Überprüfung der Bankenwette

Es ist nun etwa ein Jahr her, dass ich den Artikel „Meine Bankenwette“ hier geschrieben habe. Witzigerweise hat Daniel im BargainMagazine  etwa gleichzeitig zu seiner „Ölwette“ geschrieben – und beide sind bisher überhaupt nicht aufgegangen. Nachdem ich bei Ölwerten so etwas bereits vermutet hatte (es ist klar, dass die Kapazitätsanpassung etwas Zeit braucht, und die Kurse der Ölaktien schienen mir noch genügend Spielraum nach unten zu haben), hätte ich bei Banken eine schnellere Erholung erwartet.

Ähnlich wie Daniel in „Rechecking the oil bet“ möchte ich heute analysieren wie die Bankenbranche dasteht, wo Probleme lauern könnten, welche Fehler ich gemacht habe und ob ich meine Einschätzung ändern muss. Zumal ich eine Statistik gefunden habe, die eine Grundannahme meiner These ins Wanken bringt und zugleich Banken seit Dezember noch einmal wesentlich billiger geworden sind.

Entwicklung des STXE_TM Banken
Entwicklung des STXE_TM Banken zeigt schlechte Performance des Sektors

Richtig krass sieht es bei japanischen Banken aus: diese meist überkapitalisierten Institute haben einen starken Einbruch ihrer Aktienkurse erleben müssen, als negative Zinsen für Japan diskutiert wurden. Dabei wäre es nicht unwahrscheinlich, dass gerade ein negativer Zins die Banken dort dazu bringen würde, die Liquiditätsüberschüsse besser anzulegen oder aber als Dividende auszuschütten. Etliche Banken dort sind inzwischen wirklich spottbillig.

Ursprüngliche These

Meine vor einem Jahr aufgestellte These war folgende: Nach der Finanzkrise mit ihren Systembedrohenden Zusammenbrüchen hat es eine gewisse Marktbereinigung gegeben, Banken haben Risiken gesenk und Kapital erhöht, aber werden trotz allem noch weit billiger als vor der Krise gehandelt. Schuld sei das schlechte Sentiment aufgrund der schlechten Erfahrungen. Dazu kamen erhöhte Kapitalanforderungen durch die Regulierer und ein stark gesunkener Zins vor allem auch auf langfristiger Basis, der die Zinsmarge und die Fristentransformation (kurzfristig günstiges Geld aufnehmen, langfristig teureres verleihen) stark angreift. Die schwelende Eurokrise habe ich auf Griechenland begrenzt gesehen und daher für die anderen europäischen Banken keine Sorgen davor gehabt.
Mit der damals schon absehbaren wirtschaftlichen Erholung habe ich erwartet, dass die Erträge der Banken steigen, weniger Kredite ausfallen und dazu irgendwann eine baldige Zinswende eingepreist wird – mit der die Zinsmargen und Gewinne noch weiter steigen könnten. Die steigenden Märkte könnten zudem ein Treiber für das Investmentbanking sein dachte ich.
Ich habe die Digitalisierung als eine wichtige Herausforderung gesehen und daher bei Banken mit geringerem Endkundengeschäft (-> müssen weniger Filialen betreiben und notfalls schließen) klar im Vorteil gesehen. Daher waren mir Bewertungen zum halben Buchwert wesentlich zu niedrig, die es bei unzähligen Banken gab. Ich habe schließlich erst in die Deutsche Bank und Societe Generale investiert (weil ich hier das beste Turnaround-Potential gesehen habe) und bin im Jahresverlauf zur Aareal gewechselt, die trotz glänzender Geschäfte und Rekorddividende von ihren Höchstständen meilenweit entfernt ist.

Warum die Bankenprobleme klar zyklisch sind

(Abschnitt nachträglich eingefügt)
Ein wesentlicher Teil meiner These war und ist, dass die Banken in einem zyklischen Tief sind, das sie irgendwann wieder verlassen müssen. Warum bin ich davon überzeugt? Gehen wir einmal zurück zu der Frage, wie sich die Banken vor der Finanzkrise entwickelt haben. Zum einen wurden durch die Euro-Einführung Märkte mit verschiedenen Zinstraditionen vereint: der Norden hatte stets niedrige Zinsen und Inflation gehabt, der Süden oft sehr hohe. Durch die niedrigen Zinsen entstand im Süden ein Investitions- und Bauboom der durch die Ersparnisse des Nordens (v.a. Deutschland) finanziert wurde. Um die daraufhin bei uns schwächelnde Wirtschaft anzukurbeln sollte einer populären (vermutlich völlig falschen) ökonomischen Theorie zufolge die Nachfrage angekurbelt werden, was man am besten über Kredite erreichen sollte. Um das zu beschleunigen, wurden Banken dereguliert und ihre Kapitalanforderungen gesenkt.

