Analyse Sixt SE – mit Mobilität in die Zukunft

Nachdem ich mich mit dem relativ neuen Trend hin zum stationsunabhängigen Carsharing befasst und zur Information auch in den Geschäftsberichten von Sixt nachgeschaut habe, will ich mich mit der Sixt SE einmal genauer befassen. Sixt ist Marktführer in der deutschen Autovermietung, einer der größten unabhängigen Leasinganbieter Deutschlands und auch international inzwischen auf der Aufholjagd.Fillialen von Hertz, Sixt und Europcar nebeneinander im Berliner Hauptbahnhof Filialen von Hertz, Sixt und Europcar nebeneinander im Berliner Hauptbahnhof

Was hat mir, außer dieser interessanten Zukunftsperspektive, an Sixt so gefallen?

Sixt fällt dadurch auf, dass es eine relativ günstige Bewertung hat – nach der Prognoseanhebung vermutlich ein KGV von etwa 11 – und in sehr langfristiger Perspektive ein starkes und vor allem profitables Wachstum vorweisen kann. Das ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt dass der Markt von Verdrängungswettbewerb geprägt ist, und Sixt trotzdem auf Eigenkapitalrenditen von 20% kommt. Der Marktanteil in Deutschland wurde immer weiter gesteigert (auf über 30%), im Ausland ist man aber gerade erst am Anfang und kann momentan enormes Wachstum vorweisen – wie gesagt ohne einen ruinösen Preiskampf anzuzetteln. Die Prognose wurde gerade erst angehoben, nachdem die Geschäfte deutlich besser laufen als erwartet worden war. Die gute Profitabilität bei weiteren Marktanteilsgewinnen und moderater Bewertung schreit also förmlich nach einer genauen Analyse.

Geschäftsmodell

Das ursprüngliche und bei weitem größte Geschäftsfeld von Sixt ist die klassische Autovermietung. Dieses ist auch, was man als Verbraucher mit Sixt verbindet. Sixt fällt oft durch sehr provokante und aggressive Werbung auf, bei der sehr schnell aktuelle Themen der Gesellschaft aufgegriffen werden – zuletzt wurde der GdL-Chef Weselsky für den von ihm geführten Bahnstreik als Mitarbeiter des Monats “ausgezeichnet”. Wer während der Lektüre dieses Artikels mehr Unterhaltung braucht, kann sich hier ja mal die Sixt-Werbung anschauen. Der Unterhaltungswert ist definitiv höher als bei den meisten Fernsehkomikern, weshalb ich ein paar schöne Motive zur Ablenkung in den Beitrag eingebaut habe (zu schade dass ich nix dafür kriege…) 😀

Sixt nimmt die Wahlschlappe der FDP auf die Schippe
Sixt Werbung

Das Geschäftsprinzip der Autovermietung ist auch klar: Man kauft sich ein oder mehrere Autos, stellt sich irgendwo auf wo Menschen ein Auto brauchen könnten (z.B. am Flughafen) und vermietet es Tage- oder Stundenweise für einen gewissen Preis weiter. So weit, so einfach – eigentlich kann dieses Geschäft jeder Idiot betreiben, sofern er das nötige Kapital für ein Auto aufbringen kann. Natürliche Wettbewerbsvorteile gibt es eigentlich nicht, allenfalls durch Bekanntheitsgrad, Kundenbindungen, Qualität oder Kostenvorteile kann man sich von den Wettbewerbern absetzen.

Sixt versucht traditionell, einen besonders hohen Anteil hochwertiger Fahrzeuge anzubieten – insbesondere von Audi, BMW und Mercedes. Dies wird auch extra beworben, und die attraktive Flotte ist natürlich gerade im Urlaub (wo das Geld locker sitzt) oder auf Geschäftsreisen (wo die Firma zahlt) verlockend – gleichzeitig ermöglicht sie Sixt den Wettbewerb nicht nur über die Preise zu führen und folglich besser zu verdienen.

