Hauptversammlung – Mein Eindruck bei IVU

Gestern war es so weit: ich bin zum ersten mal in meinem Leben zu einer Hauptversammlung gegangen. Seit letztem Jahr bin ich Aktionär bei der IVU (die nach wie vor zutreffenden Gründe habe ich in diesem Beitrag beschrieben), und da die Gesellschaft wie ich selbst in Berlin residiert habe ich mich auf mein Fahrrad geschwungen und bin runter nach Steglitz (oder ist es noch Friedenau? jedenfalls südwestliches Berlin…) gefahren. Meine Eindrücke dabei will ich mit euch teilen:

Die IVU hat ihren Sitz in den Askania-Höfen, typische Berliner Gewerbehöfe aus der Gründerzeit – an denen ich auch schon öfters mit dem Fahrrad vorbeigefahren bin ohne die kleinen IVU-Schilder zu bemerken. Laut Aussagen des Chefs fühlt sich die IVU dort auch wohl und kann „atmen, in unserem Fall einatmen“ – also bei Bedarf neue Räume im Gebäude anmieten. Dass auf repräsentativen Schnickschnack verzichtet wird und man einfach in einem gewöhnlichen Bürogebäude ist gefällt mir schon mal ganz gut.

Die Teilnehmeranzahl würde ich auf vielleicht 70 schätzen, der kleine Konferenzraum war auf jeden Fall gut gefüllt als ich ankam, wobei das Publikum überwiegend männlich und sehr viel älter als ich war. Zu Beginn waren genau 33,33% des Kapitals vertreten (zur Abstimmung waren die ersten schon wieder gegangen). Es begann mit der Begrüßung durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Sonntag, der dann auch noch die Tagesordnung und den Bericht des Aufsichtsrats vortrug und die ordnungsgemäße Einberufung feststellte (etwas langweilig da man ja auch selber lesen kann, aber das muss wohl aus juristischen Gründen so sein).

Interessanter war der Vortrag des Vorstands über die IVU, ihre Geschichte und Entwicklung und den aktuellen Stand. Auch hier gab es im Prinzip nicht viel neues, das man nicht auch schon aus den Pressemitteilungen und dem Geschäftsbericht gewusst hätte – allerdings ist es ganz schön zu sehen, man bekommt einen Eindruck wo die Firma steht und wo der Vorstand Prioritäten sieht. Überhaupt hat man mehr das Gefühl an einer realen Firma Anteilseigner zu sein, als nur ein paar Aktien als Finanzanlage zu besitzen. Dem langfristigen Denken, das ich als extrem wichtig ansehe an der Börse, kann das nur zuträglich sein.

Der eigentlich interessante Teil ist natürlich der Punkt Diskussion: jeder Aktionär hat die Gelegenheit nach vorn zum „Wortmeldetisch“ , an dem der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende saßen zu gehen, und einen Redebeitrag anzumelden. Anschließend wurden die Redner ans Pult gebeten und durften ihre Fragen stellen, die der Vorstand dann gesammelt beantwortete.

Zunächst waren zwei Vertreter von Aktionärsvereinigungen an der Reihe, die offensichtlich schon eine Reihe allgemeiner Fragen überlegt hatten (oder vielleicht auch überall ähnliche Fragen stellen), die sich aber auf wichtige nicht vom Vorstand selbst angesprochene Punkte bezogen: dazu gehörten der Abgang von Herrn Kochanski aus dem Vorstand (hier die Meldung) , was die Gründe waren (persönliche Gründe können ja viel sein) und wie weit die Erhöhung der Vorstandskosten damit zusammenhing. Hier verweigerte Herr Sonntag jede Auskunft sowohl über Gründe als auch über Abfindungshöhe und -grund. Es wurde aber gesagt, dass man die Stelle vorerst nicht neu besetzen wird und mit der aktuellen Situation zufrieden ist. Zumindest fällt also in den kommenden Jahren ein Vorstandsgehalt weg, so dass die Abfindung wieder eingespart wird. Auch über Dividendenpolitik und -kontinuität wollte der Vorstand sich nicht festlegen lassen, sagte nur dass man die Entwicklung der Zukunft sehen müsse, aber nicht heute in die eine Richtung und morgen schon etwas ganz anderes mache. Aha.