Was bedeutete das für die Banken? Sie konnten nun mit ihrem gleichen Kapital weit mehr Kredite ausreichen! Daraufhin steigerte sich die Rendite der Banken beachtlich, und sie begannen immer stärker auf Expansionskurs zu gehen. Die hohe Rendite rechtfertigte ein Wachsen des Bankensektors in Relation zur gesamten Wirtschaft, neue Filialen lohnten sich schneller. In einigen Saaten wurden Banken zur wichtigsten Stütze der Wirtschaft überhaupt, zumal auch Größe von den lokalen Politikern gern gesehen wurde.

Mit der Krise kam das böse Erwachen und die Erkenntnis, dass man vorher die Banken ja nicht ohne Grund reguliert hatte. Neben den eigentlichen Belastungen durch Kreditausfälle wurden seit dem die Kapitalanforderungen für Banken wieder massiv erhöht. Die Profitabilität ging zurück, aber der Bankensektor war noch zu groß und musste/muss durch einen schmerzhaften Anpassungsprozess.

Sicher spielen auch die faulen Kredite und Finanzprodukte der Finanzkrise, die immer niedrigeren Zinsen und andere Faktoren eine wichtige Rolle – ich glaube aber, dass in vielen Punkten die Banken sich gerade restrukturieren und anschließend wieder sehr profitabel sein können. Dieser Prozess ist in vollem Gang und kann bei einigen noch eine ganze Weile andauern, auch weitere Pleiten würde ich nicht ausschließen.

Update: Wie mir beim Lesen des Aareal Geschäftsberichtes aufgefallen ist, gibt es noch ein weiteres Risiko, was den Banken ihr Geschäft streitig machen kann: Durch die niedrigen Zinsen werden zunehmend alternative Finanzierungsgeber aktiv und dringen in den Markt ein, insbesondere Lebensversicherungen/Pensionskassen. Durch diese neuen, günstig finanzierten Konkurrenten in diesem Bereich könnte ebenfalls der Wettbewerbsdruck gestiegen sein und weiter steigen.

Was machen Zinsmargen bei negativen Zinsen?

Wie haben sich nun diese Faktoren entwickelt? Muss ich etwas überdenken?

Zum Nachdenken gebracht hat mich folgende Statistik der US-amerikanischen Zinsmargen, die ich beim stöbern über Oddballstocks gefunden habe: Obwohl die Banken über den Zinsdruck jammern, hat sich die durchschnittliche Zinsmarge gerade einmal um 10% vom absoluten Höchststand 2007 verringert! Die Banken schaffen es also insgesamt sehr gut, die gesunkenen Zinsen an ihre Kunden weiterzureichen und damit ihre eigentliche Marge zu halten.

Die These, dass eine Zinswende zu besseren Zinsmargen führen sollte, bestätigt sich in diesen Daten leicht, allerdings wesentlich schwächer ausgeprägt als ich vermutet hätte. Auch wenn die Zinsmargen einen gewissen Hebel auf das Ergebnis besitzen habe ich sie vermutlich überschätzt – wenn es unprofitabel wird, machen Banken halt manchmal auch einfach kein Geschäft. Somit ist der Druck hier nicht unerträglich. Der entscheidende Punkt ist hier eigentlich, dass Einlagen als Refinanzierungsquelle unattraktiver werden, aus strategischen Gesichtspunkten Banken aber daran festhalten müssen. Gerade für Banken mit vielen Einlagen werden Marktzinsen von 0% dann natürlich ein Problem: der Markt hatte sich so eingepegelt, dass es sich für Banken lohnte höheren Aufwand (für Filialen etc.) zu treiben um an Einlagen zu kommen. Diese lohnen nun nicht mehr und belasten damit die Rendite.
Es ärgert mich, dass ich diese These nicht überprüft habe – sondern einfach auf das Gejammer in den Geschäftsberichten der darunter leidenden Banken gehört habe. Ich nehme darüber hinaus an, dass noch weitere Faktoren die Zinsmarge bestimmen – zum Beispiel die Wettbewerbsintensität, die wohl in einigen Märkten (wie Deutschland mit seinen starken Sparkassen) höher ist als in anderen.
Wie die momentane Lage in Europa aussieht, gehe ich auch nicht von allzu schnell wieder steigenden Zinsen aus. Nichtsdestotrotz werden Banken als Vermittler von Fremdkapital bei jedem Zinsniveau gebraucht, daher muss es bei jedem Zinsniveau auch Banken mit langfristig ordentlichen Gewinnen geben.