Die Kundschaft der Autovermietungen sind zu etwa gleichen Teilen Privatkunden und Geschäftskunden, insbesondere aber in beiden Gruppen Menschen auf Reisen. Krisen die sich auf die Reisetätigkeit oder die Ausgabebereitschaft während der Reisen auswirken haben schwere Auswirkungen auf das Vermietgeschäft. Somit ist Sixt ein ziemlich konjunktursensibler Wert.

Zusätzlich zu den eigenen Stationen gibt es ein Netz an Franchisepartnern – also lokale Autovermieter, die auf eigene Rechnung unter dem Namen Sixt agieren und sich in das Gesamtkonzept einfügen. Insbesondere in vielen Auslandsmärkten ist Sixt nur durch Franchisepartner vertreten. Der Vorteil: Sixt kassiert eine Gebühr (ich habe von etwa 6% des Umsatzes gelesen) und trägt dafür keinerlei unternehmerisches Risiko

Zweites großes Standbein, was wenige wissen, ist das Leasinggeschäft und Flottenmanagement. Hier können Firmen günstig und kapitalschonend ihre Fuhrparks betreiben, indem sie die Autos eben nur leasen. Der größte Marktanteil beim Leasing entfällt auf Firmen die direkt mit Banken oder Autoherstellern verbunden sind und damit günstigere Finanzierungen oder günstigere Autos bekommen. Sixt versucht sich daher als erweiterter Anbieter zu positionieren und die Verwaltung und Auswahl der Flotte zusätzlich anzubieten. Mit diesen Extra-Services gelingt es trotz der Nachteile als unabhängiger Anbieter profitabel einen guten Teil des Leasingmarktes abzudecken.

 

Zusätzlich hat Sixt noch einige weitere, im Umsatz aber zweitrangige verwandte Geschäftsfelder: Wie schon erwähnt 50% des Carsharing-Angebotes DriveNow (2011 gestartet), das wohl seit einigen Monaten operativ schwarze Zahlen schreiben soll und die weitere Expansion vorbereitet. Hier sehe ich enormes Wachstumspotential auf mehrere hundert Mio € profitablen Umsatz, wenngleich die Prognose hier noch sehr unsicher ist.
Zudem gibt es den ebenfalls noch sehr jungen Chauffeurdienst myDriver, der Taxis hochwertige Konkurrenz machen will. Darüber hinaus noch die Autohandelsplattform autohaus24 gemeinsam mit AutoBild, bei der Neuwagen günstig vermittelt werden.

Wettbewerbsvorteile

Natürliche langfristige Wettbewerbsvorteile sehe ich bei Autovermietern kaum. Der einzige relevante Punkt an der Stelle ist ein gewisser Netzwerkeffekt für große Anbieter bei Firmenkunden: Wenn eine große Firma einen Vertrag mit einer Autovermietung abschließen will, damit ihre Manager überall die entsprechenden Fahrzeuge auf Geschäftsreisen nutzen können, dann ist es natürlich wichtig ein entsprechend gutes Netz an Mietstationen zu besitzen. Die großen internationalen Anbieter haben daher eine bessere Auslastung, höhere Nachfrage und gewinnen seit langem kontinuierlich Marktanteile von lokalen Konkurrenten. In Deutschland sind geschätzt 80% des Marktes unter den großen Konzernen aufgeteilt, über 30% des Marktes sollen auf Sixt entfallen.

Darüber hinaus bietet die Größe natürlich die Möglichkeit, entsprechend große Kooperationen mit Reiseveranstaltern einzugehen (z.B. bei Sixt aktuell eine Vereinbarung mit Expedia) und beim Einkauf der Wagen, dem mit Abstand größten Kostenblock, bessere Konditionen auszuhandeln. Kostendisziplin und gutes Management bleiben aber nach wie vor kritisch für den langfristigen Erfolg.