Zur Frage des Vorstandes trat später ein weiterer Redner auf, der auf die entsprechende Stelle im Konzernanhang verwies und deutliche Kritik übte – in dieser wurde die Abfindung auf 575000 € beziffert. Auch dass wohl auf einem Eigenkapitalforum die Erwartung einer höhere Dividende, die der AG-Abschluss aber letztlich nicht hergab, geweckt worden sei kritisierte er.

Weitere Aktionäre meldeten sich, mit Fragen zu finanziellen Details oder Details im Geschäftsmodell. Ebenfalls wurde kritisiert, dass die IR schlecht zu erreichen sei und zu wenige Druckexemplare der Unterlagen (etwa Anhang des GB) bei der HV auslagen.

Mir fiel auf, dass die Vorstände offenbar lieber über das eigentliche Geschäft als über die finanziellen Details und Zahlen sprachen. So konnten oder wollten sie etwa nicht genau beziffern, wie viel Geld in dem steuerlichen Rücklagekonto stecke (aus dem die Dividende steuerfrei gezahlt werden kann). Die einzige Ausage dazu war, dass es mindestens noch ein Jahr reichen sollte und der Steuerbescheid 2014 wohl noch nicht endgültig sei.

Die interessantesten Punkte zum Geschäft, die mir aufgefallen sind:

  • Die Rentabilität von Projekten ist nicht so sehr ein Frage von Ausland/Inland, sondern eher eine Frage von Neugeschäft/Anschlussprojekten – Neugeschäft ist weniger profitabel, bei Folgegeschäft ist der Kunde schon von der Qualität überzeugt und man kann eher höhere Preise ansetzen.
  • In Israel, wo ein eigenes Büro eröffnet wurde, sieht man sehr gute Chancen obwohl es ein sehr kleines Land ist. Die Nachfrage nach modernen Verkehrslösungen sei groß, während es wohl nur wenig Wettbewerbsdruck und keine etablierten Konkurrenten gebe.
  • In Nordamerika sieht man einen sehr profitablen Markt, in den man eindringen möchte, am ehesten über den Bereich Bahn, in dem sich IVU besonders wettbewerbsfähig und gut aufgestellt sieht. Das Büro in Montreal wurde gewählt, weil der erste Kunde (Kanadische Bahn) dort seinen Sitz hat. Das Büro in Chicago deshalb, weil das dort durch die deutsche Handelskammer erheblich erleichtert wurde. Es gibt in den USA noch keine Aufträge, man hofft/bemüht sich aber möglicherweise noch dieses Jahr einen zu bekommen.
  • Scheidt und Bachmann, mit denen eine Vertriebskooperation vereinbart wurde, scheint IVU perfekt zu ergänzen: Sie haben eher große stationäre Automaten, während IVU eher Software und mobile Ticketinglösungen hat, IVU ist in Lateinamerika und Asien schon ein wenig präsent, Scheidt und Bachmann dafür in den USA und Frankreich wo IVU bisher nichts hat, von der Kultur her passen beide wohl auch einigermaßen zusammen. Wenn das alles so stimmt könnte sich hier tatsächlich erhebliches Potential ergeben die Umsätze zu steigern.
  • In neuen Märkten lernt IVU eine Menge dazu: zum Beispiel wird seit dem Projekt in Israel auch ein international eher verbreiteter Standard fürs Ticketing unterstützt, der etwa in Frankreich wichtig sein könnte. Es wurde auch viel über Referenzen gesprochen, offenbar ist es ein gutes Verkaufsargument wenn in einer vergleichbaren Stadt ein IVU-System gut funktioniert und vorgezeigt werden kann.
  • IVU sieht kaum Chancen, eine Ausschreibung zu gewinnen bei der man nicht mit Vertrieb und einem Büro vor Ort mit der Firma in Kontakt kommt, sieht daher erhebliche Hürden vor Markteintritten. Laut eigener Aussage kann die IVU daher sehr gut einschätzen wo sie Chancen haben Aufträge zu gewinnen. Ich schließe auf der anderen Seite, dass Wettbewerber es schwer haben sollten in den deutschen Markt einzudringen und die Margen daher gut geschützt sind (dauerhafter Wettbewerbsvorteil).
  • Mit der Italienischen Bahn gibt es das erste Cloud-Projekt, das heißt dass IVU auch den Betrieb der Rechner übernimmt, auf denen die Software läuft. Der Vorteil ist natürlich, dass dies ein dauerhaftes und unzyklisches Geschäft ist, was zusätzlichen gut planbaren Umsatz bringt, von der Softwaretechnik aber gleich ist.
  • Die großen Projekte in Budapest und in Belgien waren „zweite-Chance“-Projekte: eigentlich hatte ein Wettbewerber den Zuschlag bekommen, der dann aber nicht das erwartete liefern konnte – IVU bekam den Zuschlag und konnte liefern. (Haben also ein gutes Produkt und beherrschen das entsprechend)
  • Im Bahnbereich sieht der Vorstand noch große Chancen. Die Margen seien sehr gut und der Markt noch wenig erschlossen, gleichzeitig habe IVU hier ein besonders gute Wettbewerbsfähigkeit. Ich hoffe hier, dass da in Zukunft noch deutlich bessere Dynamik entsteht und weitere Projekte gewonnen werden können.
  • Personal ist eine kritische Größe: einerseits natürlich sehr teuer, andererseits die Größe die das Geschäft limitieren könnte wenn viele Aufträge hereinkommen. In Berlin ist es wohl noch wesentlich einfacher als in Aachen an entsprechend qualifiziertes Personal zu kommen.

