Archiv der Kategorie: Anlagephilosophie

Grundlegende Gedanken zu Auswahl möglichst sicher gewinnbringender Geldanlage, insbesondere in Bezug auf Aktien und Börsenpsychologie

Bilanz-Schnäppchen bei Aktien – eine fast sichere Sache

Es gibt Strategien in der Aktienanlage, die funktionieren einfach. Oft kann niemand genau erklären warum genau, aber man hat irgendwo eine Statistik, die eine kleine Überrendite zeigt.

Es gibt noch viel mehr Strategien, die klingen sehr logisch. Oder manchmal einfach so kompliziert, dass niemand sie versteht, aber der Urheber für sehr intelligent gehalten wird. Oft werden hier Backtests angeführt, die aber einem Test in der Praxis oder Gegenwart nicht standhalten. Oder das Konzept funktioniert eine Weile, dann haben es alle antizipiert. Beispiel: im Dezember kleine Wachstumswerte kaufen, bevor die Fonds zur Jahresabrechnung umschichten und in der Auswertung zeigen wollen dass sie die auch haben, soll mal ganz gut funktioniert haben.

Die Strategie, die ich hier vorstellen will ist anders: Sie hat eine bestechend einfache Logik und sie hat seit vielen Jahrzehnten nachweisbar funktioniert. Bilanz-Schnäppchen bei Aktien – eine fast sichere Sache weiterlesen

Politik und Börsen

Anlass dieses Artikels – man kann es sich denken – ist natürlich die aktuelle Krise in Griechenland. Heute früh (27.06.2015) wurde bekannt, dass die griechische Regierung ein Referendum über den Sparkurs und Verbleib im Euro plant (nach Ablauf der Frist, in der die Regierung offiziell als insolvent gelten dürfte und ohne Kapitalverkehrskontrollen bis dahin natürlich) – was die Griechen zum ersten mal tatsächlich an die Bankautomaten strömen ließ. Inzwischen haben die Euro-Finanzminister den Griechen eine Abfuhr erteilt und scheinen darüber zu beraten, wie man denn am besten mit einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands umgehen soll.

Ich will nicht wissen was passiert wäre, wenn diese Nachricht an einem Börsentag gekommen wäre. Bereits in der vergangenen Woche wurden sämtliche Ausschläge an den Börsen mit Griechenland begründet, selbst wenn der Markt auf der Stelle trat gab es Schlagzeilen wie “Deutsche Aktien schwanken wegen Griechenland-Showdown”(FAZ). Tatsächlich war der DAX nur wie an normalen Handelstagen auch am Donnerstag einfach in einer Bandbreite von unter plusminus einem Prozent geblieben, wenn ich mich richtig erinnere.

politisch mag der Bundestag bedeutend sein - seine Auswirkung auf die Unternehmen sollte man aber in der Regel nicht überschätzen
Politisch mag der Bundestag bedeutend sein – seine Auswirkung auf die Unternehmen sollte man aber in der Regel nicht überschätzen

Trotzdem gibt es natürlich eine starke Auswirkung der politischen Entscheidungen auf den Aktienmarkt und besonders auf einzelne Aktien. So wurden die Turbulenzen und Kurseinbrüche zu Beginn der Finanzkrise von der politischen Entscheidung Lehman Brothers nicht zu retten verursacht – Als Bear Stearns Pleite ging und als die ersten großen Immo-Fonds geschlossen wurden weil sie nicht mehr liquide

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Das Depot einmal anders betrachtet

Wie oft hat man nicht schon gelesen, gehört oder selbst von sich gegeben, dass Aktienanlage eine langfristige Sache ist? Und wie oft erwischt man sich dann doch dabei, über Bewegungen von 3% bei einer Aktie bei Verkündung der Quartalszahlen nachzudenken – wenn das bei einem langfristigen Engagement doch nebensächlich sein sollte?

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Der unterschätzte Zinseszins einbehaltener Gewinne

Warum teure Aktien manchmal günstig sein können

Ich habe mich früher oft gefragt, warum es Sinn machen soll, Unternehmen mit einer (auf Gewinn oder Buchwert oder ähnliches bezogen) doppelt oder dreifach so hohen Bewertung einem erstmal günstiger aussehenden Unternehmen vorzuziehen. Und vor allem, warum dies bei einigen Unternehmen (die mitunter gar keine soo großen Wachstumsraten aufweisen) so gut funktioniert. Der allseits bekannte Star-Investor Warren Buffet schwört ja darauf, dass ein hervorragendes Unternehmen zu einem fairen Preis weit besser sei, als ein gutes Unternehmen zu einem Schnäppchenpreis. Warum funktioniert das? Warum ist es nicht egal, welches Unternehmen ich kaufe, wenn beide Kandidaten gleich Verschuldung, KBV und KGV aufweisen?