Konkurrenz

Die größten Konkurrenten in der Autovermietung sind Europcar (europäischer Marktführer), Avis/Budget und Hertz.

 

Avis hat in den letzten Jahren außer 2012 keine nennenswerten Gewinne gemacht und stark in Umsatzwachstum investiert – ist finanziell aber bei weitem nicht so stark wie Sixt, kann z.B. keine Dividende auszahlen und hat eine erschreckend niedrige Eigenkapitalquote (771 Mio$ Eigenkapital bei über 16 Mrd$ Bilanzsumme). Als Nettogewinn blieben 2013 gerade mal 16 Mio$.

Europcar wurde von einem Finanzinvestor fremdfinanziert gekauft und leidet daher ebenso unter einem hohen Schuldenberg. Bei einem Umsatz von 1903 Mio € wurde 2013 ein EBITDA von 157 Mio € erzielt. Nach Abzug von Steuern und Zinskosten dürfte also nur wenig geblieben sein.

Hertz scheint hingegen recht profitabel zu sein, zumindest insgesamt hat der Konzern unterm Strich 346 Mio $ in 2013 verdient. Der Gewinn kommt aber hauptsächlich aus den USA, in Europa stagniert das Geschäft mehr oder weniger.

Zu den genauen Zahlen von Sixt (kommt gleich) gibt das einen interessanten Kontrast: Sixt ist nicht nur absolut ein sehr starkes Unternehmen, sondern auch relativ zu den Wettbewerbern, die nicht an die Profitabilität von Sixt heranreichen. Das macht es unwahrscheinlicher, dass diese Konkurrenten einen Preiskrieg beginnen, und zeigt dass Sixt möglicherweise versteckte Vorteile haben könnte, die die Gewinne auch langfristig sichern. Zudem ist Sixt so bestens gerüstet falls es zu einer Konsolidierungswelle kommen sollte.

Zahlen

Nachfolgend die Zahlen seit der Umstellung auf IFRS-Bilanzierung 2005:

Jahr

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

Umsatz

1664,6

1595,6

1563,7

1538,2

1601,5

1773,9

1568,8

1443,1

1335,7

Operatives Ergebnis

173,6

167,7

189,9

156,2

67,1

154,9

177,7

153,3

123,6

Ergebnis vor Steuern

137,1

118,6

138,9

102,3

15,1

86,7

137,7

121,6

90,9

Jahresüberschuss

94,8

79,2

97,7

71

10,4

61,5

93,5

73,7

55,9

Ausschüttungssumme

48,4

48,4

36,8

34,5

5,2

20,4

29,7

26,3

18,2

Anlagevermögen insgesamt

880,6

835,3

760,8

800,7

922,5

990,5

834,3

623,8

604,3

Umlaufvermögen

1480,6

1324,8

1554,5

1418,3

1161,8

1468,8

1207,4

930,7

706,3

Bilanzielles Eigenkapital

675,2

632,78

595,9

540,8

485

492,8

461

392,9

264,2

Verbindlichkeiten

1697,9

1540,9

1732,2

1687,8

1611,6

1976,5

1586

1163,4

1051,2

Bilanzsumme

2373,4

2173,7

2328,2

2228,7

2096,6

2469,3

2047

1557,8

1317

Mitarbeiter

3070

3262

3052

2871

2981

2776

2341

2015

1923

Eigenkapitalquote

28,45%

29,11%

25,59%

24,27%

23,13%

19,96%

22,52%

25,22%

20,06%

Eigenkapitalrendite vor Steuern

20,31%

18,74%

23,31%

18,92%

3,11%

17,59%

29,87%

30,95%

34,41%

Gesamtkapitalrendite

7,31%

7,71%

8,16%

7,01%

3,20%

6,27%

8,68%

9,84%

9,38%

Man erkennt hier sehr schön das Wachstum der letzten Jahre, genau wie auch den großen Einbruch während der Finanzkrise 2009. Trotzdem ist Sixt in den Jahren immer profitabel geblieben. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt der obige Vergleich mit Branchenkonkurrenten, die teilweise auch aktuell noch kaum Gewinne erzielen können.