Zum Schluss wurde abgestimmt: Wer sich zu einem Tagesordnungspunkt enthalten oder mit Nein stimmen wollte, durfte den entsprechenden Stimmabschnitt in die entsprechende Urne werfen. Vor der Verkündung des Ergebnisses gab es dann noch eine kurze Pause und man konnte sich belegte Brötchen und Kuchen im Foyer holen (war immerhin schon 14 Uhr) und dann wurde verkündet dass alle Punkte mit hohen Zustimmungsraten (weit über 90%) jeweils angenommen waren.

Update 05.06.15: Weitere Bemerkungen zur selbigen Hauptversammlung hat Katjuscha in seinem Blog gemacht, lest euch das für eine noch genauere Darstellung oder eine etwas andere Perspektive ebenfalls durch!

Was lerne ich daraus?

Das interessanteste ist eigentlich die Fragerunde. Mir wären am Ende auch noch ein bis zwei Fragen eingefallen, ich glaube aber dass es sinnvoll ist sich darauf vorzubereiten und vor allem die kritischen Punkte, Fragen zu bestimmten Kosten oder Punkten im Geschäftsmodell die man nicht versteht aufzuschreiben. Der Vorstand beantwortet dann vielleicht auch nicht alle ganz so tief wie man will, aber man bekommt ein wesentlich besseres Bild von der Firma. Wenn man will kann man (zumindest bei einer kleinen Firma wie IVU) auch danach noch direkt mit den Verantwortlichen aus dem Unternehmen  reden. Außer der Fragerunde gibt es die Informationen eigentlich auch sonst im Internet und Geschäftsbericht, damit es sich lohnt wäre es also sinnvoll sich vorher einen Fragenkatalog zu überlegen, und wenn diese Fragen nicht schon von anderen gestellt wurden sich ans Rednerpult zu trauen.

Darüber hinaus bekommt man, gerade wenn es in den Räumen der Firma selbst stattfindet, wie gesagt viel stärker den Eindruck Anteilseigner einer Firma zu sein als eine Finanzanlage in Aktien zu haben. Insofern war es vermutlich nicht meine letzte Hauptversammlung gewesen, und ich denke ein Aktionär sollte mindestens eine HV mal besucht haben.

Der nächste Analyseartikel ist übrigens auch schon quasi fertig – ich nehme mit Hypoport eine weitere Berliner Firma mit starker Softwarekomponente unter die Lupe, also schaut nächste Woche nochmal vorbei!

7 Gedanken zu „Hauptversammlung – Mein Eindruck bei IVU

  1. Kaum streife ich mal wieder durch die Blogs, finde ich auch schon einen sehr interessanten Artikel über IVU, deren Konkurrent Init sich ja in meinem Besitz befindet. In einem Punkt scheint ja Init bereits gewonnen zu haben: Beim Essen! Da gab es eine Auswahl zwischen …. Ok, lieber nicht. Insgesamt war der Rahmen bei Init aber tatsächlich sehr viel großzügiger.

