Bringt Trump die Inflation zurück?

Heute will ich einmal über das allgemeine Wirtschaftsgeschehen schreiben.

Ich glaube fest daran, dass ich als Kleinaktionär vor allem durch gute Aktienauswahl nachhaltigen Erfolg haben werde, nicht durch die Vorhersage von Konjunkturumschwüngen oder politischen Gegebenheiten. Allerdings fasziniert mich gerade auch die Volkswirtschaftliche Seite, und ich sehe aktuell Risiken die der breitere Markt völlig zu ignorieren scheint – genaugenommen die Anlagen in Dollar gefährden könnten. Die USA zählen seit Jahrzehnten zu den besten Anlagezielen und sind nicht zuletzt wegen der geringen kulturellen und sprachlichen Barrieren und der vielen Internationalen Konzerne auch in Deutschland der beliebteste Auslandsmarkt für Aktien. Gleichzeitig zeigt uns aktuell Erdogans Türkei, dass man politische Probleme nicht unterschätzen und am besten frühzeitig meiden sollte – wer als Europäer Geld in der Türkei angelegt hat wird mit Sicherheit recht dauerhafte Kapitalverluste eingestehen müssen, wenn er nicht rechtzeitig abgesichert hat oder sehr viel Glück hatte.

In den USA ist ja bekanntlich der große Trampel Trump an die Macht gekommen, der sich zwar gerne seiner wirtschaftlichen Kompetenz rühmt, aber davon bei genauer Betrachtung nichts sehen lässt. Seine “Erfolge” der unternehmerischen Vergangenheit bestehen darin, dass er Politiker umgarnt hat ihm Millionensubventionen aus der Staatskasse zu geben, mit illegalen Einwanderern Protzbauten hochgezogen hat, mit dreistestem Eigenlob sich selbst zur Marke gemacht und trotz allem 4 Insolvenzen erleben musste. Und auch als Präsident verwendet er mehr Energie für Eigen- und Golfplatzreklame als die Lösung wirklicher Probleme.

Nun ist das alles nichts, worüber man sich an der Börse zu viele Gedanken machen sollte. Es sei denn natürlich sein Unternehmen macht Geschäfte mit dem unmenschlichen Iran statt mit den menschenrechtlich und politisch so vorbildlichen Saudis … (Ok, Sarkasmus wieder aus – dass die USA sich von Saudischen Öldollars schmieren lassen und Menschenrechte nur für US-Bürger oder zur Durchsetzung von US-Interessen zählen war vor Trump schon so, nur weniger offen).

Ich werde aus den oben beschriebenen Gründen nicht davon ausgehen, dass Trump weiß was er tut. Ich glaube nicht dass er von Wirtschaft mehr versteht als ein durchschnittlicher Handwerker, eher weniger. Die Frage ist vielmehr: wie ist seine Politik insgesamt einzuschätzen?

Meine Antwort: Trump steuert darauf zu, der Welt die Inflation zurückzubringen.

Inflation

Inflation ist etwas, vor dem sich die Deutschen angeblich immer besonders fürchten. Tatsächlich sehen wir übermäßige Inflation vor allem in Ländern wie Simbabwe, Venezuela oder der Türkei. Aber die kulturelle Erinnerung dass es Deutschland 1922/23 nicht besser ging ist zumindest unter Wirtschaftsinteressierten Deutschen weiter sehr präsent. Noch in den sechzigern und siebzigern war die Inflation in Deutschland oft über 5% und die Zinsen entsprechend hoch. Seit Anfang der neunziger Jahre allerdings lag die Inflation immer unter 3%.

Die europäische Zentralbank versucht aktuell sogar erfolglos die Inflation zu heben, aber kann sich nur etwas gegen den Trend zu immer weiter fallenden Inflationsraten stemmen. Ähnlich ist das Bild in Japan und anderen entwickelten Staaten. Warum? Der klassischen Theorie nach entsteht Inflation vor allem durch eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge, auf die die Notenbank aber tatsächlich weniger Einfluss hat als die Geschäftsbanken. Außerdem gibt es importierte Inflation wenn die Währung schwach ist und viele Güter von außen eingeführt werden müssen. Das lässt aber außer Acht, dass vor allem die Lohnentwicklung und damit die Macht der Gewerkschaften ein wichtiger Treiber der Inflation ist, und die Globalisierung und Arbeitsmarktliberalisierung gerade die Verhandlungsmacht der kleinen Arbeitnehmer geschwächt hat. Meiner Meinung nach kommt man daher nicht umhin die Globalisierung und den Aufstieg Asiens für die schwache Inflation mitverantwortlich zu machen.