Entwicklung von Umsatz und Bilanzkennziffern bei Sixt seit 2005
Entwicklung von Umsatz und Bilanzkennziffern bei Sixt seit 2005

Besonders freut mich natürlich immer eine Eigenkapitalentwicklung wie hier, die stetig und deutlich ansteigt. Wie man erkennen kann, spielt das schwankende Vermögen, im wesentlichen die zu vermietenden Fahrzeuge, eine große Rolle in der Bilanz. Die Cashflowrechnung habe z.B. deswegen auch aus der Betrachtung ausgeklammert – denn ein beständiger positiver Free Cashflow ist einfach vom Geschäftsmodell her in einer Phase der Expansion nicht möglich. Die Gewinne sind aber insgesamt absolut überzeugend und angesichts der Konjunkturanfälligkeit auch erstaunlich stabil. Durch die zunehmende Expansion ins Ausland dürfte zudem noch einiger Wachstums-Spielraum vorhanden sein.

Bilanz

Die Relationen in der Bilanz sehen für mich auch äußerst stabil aus. Die Schulden sind in aller Regel durch entsprechende Fahrzeugwerte gedeckt, die meist auch mit festen Rückgabeklauseln versehen werden und daher nur geringes Wertverlustrisiko aufweisen. Die Eigenkapitalquote ist langfristig immer zwischen 20% und 30%. Sie schwankt eher dadurch, dass die Bilanzsumme mit der Flottengröße ausgeweitet oder verkleinert wird als durch Gewinne und Verluste. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist das ein ausgesprochen guter Wert. In der aktuellen Bilanz ist die EK-Quote etwas zurückgegangen, weil einfach die Bilanzsumme von 2,3 auf 3 Mrd € ausgeweitet wurde, während das Eigenkapital natürlich nicht im gleichen Tempo schritthalten kann.

Aktiva ger. in Mio €
Goodwill 18
Imm. Vermögen 22
Sachanlagen 63
Leasingvermögen 871
Ertragssteueransprüche 25
Sonstige (Langfristig) 15
Vermietfahrzeuge 1327
Vorräte 36
Forderungen aus Lieferg.&Leistungen 344
Sonstige (Kurzfristig) 235
Cash 46
Bilanzsumme 3002
 Passiva in Mio €
Eigenkapital 728
Langfr. Finanzverbindlichkeiten 1164
Verbindl. aus Finanzleasing 81
sonstige langfr. Verbindlichkeiten 9
Latente Steuern 16
kurzfr. Finanzverbindlichkeiten 390
Verbindl. aus Lieferungen&Leistungen 401
Steuerrückstellungen 37
sonst. Rückstellungen 77
sonst. kurzfr. Verbindlichkeiten 100

An der Bilanz habe ich wie gesagt wenig auszusetzen. Das einzige was auffällt, ist dass die durch den Kapitaleinsatz in Form von Autos zwangsläufig hohe Verschuldung ein gewisses Risiko mit sich bringt. Insbesondere sehe ich das Risiko, dass die Zinsen wieder anziehen könnten – in der Folge wäre das Ergebnis durch die Schulden erheblich belastet. Da dieser Punkt die Wettbewerber aber vermutlich noch viel härter treffen würde, dürften in dem Fall Preiserhöhungen in der ganzen Branche durchsetzbar sein, eventuell würde sogar Sixt langfristig durch die gute Finanzierung davon profitieren. Zusätzlich ist aber wie man sieht ein effizientes Planungssystem absolut notwendig um die Kosten und den Kapitaleinsatz insgesamt einigermaßen gering zu halten.

