Zwei mal Aktienrückkauf :)

Es ist schon faszinierend, was ein Aktienrückkauf bei kleinen Werten auslösen kann. Gestern und heute konnte man das sehr gut bei zwei meiner Depotpositionen beobachten: Sowohl Bavaria Industries als auch Hypoport sind nach Neuigkeiten zu Aktienrückkauf in einem schwachen Markt nach oben geschossen.

Bavaria hat sein normales Aktienrückkaufprogramm aufgegeben – es kamen bei den dünnen Umsätzen auch nicht mehr viele Aktien zusammen – und stattdessen ein Angebot zum Festpreis von 44,50€ gemacht. Dieses umfasst die Gesamte von der Hauptversammlung genehmigte Anzahl Aktien, also weit über die Hälfte des Streubesitzes. Folglich stieg der Kurs umgehend auf einen Wert knapp unter diesem Angebot an, und dürfte bis Oktober dort eine untere Absicherung haben.

Warum das ganze? Sinn macht ein Rückkauf zum festen Kurs vor allem dann, wenn man hofft größere Aktienpakete zu erwerben. Da der Streubesitz nur noch kanpp über 10% liegt und die Umsätze sehr gering sind, darf das Rückkaufprogramm nur wenige Aktien übr die Börse kaufen. Die zurückgekaufte Anzahl Aktien ist dabei immer weiter gefallen.
Nun könnten auch größere Investoren auf die Idee kommen, sich von Anteilen zu trennen. Wenn die das nämlich über die Börse tun wollen, lösen sie bei den geringen Umsätzen (manchmal mehrere Tage gar keine) schnell Kursrückgänge aus. Meine Hoffnung wäre, dass eventuell sogar einige der bestimmenden Großinvestoren was abgeben, und der Streubesitz steigt. Naja, ist eher Unwahrscheinlich…

Falls die Aktie noch einmal unter 44 € fallen sollte ergäbe sich hier eine risikofreie Gewinnposition. Ich überlege aber tatsächlich ob ich nicht meine Aktien nach der (fast-)Verdreifachung verkaufen sollte um freies Kapital für andere Gelegenheiten zu haben. Die Ergebnisse des Halbjahres waren im operativen Bereich nur bei Tristone wirklich gut, und die Aktionärsunfreundliche Kommunikation sowie der Shift zu einem Anlagevehikel mit immer mehr Aktienvermögen passen mir weniger.

Einen anderen Weg geht Hypoport: hier wurde heute (18.09.2015) die Preisobergrenze des Aktienrückkaufprogramms von 30 auf 40€ angehoben. Da der Kurs schon eine Weile deutlich über den 30€ notierte, konnte auch hier das Rückkaufprogramm seit einiger Zeit nicht aktiv werden. Unter 30€ hatte es im Juli jeden Tag verlässlich die maximal mögliche Menge gekauft, aber wie schon öfters ist die Kursentwicklung dann davongelaufen. Hier steigen die Börsenumsätze in letzter Zeit stark an, getrieben davon dass inzwischen auch die Anlegermagazine die Aktie entdeckt und empfohlen haben.

Die Bewertung des Unternehmens ist nach wie vor OK, und es dürften in diesem Jahr noch ein paar News zu neuen Rekordergebnissen und Umsätzen kommen – im Vergleich zum Vorjahr läuft es extrem stark in allen Bereichen.
Der Kurs aber reagierte extrem: innerhalb kürzester Zeit stieg die Aktie um knapp 10%, nachdem sie schon am Montag einen ähnlich großen Sprung gemacht hat. Sachlich begründet ist der Sprung eigentlich kaum (schließlich war Hypoport vor genau einer Woche nicht 20% weniger wertvoll), aber nach Empfehlungen am Wochenende und der nun zusätzlichen starken Nachfrage durch das Rückkaufprogramm bis in den 40€ Bereich steigt natürlich auch die Nachfrage. Ich gehe davon aus, dass die Kurse kurzfristig wieder ein wenig abbröckeln, aber in wenigen Wochen dem ARP wieder der Stoff ausgehen könnte 🙂

Fazit

Letztendlich sind beide Nachrichten sehr schön: die Unternehmen – die beide keine Dividenden zahlen – schütten ihre Gewinne auf andere Weise aus. Wem Bargeld lieber ist, der kann ja im Prinzip nach dem Rückkauf von 5% der ausstehenden Aktien 5% seiner eigenen Position verkaufen – er hat dann das Geld in Bar. Oder er freut sich daran, dass der Gewinn pro Aktie automatisch steigt, bzw bei Hypoport durch die Mitarbeiterbeteiligungsprogramm im Gegensatz zu vielen anderen Firmen keine neuen Aktien geschaffen werden.