    Ich habe das ganze mal unter dem Aspekt Vergleich Init-IVU gelesen, vielleicht können wir uns da ergänzen.

    Bei dir lese ich heraus, dass du dich nicht wirklich gut informiert fühltest, speziell was die Finanzahlen angeht. Habe ich das korrekt verstanden? Ich fand, dass die entsprechenden Punkte im Geschäftsbericht bei Init gut beantwortet wurden. Ob das dann den Tatsachen entspricht, kann ich natürlich auch nicht sagen, sie klangen aber plausibel und mir schien, dass Negatives nicht ausgeblendet wurde. Heimlichtuerei wie bei der Abfindung, wo die entsprechenden Zahlen aber sogar im Anhang standen, kommt natürlich gar nicht gut an. Mir gäbe das ein schlechtes Bauchgefühl.

    Bei Init wurden alle Fragen protokolliert und die Protokollantinnen (nur Frauen) haben später auch darauf hingewiesen, wenn eine Frage nicht oder nicht ausreichend beantwortet wurde und zwar laut, so dass der ganze Saal das höhren konnte. Dadurch wurde auch wirklich auf alle Fragen soweit möglich geantwortet und der Vorstand selbst stand sichtbar unter Druck möglichst korrekt zu antworten. War das bei IVU nicht so?

    Wie es scheint herrschen da ziemlich unterschiedliche Firmenkulturen vor. Das liegt vielleicht daran, dass Init immer noch vom Gründer und mit 40% Hauptaktionär geführt wird. Auch sein Bruder sitzt im Vorstand. Dazu kommt, dass beide schon jahrzentelange Geschäftserfahrung haben. Wie sind die Verhältnisse bei IVU?

    Noch ein paar Punkte zu deiner Aufzählung:

    1. Mir scheint, dass die beiden nicht wirklich das gleiche Gebiet beackern und sich eigentlich gar nicht so viel Konkurrenz machen, denn mit Bahnen macht Init eher weniger, dafür mehr mit Bussen und Straßenbahnen. Init macht auch mehr mit Hardware, obwohl die Software natürlich auch selbst entwickelt wird und eine wesentliche Rolle spielt. Init bespielt auch das gesamt System (inkl. Anzeigetafeln, Dispositionssysteme für Fahrer etc.), während sich IVU anscheinend nur auf das Ticketing und Software beschränkt, richtig so?

    2. Folgegeschäfte sind wirklich profitabel,sofern es sich um Pflege bestehender Systeme handelt. Aber wenn es um neue Systeme geht, ist leider auch hier die Regel: Billigheimer haben Vortritt. Da sind die Vorschriften in Dtl. teils rigoros. Der Wettbewerbsvorteil liegt eher darin, dass andere sich erst gar nicht bewerben, bzw. nicht das anbieten können, was benötigt wird.

    3. In den USA hat Init Jahre gebraucht, bis sie sich dort festgesetzt haben. Inzwischen machen sie da die Hälfte des Geschäfts. Ich wäre da nicht so optimistisch. Wenn man dann aber erst einmal ein, zwei Referenzen hat, geht es schneller. Den gleichen Prozess versuchen sie jetzt in Asien.

    4. In Montreal rüstet Init gerade 1200 Busse aus. So ein Auftrag dauert mehr als ein ganzes Jahr, weil jedesmal pro Nacht immer nur ein paar Busse umgerüstet werden können. Interessant, das gerade da IVU ein Büro eröffnet hat.

    5. In Frankreich hat Init auch erst ein Projekt durchgezogen: In Avignon glaube ich. Da scheint es besonders schwer Fuß zu fassen, aber mit dieser Referenz könnte es schneller gehen.

    6. Die „zweite Chance“ Aufträge scheinen eine Branchenkrankheit zu sein, für alle Beteiligten von Nachteil.

    1. Nur zur Klarstellung.

      Auch bei IVU wurden alle Fragen beantwortet. Wenn das mal nicht vorkam, wurde halt vom Vorstand/AR nochmals nachgefragt, ob alle Fragen zufriedenstellend beantwortet. Dann konnte nochmals nachgehakt werden, wovon beim Thema Abfindung für Herrn Kochanski regen Gebrauch gemacht wurde. Das war im Grunde auch der einzige Kritikpunkt der HV, den ich nachvollziehen konnte. Der Vorstand und AR konnte und durfte zu diesem Thema vertragsrechtlich wohl nicht mehr sagen. Find ich schade, aber muss man akzeptieren. Abgesehen davon bedeutet die Abfindung in 2014, dass demgegenüber in 2015 eine Ersparnis von rund 0,8 Mio € erfolgt (wegfallende Abfindung und Gehalt).