Sixt-Werbung aus den 90ern

Führung

Bei Sixt ein wirklich langfristiges Thema: In dritter Generation wird die Firma im Moment von Erich Sixt geleitet, der gerade erst bekräftigt hat auch mit über 70 keineswegs amtsmüde zu sein und der weiterhin die Geschicke leiten will. Das tut er inzwischen seit er 25 ist, Sixt ist also sein Lebenswerk. Daher würde ich ihn als einen erfahrenen, hochkompetenten und bewährten Unternehmer einschätzen, der an sich schon einen enormen Wert für die Firma darstellt. So lange er mit der alten Kraft Sixt leitet, mache ich mir keine Sorgen – Bedenken hätte ich eher wenn er plötzlich aufhört. Da ihm aber 60% der Stammaktien selbst gehören, kann ihn dazu niemand zwingen als vielleicht die Gesundheit 🙂

Es vergeben viele Investoren ja einen Bonus für solche Inhabergeführten Aktiengesellschaften – hier ist der meiner Meinung nach auch absolut angebracht, denn Sixt wird seit langem offenbar exzellent geführt. Hoffen wir, dass das so bleibt!

Sonstiges und Bewertung

Ich habe den Eindruck, dass es sich bei Sixt um ein erstklassiges Unternehmen handelt. Mein bisher einziges Mietwagenerlebnis war zwar bei Robben&Wientjes (in Berlin wird damit fast jeder Umzug gefahren), aber Sixt ist ja nicht umsonst Marktführer in Deutschland geworden. Wenn die Expansion in den anderen Märkten, insbesondere Westeuropa und den USA, weiter so gut funktioniert ist auch die Stagnation im umkämpften deutschen Markt nicht weiter schlimm. Da mit DriveNow ein hervorragendes Zukunftskonzept vorhanden ist, mit dem man sogar schon operative Gewinne schreibt und weiter expandieren will, gibt es zusätzliche Fantasie nach oben.

Gewinne von 2 bis 3 € je Aktie halte ich auch in Zukunft für gut erreichbar, was die aktuelle Bewertung von ca 25€ je Vorzugsaktie günstig erscheinen lässt. Natürlich gibt es Risiken, insbesondere könnte ein Konjunktureinbruch oder eine große politische Krise für weniger Reisen und damit weniger Umsatz sorgen, Zinsen oder Benzinkosten könnten steigen oder oder oder. Eigentlich versuche ich im Moment konjunkturanfällige Branchen eher zu meiden. Ich denke aber hier kann ich eine Ausnahme machen, da Sixt selbst durch die Finanzkrise relativ glimpflich gekommen ist. Ich würde den Wert von Sixt momentan auf 1,5 bis 2 Mrd € schätzen, während der Börsenwert bei 1,3 Mrd liegt. Die Dividende könnte problemlos auf dem aktuellen Niveau bleiben, was einer ordentlichen Rendite von etwa 4% entspräche. Solange die Konjunktur stabil bleibt, ist Sixt für mich daher eine großartige Investition in die Mobilität der Zukunft!

12 Gedanken zu „Analyse Sixt SE – mit Mobilität in die Zukunft

  1. Guter Artikel, danke.

    Zu Drive Now:
    ich sehe hier ebenfalls gute Chancen für die Zukunft. Ich könnte mir vorstellen, dass sie das nur in den Städten anbieten, wo Sixt eh schon aktiv ist – dadurch können sie Synergien bei der Wartung der Fahrzeuge nutzen, indem diese Sixt-Stationen die Wartung mitübernehmen. (Wie macht das beispielsweise Daimler mit Car2Go – Mercedes-Händler? Oder müssen die Extra-Wartungsstationen halten?).
    Allerdings ist Drive Now noch ziemlich klein, und bis das wirklich einen nennenswerten Anteil am Geschäft ausmacht, wird es noch ein paar Jahre dauern. Bis dahin hängt alles am ‘klassischen’ Geschäft.

