur bekannt sondern auch an der Börse erfolgreich sind wollte ich mir die Bewertung von Vapiano zumindest einmal genauer anschauen. Findet sich genug Wert in der Aktie um den Preis zu rechtfertigen?

Vapiano hat ein einfaches Geschäftsmodell. Die Restaurants bieten Nudeln, Pizza und andere italienische Spezialitäten an, das ganze ist etwas schicker gestaltet und dadurch lassen sich dann gute Preise erzielen. Zumindest bisher war das ganze durchaus ein Erfolgsmodell und die Kette wuchs in hohem Tempo.

Fakten

Das sind die Fakten zum Börsengang:

  • Anzahl Aktien nach Börsengang: bis 24,4 Mio (Abhängig vom erzielten Preis)
  • Ausgabepreis der Aktien: 21 – 27 €
  • voraussichtl. Gesamterlös des Börsengangs: 160 – 225 Mio €
  • Gesamter Börsenwert zur Ausgabespanne: 512 – 635 Mio €
  • erster Handelstag: 27. 6. 2017
  • Einnahmen für Vapiano aus der Kapitalerhöhung: ca 85 Mio €
  • Umsatz Vapiano 2016: 249 Mio €
  • Gewinn Vapiano 2016: 0,3 Mio (-0,6 Mio auf die Aktionäre von Vapiano entfallend)

Interessant ist, dass sich Vapiano eine recht breite Bewertungsspanne offen lässt. Das Ziel ist ein Bruttoerlös von 85 Mio €, die Anzahl neu ausgegebener Aktien hängt davon ab wie teuer diese verkauft werden können. Es fällt schon auf den ersten Blick auf, dass die Bewertung nicht besonders niedrig ist – selbst am unteren Rand beträgt das Kurs-Umsatz-Verhältnis etwa 2. Börsengang Vapiano – Vorsicht vor aufgeblähten Zahlen! weiterlesen