Was tut Trump?

Trump hat zunächst einmal erhebliche Steuersenkungen für die amerikanische Wirtschaft durchgesetzt, während die Wirtschaft dort ohnehin boomt und die Arbeitslosigkeit sehr gering ist. Er versucht damit die Wirtschaft anzukurbeln (oder vielleicht auch sein eigenes Vermögen zu vermehren), was durchaus zu funktionieren scheint. Wenn allerdings die Wirtschaft weiter wächst entsteht auf dem Arbeitsmarkt allmählich ein Unterangebot an Arbeitskräften und folglich ein inflationärer Lohndruck.

Zweitens hat Trump zusätzliche Zölle auf verschiedene Waren eingeführt und Handelskriege mit fast allen größeren Handelspartnern begonnen. Aktuell scheint China der wichtigste davon zu sein während mit Europa ein Waffenstillstand besteht. Trump allerdings kann jederzeit seine Meinung wieder ändern. Zölle bedeuten direkte Preiserhöhungen für Teile der amerikanischen Industrie und vor allem für die Verbraucher. Und Preiserhöhungen = Inflation.

Trump hat weiterhin das Staatsdefizit erheblich ausgeweitet. Während historisch nach extremen Ereignissen (große Kriege, 30er Depression) die Verschuldung nach einem schnellen Anstieg langsam zu fallen begann ist die Situation nach der großen Finanzkrise 2008 anders:

Die Staatsverschuldung der USA, insbesondere die Auslandsverschuldung steigt zunehmend an. Bei einer boomenden Wirtschaft sollte es möglich sein die Schulden wieder abzubauen, Trump jedoch tut das Gegenteil. Er verlässt sich darauf, dass  der Dollar als Weltreservewährung schon stark genug ist.

Und hier beginnt der Unterschied zur Türkei: man kann nicht erwarten, dass der Dollar einfach fällt. Der Dollar ist für die Welt als Reservewährung zu wichtig, und keine der großen anderen Währungen kann im Alleingang den Dollar ausstechen. Dem Yen traut man wenig zu, da die japanische Wirtschaft kaum wächst. Der Euro hat Probleme mit den südlichen Staaten, die vor Euroeinführung ihre Schuldenprobleme mit Währungsabwertung gelöst haben, nun aber gezwungen sind sich schmerzhaft an das Nordeuropäische System harter Währung mit Haushaltsdisziplin zu gewöhnen. So lange das Problem nicht gelöst ist und vor allem Italien ein Wackelkandidat bleibt wird auf dem Euro eine gewissen Skepsis lasten. Das britische Pfund ist seit dem Brexit-Entscheid ohnehin schwach, Schweizer Franken und Norwegische Krone zwar stabil aber nicht groß genug um internationale Geldmassen aufzunehmen. China ist wirtschaftlich nicht offen genug und Schwellenländer wie Russland, Indonesien oder Indien taugen ebenfalls nicht zur Reservewährung.

Der Dollar wird seinen Status also wohl noch weiter behalten. Die USA werden weiterhin hohe Geldschöpfungsgewinne als “Bank” der ganzen Welt einfahren indem sie Dollar drucken wann sie gerade wollen (wie aktuell). Er könnte allerdings schwächer werden, denn:

Trump versucht den Dollar schwach zu reden! Es ist offensichtlich, dass Trump eine schwache Währung um Exporte zu verbilligen bevorzugen würde. Er beschuldigt vor allem Europa, Japan und China, dass diese ihre Währungen künstlich schwach halten würden. Das Spiel gab es schon auf dem Weltwirtschaftsforum, wo im Nachhinein schnell relativiert und der Wert eines starken Dollar betont wurde. Allerdings glaube ich nicht, dass Trump der starke Dollar einleuchtet.