    Cash Flow: Das ist genau das Problem, das ich mit Sixt habe. Stimmt schon, dass ein positiver Free Cash Flow in einer Expansionsphase kaum möglich ist, aber die Finanzverschuldung ist halt auch nicht schlecht, wenn auch besser als bei Konkurrenten. Und Preiserhöhungen bei steigenden Zinsen:
    – das Problem sehe ich in diesem Fall nicht bei den Konkurrenten (die dann ja müssen), sondern eher darin, dass die Kunden sich auf andere Art und Weise fortbewegen.
    – Obwohl: wenn wer irgendwo hin fliegt, und da Auto fahren will, hat er nicht viele andere Möglichkeiten… Muss ich mir vielleicht nochmal durchüberlegen, aber:

    Momentan scheint mir der Kurs zu hoch, vor allem wegen dem Risiko mit Cash Flow und Verschuldung. Ich werde das Unternehmen in der Watchlist halten, weil es wirklich gut geführt zu sein scheint.

    Nochmal Danke für die beiden Artikel (auch den über Carsharing) und Gruß
    Tom

    1. Ich glaube, dass die Extra-Wartungsstationen ohnehin halten müssen, allerdings weiß ich nicht ab wann sich ein outsourcen lohnen würde (man könnte ja genauso auch einen ordentlichen Rabatt mit bestehenden Werkstätten aushandeln bei der Autozahl). Das einzige was ich bei der Recherche zum Carsharing-Beitrag dazu gefunden habe war folgender Artikel . Demzufolge hat Car2Go eine recht große eigene Werkstatt, die aber im wesentlichen die Fahrzeuge sauber hält oder kleine Reparaturen macht.

      Ich denke aber, dass man die Expansion nicht so sehr daran ausrichtet, sonst wäre nicht Nordamerika als explizites Ziel für DriveNow angeführt, wo Sixt ja gerade noch mit dem Markteintritt beschäftigt ist.

      Danke übrigens auch für die Artikel auf deinem Blog. Ich lese die echt gerne, auch wenn ich es nicht unbedingt kommentiere 😉

  2. Ein sehr schöner Artikel! Bei der Aktie sollte man sich überlegen, ob man sich für die Stamm- oder die Vorzugsaktien entscheidet. Die Vorzüge haben zwar kein Stimmrecht auf der HV, bieten dafür jedoch eine höhere Dividendenrendite. Die Ehefrau und die beiden Söhne von Erich Sixt sind übrigens ebenfalls beim größten banken- und herstellerunabhängigen Leasinganbieter Deutschlands beschäftigt.

    1. Ich würde hier klar die Vorzüge präferieren – einfach weil sie erheblich billiger sind, und das Stimmrecht sowieso allein bei Herrn Sixt mit 60% Stammaktien liegt. Eine feindliche Übernahme ist also nicht zu erwarten. Deshalb wundert es mich auch ziemlich, dass die Vorzüge so deutlich billiger sind. Hab mir jedenfalls nach Beendigung des Artikels einen Auftrag für die Vorzüge zu 24,50€ angelegt, der gestern erfüllt wurde, und bin auf die weitere Entwicklung gespannt.

      1. Tobi, ich teile Deine Einschätzung zu Sixt und zu den Vorzügen der Vorzüge. 😉 Die guten 9-Monatszahlen sind für mich allerdings etwas dadurch getrübt, dass der Bahnstreik sie aufgeblasen hat. Ich hätte hier lieber ein “normales” Quartal gesehen um erkennen zu können, wie sich Sixt im geregelten Umfeld und bzgl. der sich abkühlenden Konjunktur schlägt. Das ist nun etwas vernebelt durch die “Autoverleihsonderkonjunktur” und wir müssen das Schlussquartal abwarten. Aber bessere Zahlen als gedacht sind unter dem Strich natürlich nicht verkehrt. Und selbst nach dem rasanten Anstieg sind die Vorzüge mit einem 2015er KGV von 11 und einer 2014er Dividendenrendite von 3,5% attraktiv bewertet.