      Was die angeblichen fehlenden Finanzberichte angeht, ist das schlichtweg Unsinn gewesen, was da von 1-2 älteren Herren erzählt wurde, die den Anhang auf der Homepage nicht finden konnten. Ich habe selbst noch Wochen vor der HV und auch noch vorgestern direkt vor der HV den Geschäftsbericht samt Anhang durchgearbeitet, um mich auf die HV vorzubereiten. ich will nicht arrogant oder despektierlich klingen, aber wenn da 1-2 ältere 75jährige Herren den bericht nicht finden und es am telefon dann mit der IR offenbar Missverständnisse gibt, finde ich das nicht ungewöhnlich. Jedenfalls waren alle Informationen, die auf der HV von manchen Rednern bemängelt wurden, erhältlich, und zwar ohne großartig suchen zu müssen, u.a. auch die 575T € Abfindung.

      Die Firmenkultur bei IVU empfinde ich als fast vorbildlich. Die beiden Vorstände, besonders Herr bernstein, machen einen sehr kompententen und kommunikativen Eindruck und nehmen Kritik durch die Aktionäre sehr ernst. Man ging wie gesagt auch auf alle Fragen ein, bis auf die Abfindung, zu deren Grund man wohl nicht mehr sagen wollte, auch wenn ich die wiederholten Nachfragen inhaltlich verstehen konnte, denn wenn jemand freiwillig vor Vertragsende geht, sollte er normalerweise keine Abfindung bekommen. Habe ich allerdings schon häufiger erlebt. Vielleicht war ja der Vertrag vor Jahren ein wenig ungünstig gestaltet worden. Kann man kritisieren, aber ist jetzt auch kein Beinbruch.

      Zu deinen anderen Punkten gibt es nicht viel zu entgegnen. Seh ich alles ähnlich. Ergänzend vielleicht, dass sich bergstein sehr optimistisch gab, was Neuaufträge in Nordamerika betrifft. Wörtlich sprach er von „auf der nächsten HV die nächsten Aufträge vorstellen zu können“, auch wenn das natürlich niemand garantieren kann, aber ich nehme an, da handelt es sich um diese 2,x Mio € Aufträge, die sich laut letzter Adhoc schon anbahnen.
      Was Frankreich angeht, ist der Vorteil von IVU, dass dort Scheid&Bachmann stark ist, was sich mit IVU dann ganz gut ergänzen soll.

      Grüße

      ps: ich schreib noch einen eigenen HV Bericht heute Abend mit etwas mehr Details in Sachen Zahlen/Daten.

    2. Hi Christian, ich hab es dir ja unter deinem entsprechenden Beitrag schon ein wenig angekündigt, da muss ich ja auch liefern 😉 Danke auf jeden Fall für die Kommentare wie du den Vergleich siehst.

      Was die Finanzzahlen im Geschäftsbericht angeht, fühle ich mich schon hinreichend informiert, ich muss gestehen dass ich den Anhang dazu nur in winzigen Ausschnitten gelesen habe und wahrscheinlich deshalb einiges nicht weiß. Teilweise gab es aber präzisere Zahlen von diesem erwähnten Aktionär (der auch die 575000 rausgekramt hat) als von den Vorständen, was den Eindruck machte dass die sich mit den konkreten Zahlen weniger gut auseinandergesetzt haben. So meinte Herr Bergstein auf die Frage nach den Pensionsrückstellungen nur, dass die wegen einer Abzinsungsanpassung erhöht werden mussten und möglicherweise dies nochmal geschehen könnte, während aus dem Anhang wohl die Zahl genau hervorging – absenkung auf 1,8% glaube ich. Mir ist klar dass der Chef nicht jede kleine Kennzahl wissen muss, insbesondere diejenigen die er nicht operativ beeinflussen kann, daher verzeihe ich das auch. Ich glaube schon dass es protokolliert wurde, die Fragen wurden zumindest alle gesammelt beantwortet. Bei der IVU sind die Gründer nicht mehr in der Leitung, waren aber wohl alle 5 anwesend. Beide Vorstände sind aber schon lange im Unternehmen.