Zudem gehe ich davon aus, dass ein Teil der vor der Krise hohen Gewinne in Europa im wesentlichen durch die Euro-Einführung und dem folgenden Immobilienboom in Südeuropa befördert wurde. Diese haben zu der starken Kreditvergabe und Aufblähung der Banken vor der Krise geführt, weshalb die Banken nun wieder schmerzhaft schrumpfen müssen, die dabei nicht profitabel genug sind.

Wie eine Reaktion auf negative Zinsen wäre, ist noch nicht ganz klar. Es könnte wie gesagt passieren, dass die Banken mit einem starken Einlagengeschäft (was mit sehr geringen Finanzierungskosten zusammenhängt und eigentlich ein großer Wettbewerbsvorteil ist) nun zunehmend ihren Vorteil verlieren. Stärker marktfinanzierte Banken hingegen werden dann einfach am Markt günstiger refinanziert. Ein Beispiel könnten Banken aus Ländern wie Dänemark sein. Dänemark hat tatsächlich schon länger negative Zinsen, aber so dramatisch scheint die Lage für die Banken dort nicht zu sein. Die Danske Bank schreibt im Geschäftsbericht:

Net interest income was down 4%. The negative
short-term interest rates continued to put pressure
on deposit margins and net interest income. Lending
volume growth and lower funding costs partly offset
this pressure.
Zu deutsch: Die Zinseinnahmen sind zwar etwas gefallen – dafür ist das Kreditvolumen gestiegen und die Refinanzierungskosten sind auch gesunken. Interessant ist vor allem, dass hier spezifisch von Margen im Einlagengeschäft gesprochen wird, das unter Druck stehe. Als Ausgleich dient eine Volumenerhöhung der Kredite. Starke Banken können das Problem also durch Ausweitung des Kreditvolumens kompensieren, gehen damit aber auch höhere Risiken ein. Durch die stärkere Neigung der Kunden, mangels Zinsen auf andere Vermögensanlagekonzepte zurückzugreifen bietet sich Banken aber auch die Chance auf lukrative Provisionen im Vermittlungsgeschäft.
Das Handelsblatt zitiert in einem Artikel zu negativen Zinsen die skandinavische Nordea Bank – Ergebnis: negative Zinsen versagen dabei die Wirtschaft anzukurbeln, sind aber gut darin die Währung zu schwächen.
Als Grund für den Druck auf Zinsmargen sehe ich am ehesten die Tendenz, die gesunkene Marge durch ein höheres Volumen auszugleichen. Das führt zu einem schärferen Wettbewerb und in der Folge eben niedrigeren Margen. Gleichzeitig müssen viele Banken wegen erhöhter Regulierung höhere Kapitalquoten erfüllen. Diese Quoten machen es den entsprechenden Banken schwer, weitere Kredite auszureichen. Entsprechend müssen sie auf die Kostenbremse treten.

Prüfung der anderen Punkte

Europa ist im langsamen Aufschwung, und die Risikovorsorge der Banken ist tatsächlich im letzten Jahr spürbar gesunken. Die Gewinne haben davon profitiert, dass weniger Kredite geplatzt sind und weniger Unternehmen insolvent gingen. Gerade in Italien scheint sich aber ein Problem bei den Krediten aufgestaut zu haben, hier wäre ich daher vorsichtig. Auch in den ölreichen Regionen der USA droht aktuell eine Pleitewelle – und das nicht nur bei Frackern direkt, sondern genauso sind Zulieferer und gerade entlassene Arbeiter davon bedroht. Den europäischen Banken sollte das allerdings eher wenig ausmachen (hoffe ich).