Inspiriert von einer kleinen Diskussion die ich in den Kommentaren eines schönen Artikels zu Dividenden bei Gier ist Gut hatte, sowie eines Gesprächs mit einem Kommilitonen, will ich hier versuchen die mir momentan beste bekannte Begründung zu geben: Der unterschätzte Zinseszins einbehaltener Gewinne weiterlesen

Aktien und Fremdwährungen – Einfluss der Wechselkurse auf die Bewertung

Ich gebe zu, dass ich Wechselkursproblematiken in meiner Zeit als Anleger nie berücksichtigt habe. Wenn ich ehrlich bin, kamen mir die Geschichten von großen und bedeutenden Währungsschwankungen (z.B. die tolle Geschichte wie Soros gegen das Pfund wettete; oder wie meine Mutter auf dem Markt in Gubin (die polnische Seite meiner Geburtsstadt) in DM großartige Preise bekommen hat weil der Zloty angesichts hoher Inflation von den Händlern nicht gefragt war) vor wie aus einem längst vergangenen Zeitalter. Durch den Euro haben wir uns daran gewöhnt, dass der bei weitem größte Teil des Exports nicht durch Währungsschwankungen beeinflusst werden kann, und die meisten Währungen waren im letzten Jahrzehnt relativ stabil – auch wenn in der Finanz- und Eurokrise viel darüber diskutiert wurde.

Währungen rücken stärker in den Fokus

Dann kam letztes Jahr auf einmal der heftige Verfall des Rubel, der Adidas heftige Bauchschmerzen bereitete und mir das Thema ins Gedächtnis riefen. Venezuela, mit einem Anteil des Öls an Exporten von 96% noch stärker als Russland von Ölexporten abhängig, ist sogar noch weit härter getroffen und steht vor der Staatspleite.

Am Donnerstag ist dann völlig überraschend der Wechselkurs des Franken freigegeben worden – und der Kurs um 15-20% eingebrochen/gestiegen (je nachdem von welcher Seite aus man es betrachtet). In den Medien wurde viel davon geschrieben, dass die Schweizer Börse daraufhin völlig eingebrochen sei. Der erste schweizerische Wert der mir ein fiel war Nestlé, dessen Kurs ich dann nachgeschaut habe – und *huch* – Nestlé war um 8% gestiegen. Allerdings habe ich den Kurs natürlich in Euro nachgeschaut, in Franken ist er tatsächlich zu dem Zeitpunkt 8% im Minus gewesen. Doch welche Reaktion ist die gerechtfertigte? Wie sollte man ein Unternehmen fairerweise bewerten, wenn sich die Wechselkurse erheblich verschieben? Ergeben sich für den aktiven Investor hier möglicherweise andere Hinweise auf Unterbewertungen von Unternehmen? Aktien und Fremdwährungen – Einfluss der Wechselkurse auf die Bewertung weiterlesen

Auf die Größe kommt es an!?

Tja, eine schwierige und kontroverse Frage, die ich hier einmal diskutieren möchte:

Kommt es auf die Größe an? 

Wie der regelmäßigere Leser sicherlich schon bemerkt hat, beschäftige ich persönlich mich relativ stark mit eher kleinen Unternehmen. Nun ist aber die Frage, ob das denn überhaupt sinnvoll ist – schließlich gibt es etliche Argumente, die prinzipiell für die großen Firmen sprechen. Zum Teil sind mir diese auch erst in letzter Zeit bewusst geworden – und daran darf natürlich jeder teilhaben 🙂

Also zum Thema: was sind die Vorteile und Nachteile von Small-Caps (Unternehmen mit relativ niedrigem Börsenwert) und demgegenüber Large-Caps (Unternehmen mit relativ hohem Börsenwert? Auf die Größe kommt es an!? weiterlesen

Firmenwerte/Goodwill im DAX (II) – Daten

Meine Tabelle über immaterielle Werte im DAX ist fertig! Nachdem ich bei Analysen mehrfach über das Problem hoher Firmenwerte/Goodwill in Bilanzen gestolpert bin, und ich mich gefragt habe was denn da ein normaler Vergleichswert sein könnte, habe ich mich zu einer Überblicksanalyse des DAX entschlossen und mir die Daten aller 30 Firmen zusammengesammelt. Bei den größten und erfolgreichsten Firmen Deutschlands sollte man doch in etwa erkennen können wie die Bilanzen und Bewertungen von Unternehmen aussehen, die in besonderem Maß durch Profis betrachtet werden. Zur Problematik hoher Firmenwerte/Goodwill in Bilanzen siehe den ersten Teil, der die entsprechenden Bilanzgrundlagen zu erklären versucht.