Er scheint auch keinen Gefallen an der unabhängigen Notenbank zu haben. Dazu macht er gerade mit einem Interview von sich reden, in dem er den Notenbankchef scharf wegen der (völlig richtigen) Erhöhung der Leitzinsen angriff. Gleichzeitig machen Berichte die Runde, Trump habe gegenüber Parteispendern erklärt er hätte von seinem neuen Fed-Chef eine Politik des billigen Geldes erwartet.
Sollte Trump einen Weg finden wie er die Unabhängigkeit der Zentralbank angreifen kann wäre der Dollar in meinen Augen (spätestens) ebenfalls nicht mehr als die Weltreservewährung geeignet. Ist das realistisch? Ehrlich gesagt Nein, und das ist auch gut so. Die amerikanischen Institutionen haben eine starke Position und lassen sich nicht so einfach untergraben wie in vielen anderen Ländern.

Was nun?

Angesichts der obigen Tatsachen denke ich, dass der Inflationsdruck  in den USA mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen wird. (Als einzigen Punkt der die Inflation senken dürfte ist die aus meiner Sicht schreckliche und folgenschwere Entscheidung Trumps die Umwelt zu opfern sobald irgendjemand daraus Kapital schlagen kann. So hat er Sicherheitsstandards für die Ölindustrie gesenkt und Naturschutzgebiete verkleinert um billigere fossile Energieträger zu erhalten. Und auch wenn ich mit DNOW von der Ölindustrie profitiere finde ich, dass Umweltschutz immer vor die letzte Profitmaximierung gehen sollte!) Wenn die Inflation steigt muss die Notenbank weiterhin die Zinsen erhöhen um die Inflation in Schach zu halten – so lange das gut geht dürfte der Dollar weiter stark bleiben. Allerdings sind steigende Zinsen Gift für Aktien. Unternehmen mit hohen Schulden – ein großer Teil der US-Unternehmen – leiden direkt mit schlechteren Ergebnissen unter hohen Zinsen. Investitionen auf Kredit werden unattraktiver, ebenso wie Wertpapierkredite. Gleichzeitig werden Anleihen relativ zu Aktien wesentlich attraktiver, da man nun wieder nennenswerte Erträge mit festverzinslichen Papieren bekommt. Das wird möglicherweise noch über die Leitzinserhöhung hinaus verstärkt dadurch, dass der amerikanische Staat durch Trumps ausuferndes Defizit extrem viel Geld am freien Kapitalmarkt aufnehmen muss und wegen des Leistungsbilanzdefizits dafür ausländische Mittel anlocken muss.

Alles in allem halte ich ein Ende der nun schon extrem langen Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt bis 2020 für höchst wahrscheinlich. Ich glaube noch nicht einmal dass dort akut eine Rezession droht, aber die Mischung aus einem ohnehin steigenden und noch von Trump angefachten Inflationsdruck und gleichzeitig steigenden Zinsen kann für die Aktienmärkte eigentlich nicht gut sein. Gerade die teureren Dividendenaktien halte ich für gefährdet, außerdem alle Unternehmen mit hohen Schulden die a) variabel verzinst sind oder b) in den nächsten Jahren refinanziert werden müssen. Zusätzlich würde eine tatsächlich anziehende Inflation Industriebetriebe mit geringer Preissetzungsmacht gefährden, schon sehen wir wieder vermehrt Gewinnwarnungen wegen höherer Rohstoffkosten (in meinem Depot gerade in Europa mit Polytec).

Ich persönlich bin daher kaum noch an Aktien aus den USA interessiert, die häufig auch ziemlich teuer sind. Ausnahmen bilden eventuell azyklische Investitionen  sowie innovative internationale Technologiekonzerne, sofern sie mir nicht zu teuer sind.

Eine Wette gegen die US-Börsen eingehen möchte ich aktuell trotzdem nicht. Die Zukunft ist zu ungewiss und vorhersagen kann ich sie leider nicht. Nur unnötige Risiken möchte ich vermeiden. Das von mir skizzierte Szenario könnte so eintreffen – oder nicht. Darüber entscheiden eine Vielzahl von Menschen die ich nicht kenne. Ich hoffe sie tun es im besten Sinne aller.

4 Gedanken zu „Bringt Trump die Inflation zurück?

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