  3. Sehr interessante und ausführliche Analyse !!!
    Ich bin selbst seit sechs Monaten in Sixt investiert. Denn ich halte den Autovermieter für eine aussichtsreiche Investitionsmöglichkeit.
    Die fortlaufende Urbanisierung erhöht die Kosten für ein eigenes Auto. Daher greift die Gesellschaft immer häufiger auf Carsharing-Produkte wie Drive Now zu oder mietet sich, falls notwendig, schnell ein Auto. Seit 2013 expandiert Sixt in die USA, den weltweit größten Markt für Autovermietungen. Mittlerweile zählt das Unternehmen 61 Stationen. Bis zum Jahresende 2015 sollen weitere 20 folgen. Erich Sixt in einem Interview: „Jede Station, die wir aufmachen, macht sofort recht erfreuliche Umsätze“ und „Theoretisch könnten die USA 1.000 Sixt Stationen vertragen“. Weitere Wachstumsinitiativen können außerdem durch die, mit der im Branchenvergleich starken finanziellen Lage, und dem Börsengang der Sixt Leasing AG finanziert werden. Vor allem mit AVIS existiert aber auch Konkurrenz auf dem US-Markt. Der „Preiskrieg“ in dieser Branche ist stark ausgeprägt und muss berücksichtigt werden. Sixt sollte stets ein Auge auf die Rentabilität haben und nicht unkontrolliert anwachsen. Noch gelingt das sehr gut. Das Geschäft ist aber stets mit hohem Investitionsbedarf verbunden. Die damit verbunden Risiken werden immer bestehen.
    Unterscheidungsmerkmale besitzt Sixt in ihrer Strategie, hauptsächlich auf Premiumfahrzeuge deutscher Hersteller wie BMW, Daimler und Audi zu setzen. Das kommt im Ausland sehr gut an. Zudem gehört das Unternehmen zu den Branchenführern hinsichtlich innovativer Mobilitätskonzepte. Sixt bietet sehr viele Dienstleistungen für Unternehmen, aber auch Privatkunden an. Damit fungiert Sixt als eine Art Beratung und kümmert sich über den Vermietungs- bzw. Leasingabschluss hinaus um Kunden, um sie langfristig binden zu können.

    Allgemein gesehen stufe ich die Kennzahlen als gut ein. Im Branchenvergleich sind die Zahlen der SIXT SE aber sehr stark. Sixt ist weltweit der rentabelste Autovermieter und gehört finanziell gesehen zu den Besten seiner Branche. Auf den ersten Blick stufe ich die Aktie als fair bewertet ein. Aber auch hier ist ein Vergleich von Nöten. Wie bereits im Bericht geschrieben, sind die anderen großen Vermieter deutlich höher bewertet. Wenn man sich nun das Wachstumspotential in den USA, verknüpft mit den finanziellen Möglichkeiten und den meiner Meinung nach sehr starken Werbekampagnen anschaut, komme ich zu einer eher unterbewerteten Aktie. Das Wachstumspotential ist meiner Meinung nach sicher noch nicht vollständig im Kurs berücksichtigt.
    Für die Aktie spricht vor allem auch der Umstand, dass sich das Unternehmen im Familienbesitz befindet. Erich Sixt führt das Unternehmen in dritter Generation. Er fühlt sich nach neuesten Angaben sehr gesund. Im Falle eines Rücktritts stehen aber schon seine beiden Söhne auf Abruf. Vor allem Alexander Sixt wird als möglicher Nachfolger gehandelt. Das heißt, die Sixt SE wird allem Anschein nach in Familienbesitz bleiben. Aktien von familiengeführten Unternehmen versprechen meist eine überdurchschnittliche Rendite.

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