Sehr schön finde ich hier vor allem, dass die Vorstände der beiden Unternehmen (die jeweils selbst die größten Aktionäre sind) ihr Unternehmen ebenso wie ich für klar unterbewertet halten und nicht auf Barausschüttungen aus sind. Bei Hypoport wurde das ja auch auf der Hauptversammlung so geäußert dass man Rückkaufprogramme einer Dividende tendenziell vorzieht.

Allgemein sind Aktienrückkäufe vor allem dann positiv, wenn sie aufgrund der Unterbewertung des Unternehmens erfolgen. Genau deshalb finde ich sie hier so schön…

Sehr schön wäre es natürlich, wenn Balda sich dem anschließt, denn deutlicher kann die Unterbewertung nicht zu Tage treten als dort. Dann hätte ich in meinem Portfolio auch kein Unternehmen, was nicht Gewinne ausschüttet mehr, also sehen was die anstehende Hauptversammlung von Balda bringt.
Im Übrigen gibt es für Balda ein neues Koordinationsforum/-Wiki der Kleinaktionäre zur Hauptversammlung und Stimmenbündelung, in dem genau solche Anliegen auf die Tagesordnung gebracht werden sollen – falls du Baldaaktien hast schau also vorbei!

4 Gedanken zu „Zwei mal Aktienrückkauf :)

  1. Schöner Beitrag,

    ich habe unter einem anderen Beitrag schon mal etwas zu Hypport geäußert.

    Habe mir die Aktie aufgrund deines Beitrages Damals ins Musterdepot gelegt (leider nicht in das echte) Denn die Aktie steht bei mir gerade mit 128% im Plus.

    Jetzt würde ich gerne von dir Wissen wie bist du auf das Unternehmen aufmerksam geworden? Denn du hast ja ein phantastisches Timing hingelegt. An dieser Stelle Herzlichen Glückwunsch zum kräftigen Zuwachs der Position.

    Gruß

    C.F

    1. Hi Christian,
      richtig gutes Timing wäre gewesen, wenn ich mich mit der Aktie beschäftigt hätte sobald sie mir das erste mal begegnet ist – das muss Februar bis März gewesen sein als der steile Anstieg begann und sie noch bei 15€ stand.
      Damals wurde in Foren (also eigentlich vor allem ariva und werthaltig investieren) von scansoft (Ich weiß gar nicht wie er richtig heißt, hab mich auf der HV nicht mit ihm unterhalten) schon viel geschrieben und die Aktie fiel mir dann auf, als sie in etlichen wikifolios wie dem von Katjuscha auftauchte. Als ich geschaut habe wie das Geschäftsmodell ist, hat mich das Wort „Plattformgeschäft“ und „Netzwerkeffekt“ zusätzlich zu dem Fakt dass die Firma in meiner Stadt beheimatet ist angesprochen und ich habe mich näher damit beschäftigt. In meinem Wikifolio ist die Position inzwischen auch mit 130% im Plus und dadurch auf fast 20% Depotanteil gewachsen und ich frage mich wie weit es realistischerweise noch gehen wird…

      Wenn man solche Aktien entdecken will, sollte man auf jeden Fall viel Recherchearbeit reinstecken und gleichzeitig gut analysieren können wie viel Geld das Geschäft verdienen kann.
      Im Moment bin ich aus privaten Gründen eine Weile nicht zum schreiben gekommen, aber ich werde in Zukunft weiter versuchen solche interessanten Aktien auch hier vorzustellen. Also durch coole Blogs kann man so etwas manchmal auch finden 😉

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