      Zur Konkurrenz Init gab es vom Vorstandsvorsitzenden Herr Müller-Elschner den Kommentar, dass man sich damit nur teilweise aber zunehmend vergleicht, und dass man zum Beispiel darüber auch auf den Nordamerikanischen Markt neugierig geworden ist. IVU verkauft teilweise ja durchaus auch ganze Systeme, dabei werden die Komponenten aber eher durchgereicht und nicht selber aktiv gehandelt und entwickelt. Man arbeitet z.B. für die Ticketing-Hardware mit einem deutschen Hersteller zusammen, und Herr Bergstein meinte dass es sich auch nicht wirklich lohnen würde auf einen asiatischen zu wechseln, weil die günstigen so kleine Stückzahlen meistens gar nicht wollen. Man muss zum Bahnbereich sagen, dass der bei IVU auch noch extrem klein ist und das meiste mit Bussen und Straßenbahnen verdient wird. Es werden auch ganze Fahrgastinfo-systeme geliefert (in einem Werbevideo über das Projekt in Budapest hat man gesehen, dass die exakt die gleichen Anzeigetafeln haben wie in Berlin die BVG), aber manche Kunden nehmen eben auch nur einen Teil. So wurde stolz verkündet dass seit kurzem das eigene Ticketingsystem nun beim bayrischen Konkurrenten Atron vor der Haustür implementiert ist – allerdings ist dessen Ticketingsystem der einzige Teil, den man der Berliner BVG noch nicht von IVU geliefert wurde (obwohl dessen Modernisierung in Berlin wohl deutlich hinter Plan liegt…). Aufträge bei IVU dauern übrigens auch in der Größenordnung wie bei Init, hängt halt davon ab was genau der Kunde haben will.

  2. Danke für die Infos. Da klärt sich doch vieles, was ich nicht wusste. Scheint ja doch mehr Wettbewerb zwischen den beiden zu sein, als ich erst dachte.

    Ich finde das ziemlich spannend diese beiden Unternehmen zu vergleichen, die ich von der Qualität für beide sehr gut halte. Wie mir scheint zeigen beide sehr ähnliche Videos in ihren HVs. Ich bin ja auch nur über die Beobachtung der IVU zu Init gekommen.

    Init behauptet von sich, der einzige auf dem Markt zu sein, der wirklich alles kann. Tragen sie da zu dick auf? Über deutsche Konkurrenz äußern sie sich vornehm badisch natürlich nicht.

    Vielleicht kommt ja IVU auf dem US-Markt schneller voran als damals Init. Der Weg ist ja schon gebahnt. Wir werden es sehen. Platz genug ist glaube ich noch für beide. Ob Asien eine Wachstumsstory wird, liegt wohl noch in den Sternen.

    1. @Katjuscha: ja genau, ich hab glaub ich gleichzeitig mit dir meinen Kommentar geschrieben – die Fragen wurden alle beantwortet, und ich hatte auch den Eindruck dass sich der Vorstand gut mit seinem Unternehmen auskennt. Zahlen wie den Pensionsabzinsungsfaktor muss man auch nicht aus dem Kopf wissen, das ist klar, dass es mehr Druckexemplare geben könnte kann man ändern und ich zumindest habe auch alles an relevanten Informationen auf der Homepage gefunden.

      @Christian: Nein ich denke dass Init recht hat, wenn sie behaupten dass sie als einzige alles können. Selbst wenn IVU und Scheidt und Bachmann kooperieren, muss der Kunde vermutlich immer noch mit zwei Kunden zusammenarbeiten. Ob ein gebahnter Weg in den USA helfen bezweifle ich, denn Herr Bergstein meinte ja ausdrücklich, dass es fast unmöglich sei eine Ausschreibung zu gewinnen, wenn man nicht schon vorher mit dem Kunden Kontakt hatte (z.B. ein sog. “proof of concept” erstellt hat). Daher wird man selbst auch erst einmal Referenzen aufbauen und Erfahrung sammeln müssen…

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