Völlig unterschätzt habe ich die Rolle der weiteren Prozesse und Geldstrafen, die das Bankwesen seit einigen Jahren schwer belasten. Ich hatte auf eine schnelle Beendigung der Rechtsstreitigkeiten gehofft, stattdessen sind zum Beispiel bei der Deutschen Bank immer weitere Probleme aufgetaucht. Ebenso scheint die Regulierung immer noch nicht an einem Ende angekommen zu sein, die Kapitalanforderungen an die Banken könnten sogar noch einmal weiter steigen.
Das ist allgemein natürlich zu begrüßen, kurzfristig setzt es aber die Banken unter Druck ihr Kapital effizienter einzusetzen als bisher. Im Notfall muss das Geschäft geschrumpft werden um Kapital freizusetzen (was mit weniger Gewinn und eventuellen Abfindungen von Mitarbeitern einhergeht) oder die Bank muss irgendwo anderweitig Kapital aufnehmen (was in aller Regel die Anteile der Altaktionäre noch weiter verwässert).

Meine Einschätzung zur Digitalisierung lasse ich bestehen: Banken mit starkem Filialgeschäft werden zunehmend auf ihre Kosteneffizienz achten müssen und Belastungen aus Filialschließungen in Kauf nehmen. Allerdings denke ich nicht, dass Filialen ganz aussterben werden. Wegen der Belastungen fühle ich mich trotzdem wohler, wenn eine Bank nicht nur auf die Einnahmen aus Privatkundengeschäft in Filialen angewiesen ist oder äußerst effiziente allgemeine Kostenstrukturen aufweist.

Was sich nicht geändert hat, ist meine Einschätzung zu Banken allgemein: sie sind in einem zyklischen Tief, aber ihr Geschäftsmodell an sich ist intakt. Der Bankenmarkt allgemein wird vermutlich nicht stärker wachsen als die gesamte Wirtschaft. Allerdings halte ich auch ein wesentlich schwächeres Wachstum für langfristig unwahrscheinlich.  Eine nachhaltig profitable Bank sollte daher mehr wert sein als ihr Eigenkapital. Ich glaube auch nicht daran, dass Banken nicht analysierbar sind oder man bei Bankeninvestitionen Glücksspiel treibt – auch wenn man die genauen Bilanzrisiken nicht kennt kann man viele Parameter sehr gut erkennen, die die Effizienz von Banken ausmachen.

Es gibt wegen des großen Kredithebels bei Banken hier auch besonders große Risiken, wenn man in eine schlechte Bank investiert. Die Bilder zeigen den Vergleich der Commerzbank (grauenvoll), Aareal Bank (respektabel) und Svenska Handelsbanken (sehr gut) über die vergangenen Jahre im Aktienkurs:

Chart der Commerzbank - eine schlecht geführte Bank kann enorme Kapitalvernichtung bewirken, so hat die Commerzbank nach den Kapitalerhöhungen nur noch einen Bruchteil des früheren Wertes
Chart der Commerzbank – eine schlecht geführte Bank kann enorme Kapitalvernichtung bewirken, so hat die Commerzbank nach den Kapitalerhöhungen nur noch einen Bruchteil des früheren Wertes

 

Die Aareal Bank zeigt, dass auch in Deutschland solide Erträge im Bankgeschäft möglich sind
Die Aareal Bank zeigt, dass auch in Deutschland solide Erträge im Bankgeschäft möglich sind

 

Chart der Svenska Handelsbanken - einer soliden Bank macht auch die Finanzkrise langfristig nichts
Chart der Svenska Handelsbanken – einer soliden Bank macht auch die Finanzkrise langfristig nichts

In der Finanzkrise waren alle Aktien günstiger zu haben, auch die Eurokrise und sicher die aktuelle Unsicherheit sind im Kurs zu sehen. Der Unterschied ist, dass die starken Banken sich aus diesem Tief schnell und problemlos herausarbeiten. Die schwachen Banken dagegen mussten ihr Kapital erhöhen, restrukturieren und Bilanzen schrumpfen. Aus diesem Tal sind viele bis heute nicht wieder herausgekommen.