Auch bei den Wirtschaftsmedien hat man das Problem offenbar auf dem Schirm, hier gib es auch schon Übersichten – die zum Vergleich mit den aktuellen Daten durchaus interessant sind: Übersicht 2011

Es wird in dieser Übersicht bereits darauf hingewiesen, dass die Risiken besonders groß sind, sobald der Goodwill den Wert des Eigenkapitals übersteigt. Insofern sollte man hoffen, dass das nicht der Fall ist – denn der Firmenwert ist aus Aktionärssicht langfristig ein Bilanzposten ohne wirklichen Wert (beziehungsweise mit kaum sinnvoll überprüfbarem Wert). Die Daten zeigen, dass man sich bei manchen Firmen dennoch Sorgen machen muss! Firmenwerte/Goodwill im DAX (II) – Daten weiterlesen

Firmenwerte/Goodwill im DAX (I) – Problematik

Da ich bei meinen Analysen und nicht zuletzt bei den Mox-Problemen auf hohe immaterielle Güter gestoßen bin, die ich schlecht einschätzen konnte, musste ich natürlich diesem Thema einen Beitrag widmen. Er war schon komplett fertig, als ich entschieden habe ihn in zwei Teilen zu veröffentlichen. Für den Leser ist es vielleicht angenehmer, wenn es nicht zu lang wird. Insbesondere kann ich so aber die Bereiche sauber trennen: dieser Artikel beschäftigt sich mit der allgemeinen Problematik, während der zweite Teil sich mit den aktuellen Daten aus den 30 DAX-Werten befasst.

Zu den Daten der immateriellen Vermögenswerte im DAX 🙂

Problematik

Zunächst einmal: Was ist Goodwill/Firmenwert, was sind andere immaterielle Güter, und wo ist das Problem dabei?

Bilanzen sollen einen Überblick darüber geben, welche Geschäftsmittel Unternehmen zur Verfügung haben, woher diese kommen, und was das Unternehmen anderen finanziell schuldig ist. Jede Bilanz hat zwei S Firmenwerte/Goodwill im DAX (I) – Problematik weiterlesen

Was die Gewinnmargen treibt – Teil 1

Zwischen meinen Unternehmensanalysen, die ja oftmals etwas länger brauchen, heute eine kleine Betrachtung zu Erfolgsfaktoren die sich auf die Margen niederschlagen. Einige mögen klar sein, andere übersieht man schnell – aber trotzdem ist es bei jeder Analyse wichtig, diese langfristigen Erfolgsfaktoren so gut wie es geht zu berücksichtigen. Insbesondere sind einige dieser Faktoren unabhängig von der Marktlage, die sich schnell ändert und die Börseneinschätzung verzerren kann. Insofern ist dies meine Checkliste, und wem weitere Aspekte einfallen -> einfach Kommentar abgeben, ich bin lernwillig  😎

Gewinne werden erzielt, indem man höhere Einnahmen als Ausgaben hat. Insbesondere treibt es die Margen an, wenn man Kunden dazu bekommt, mehr als nötig für ein Produkt zu zahlen, wofür es wiederum etliche Strategien gibt. Teil 1 befasst sich daher mit der Frage, wodurch sich auf der Einnahmeseite des Unternehmens besonders gute Gewinne machen lassen, Teil 2 wird sich den Kosten widmen. Was die Gewinnmargen treibt – Teil 1 weiterlesen

Die Unterscheidung von Investition und Spekulation

Jeder, ob er von der Börse Ahnung hat oder nicht, dürfte schon die Worte Investition und Spekulation gehört haben. Allgemein wird Spekulation als schändlich und Investition als solide angesehen, und fast alle Aktienbesitzer würden sich als Investoren bezeichnen und wären beleidigt wenn man sie als Spekulant bezeichnet. Allerdings ist der Übergang nicht ganz klar,  und aus der Unterscheidung kann man meiner Meinung auch eine wichtige Lektion lernen. Definieren wir also einmal Spekulation und Investition, um uns über die Begriffe klar zu werden.

Das lateinische Wort speculor bedeutet (umher)spähen. Daraus wurde das Wort spekulieren abgeleitet, um den Versuch die Zukunft zu erkennen oder vorherzusagen zu bezeichnen – wer spekuliert, der versucht also zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen Die Unterscheidung von Investition und Spekulation weiterlesen