Fazit

Hier liegt am ehesten mein Fehler: Ich habe mangels Wissen ohne genaue Betrachtung der Einzelwerte investiert. Ich werde daher in den nächsten Wochen versuchen, mir mehr über die Analyse von Banken beizubringen und die besten Banken herauszufinden. Der oben beschriebene Zusammenhang, dass starke Banken geringere Kreditmargen durch Volumenausweitung ausgleichen können, schwache aber wegen der Regulierung die Bilanz schrumpfen müssen, verstärkt die Notwendigkeit nach starken, gut kapitalisierten und profitablen Banken zu suchen. Konkret will ich folgende Punkte lernen:

  • Wie genau analysiert und vergleicht man Bankbilanzen? Welche Kennzahlen sind relevant, wie erkannt man Risiken?
  • Wie groß sind die Wachstumspotentiale von Banken, woran erkennt man sie?
  • Welche Bankenmärkte sind am stärksten, und welche Banken sind momentan tatsächlich am besten?
  • Wenn ich es schaffe würde ich gerne eine Liste mit Kennzahlen interessanter oder wichtiger Banken erstellen.

War meine Entscheidung zur Investition in Banken ein Fehler? Nun ja , Teile der Entscheidungsgrundlage treffen nach wie vor zu. Andere Teile, wie die immer weiteren Regulierungsschritte, die immer spätere Zinswende und die ständigen Rechtsrisiken großer Institute habe ich klar unterschätzt. Ein Fehler war es, ohne genaue Betrachtung der Kennzahlen eine Auswahl zu treffen – ich hätte die stärksten Institute heraussuchen sollen und mir beibringen woran man sie erkennt. Mal sehen, wie weit ich das in der nächsten Zeit nachzuholen schaffe.

14 Gedanken zu „Überprüfung der Bankenwette

  1. Mit der Analyse von Bankenaktien hast du dir ja was vorgenommen. Abstürze gibt es bei Bankaktien wenn Kredite ausfallen. In einer Analyse müsste man eigentlich die Ausfallwahrscheinlichkeit der Darlehen bewerten. Dazu findet sich in Bilanzen nicht wirklich viel.

    Der einzige Ansatz den ich kurzzeitig HATTE, ist der Zinssatz zu dem die Bank das Geld verleiht. Aber ob ein höherer Zinssatz einen Puffer darstellt und gut kalkuliert wurde oder auf höheres Risiko hinweist – keine Ahnung.

    Deine Ansätze wie du an diese Problematik herangehst, wäre vielleicht eine interessante Idee für einen Artikel.

    Damit Banken wieder boomen können, müssen nach meiner Meinung folgende Kriterien erfüllt sein:
    1. Banken sind nicht mehr „das Böse“ in den Augen der Gesellschaft
    2. Regierungen lockern die Regulierungen wieder
    3. Die Weltwirtschaft nimmt wieder Fahrt auf und Unternehmen brauchen Kredite im großen Stil um Investitionen zu finanzieren

    Viele Grüße
    Simon

  2. „wie erkannt man Risiken?“

    Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man dies bei Banken nicht erkennen kann. Um die Risiken von Kreditausfällen zu beurteilen, müsste man Geschäftsunterlagen haben, die man als Aktionär nicht einsehen darf. Auch kann man nicht abschätzen welche Risiken die Bank im Derivatehandel eingegangen ist. Oder ob ein Trader per Knopfdruck 1 Mrd. € vernichten könnte. Genauso wenig kann man abschätzen, ob die Bank dubiose Hypotheken-Pakete gekauft hat.
    Eventuell bekommt man noch mit ob die IT veraltet ist und hier Investitionsbedarf besteht. Das wars dann aber auch schon.

    Banken stehen nicht nur wegen Niedrigzinsen und der mäßigen Wirtschaftslage unter Druck. Auch die Konkurrenz wächst, z. B. bei den Kosten für Wertpapierdepots (laufende Gebüren, Orderkosten).

    (Investment)Banken bleiben Zockerei, auch wenn das viele nicht war haben wollen.

    1. Hi Marfir, danke für den Kommentar! Auf Banken mit einem starken Anteil an Eigenhandel bezogen würde ich dir zustimmen – da kann selbst die Bank die Risiken wohl nur schwer durchblicken. Andernfalls könnte es nicht so einfach dazu kommen, dass einzelne Trader mehrere Milliarden verlieren. Auf der anderen Seite gibt es aber die im Kreditgeschäft aktiven Banken. Natürlich kann ich auch da nicht hundertprozentig einsehen wie groß die Risiken sind. Allerdings kann ich das auch nicht, wenn ich mir die Bilanz von z.B. Siemens anschaue: Weder wird viel über die Bonität der Kunden gegen die man Forderungen hat gesagt noch über die Anzahl, Alter und Zusammensetzung der Vorräte in der Bilanz.
      Und wen ein Minenbetreiber ein Vorkommen auf eine bestimmte Größe und zukünfitge Preise auf eine Hohe schätzt und daraufhin investiert, kann er mindestens genauso schnell falsch liegen wie eine Bank, die sich im Beleihungswert einer Immobilie und der Zahlungsfähigkeit des Schuldners verschätzt.
      Normale Banken halte ich daher für ähnlich riskant wie die meisten anderen Unternehmen – auch wenn man nicht in die Details schauen kann, eine Zyklizität nicht zu leugnen ist und man ein Stück weit dem Management vertrauen muss. Aber Unternehmen, wo man das nicht muss gibt es fast nicht. Im übrigen denke ich ,dass mit den neuesten Regulierungen die systemischen Risiken hinreichend weit zurückgedrängt wurden. Somit dürfte es keine große Krise geben, wenn mal die eine oder andere Bank Pleite geht – was in der Wirtschaft ja eigentlich ein normaler Vorgang ist, auch in anderen Bereichen.

      1. Naja Siemens und Bergbaukonzerne haben aber auch deutlich höhere EK-Quoten als eine Bank. Geht ein Projekt schief ist nicht gleich der ganze Konzern am wackeln. Die EK-Quoten von europäischen Banken sind niedriger als die der amerikanischen Konkurrenten. Und wie leicht sich europäische Banken Hypotheken-Pakete andrehen lassen, haben wir 2008 gesehen. Einige Banken haben mit diesen Altlasten noch heute zu kämpfen.

        Klar ist es ein normaler Vorgang dass mal eine Bank Pleite geht. Nur Aktionär sollte man von dem Konzern dann nicht sein. Wie schließt man so ein default Fall aus? Oder anders. Schau dir die Kurse der COBA und Dt. Bank an. Wie schließt man aus, den totalen Missgriff zu tätigen? Was macht deine Areal-Bank anders als diese beiden?

        1. Die Kernkapitalquoten der Banken sind schon erheblich gestiegen. Zieht man immaterielle Vermögenswerte aus der Bilanz ab, gibt es etliche Unternehmen mit keinem oder sogar negativem Eigenkapital (nicht nur Problemkonzerne wie ThyssenKripp, auch profitable Größen wie die Deutsche Post, IBM, SAP haben extrem wenig hartes Eigenkapital).

          Was machen manche Banken besser als andere? Das ist genau der Punkt, den ich erst noch lernen muss zu analysieren. Aber ich glaube nicht, dass das nicht möglich wäre.
          Der eigentlich schwierige Punkt bei Banken ist, dass Pleiten sehr viel plötzlicher auftreten können als in anderen Industrien – zum Beispiel wenn der Immobilienmarkt zusammenbricht, Beleihungswerte sinken und die Banken dann auch in Zwangsversteigerungen nicht mehr an ihr Geld kommen. Dann tauchen Probleme mit einem Schlag auf, und bei hohem Fremdkapitalanteil wird es entsprechend kritisch.
          Dennoch sind solide Kreditinstitute erstaunlich stabil, so weit ich weiß ist zum Beispiel noch nie eine Sparkasse Pleite gegangen.

          Ich will aber auch nicht ausschließen, dass ich am Ende zum Schluss komme nicht in Banken zu investieren, oder zumindest bestimmte Typen (wie Investmentbanken) eher zu meiden.

  3. In solche Firmen würde ich auch nicht investieren, die mit goodwill und immaterielles ihre Bilanz auf pumpen.

    Plötzlich auftretende unvorhergesehene Probleme klingt nicht nach „Nachts ruhig schlafen“. Da muss man wohl jeden Tag den Kurs checken?

    Auch Sparkassen sind schon angeschlagen, z. B.
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/sparkassen-check/sparkasse-dinslaken-pleite-durch-expansive-kreditpolitik-13893270.html

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/sparen-und-geld-anlegen/die-niedrigen-zinsen-bringen-sparkassen-in-bedraengnis-13402190.html

    1. Der Link über die Sparkasse Dinslaken zeigt aber gerade genau das eigentlich Problem, warum diese Sparkasse gerade Probleme hat. Es gab expansive Kreditvergabe an schlechte Schuldner und dadurch langsam immer höhere Kreditausfälle, Verschwendung bei Gehältern und Immobilienkauf, eine ineffiziente Verwaltung (Cost-Income-Ratio von 84% ist unterirdisch) und daher schließlich Verluste. Genau das selbe passiert mit Industrieunternehmen, die verschwenderisch ihr Geld ausgeben und schlechte Investitionen tätigen. Ich behaupte, in diesem Fall war die Problemlage schon eher absehbar, und genau woran man das erkennt will ich beleuchten.

      Dass Sparkassen am meisten unter den niedrigen Zinsen leiden ist etwas was ich in diesem Beitrag schon geschrieben habe: Die Niedrigzinsen nehmen Geldinstituten mit starkem Einlagengeschäft – was normalerweise ein Wettbewerbsvorteil ist – diesen Vorteil weg. Die müssen dann entsprechend sehen, wie sie trotzdem Geld verdienen, oder Filialen schließen. Die relativ gestiegenen Finanzierungskosten sind also das Problem, vergleichbar mit höheren Förderkosten bei Öltürmen, wenn die Fracker auf einmal immer biliger werden. Der Einfluss der Zinsen auf das Geschäft ist als Investor aber leicht zu verstehen und zu analysieren und sollte daher kein Problem sein.

      Im übrigen finde ich nicht alle Unternehmen mit viel Goodwill oder wenig Eigenkapital schlimm, vor allem nicht in Geschäftszweigen, die wenig Kapital benötigen (SAP zum Beispiel). Viel kritischer sehe ich zum Beispiel die von dir bevorzugten Minenwerte – die müssen am Anfang eine große Investition machen und aktivieren die Kosten, um dann auch im Preisverfall auf hohen jährlichen Abschreibungen zu sitzen und auch unter Verlusten mit Volldampf produzieren zu müssen.

      1. „Ich behaupte, in diesem Fall war die Problemlage schon eher absehbar, und genau woran man das erkennt will ich beleuchten. “

        Gut möglich. Teile davon lassen sich auch generell auf Unternehmen aller Art übertragen. Schlechtes Management ist ja leider überall möglich. Bei Kennzahlen wie Gearing müsste man für Banken sicher auch neu definieren, ab welcher Schwelle Vorsicht geboten ist.
        Dann analysiere mal schön. Ich bin gespannt. 🙂

  4. Würde mich freuen, wenn du im Rahmen deiner Bankenwette auch charttechnischen Analysen einbauen könntest. So können direkt sichtbare und interessante Zusammenhänge erstellt werden. Bei der Deutschen Bank passiert gerade etwas aus der marktechnischen Sicht. Zwar befindet sich die Aktie in einer neutralen Phase, doch der Kurs scheint sich etwas zu erholen. Fragt sich nur: wie lange?  Schaut man sich den Chart etwas genauer an, können man weiterhin mit Kurssteigerungen rechnen. Jetzt kommt das große ABER! Kurssteigerungen der Aktie könnte einige Aktionäre zum Ausstieg verleiten…

    1. Sorry – das passt nicht in meine Anlagephilosophie. Wenn Charttechnik abgesehen von selbsterfüllenden Prophezeiungen funktioniert, dann aufgrund des nachahmens einiger selbstständig handelnder Marktteilnehmer. Das braucht man nicht, wenn man selber denken kann, und vermeidet vor allem die typischen Lemming-Fallen!

    1. Hey Tom, danke für den Hinweis. Dass Wells Fargo sehr gut sein soll habe ich auch schon gehört, und deine Erklärung erscheint mir äußerst überzeugend. Letztendlich denke ich, dass im wesentlichen die von dir genannten Faktoren ausschlaggebend sind. Gerade die billigen Einlagen (bei negativen Zinsen natürlich fast wertlos) machen wahrscheinlich viel aus – in Deutschland haben die Sparkassen und Volksbanken trotz des großen teuren FIlialnetzes bei der Profitabilität insgesamt die Nase weit vorne. Zu schade, dass Sparkassen nicht investierbar sind.

      Was den Analyseaufwand angeht: ich schaffe es ja bei eigentlich keinem Unternehmen eine wirklich tiefgehende professionelle Analyse zu machen – dazu habe ich auch bei einer Siemens keine Chance. Wenn ich dafür bei Banken einen ordentlichen Bewertungsabschlag bekomme (momentan der Fall) reicht es mir dann aus die wichtigsten Kennzifern zu verstehen um mir ein Urteil bilden zu können. Und zu Banken gibt es wegen der strengen Aufsicht immerhin recht aussagekräftige Statistiken, habe ganz interessante gefunden…

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