Archiv der Kategorie: Allgemein

Lang & Schwarz – Profiteur des Kleinanlegerbooms

Ich habe wie bereits in meinem letzten Post erwähnt Aktien von Lang&Schwarz gekauft – und zwar direkt nach den Halbjahreszahlen zu gut 32€. Nach starkem Anstieg habe ich im Dezember ein Stop-Loss gesetzt was (sehr knapp) ausgelöst wurde, nach der letzten Meldung aber dann zumindest die halbe Position zurückgekauft. Hier meine Gedanken:

Geschäft

Was macht LuS? Den meisten deutschen Anlegern dürfte das Unternehmen sehr gut bekannt sein, denn es ist ein wichtiger Spieler am deutschen Kapitalmarkt. Die Geschäftstätigkeiten umfassen dabei:

  • Ausgabe strukturierter Produkte: Hier werden Zertifikate und ähnliche Wertpapiere verkauft, insbesondere  ist LuS z.B. für die Emittierung der Wikifolio-Zertifikate zuständig. Insofern habe ich durch mein Wikifolio schon länger mit dem Unternehmen Berührungspunkte. Aus dem GB 2019 wissen wir, dass z.B. Turbozertifikate besonders profitabel sind (Umsatz Issuing 30% Rückgang + Umsatz Tradecenter 30% Anstieg = Rückgang des Handelsergebnisses um 15%).
  • Broker: hier betreibt LuS klassisches Market Making und Brokerage
  • TradeCenter: eine Plattform für außerbörslichen Handel von Wertpapieren
  • LS Exchange: Das Handelssystem der Hamburger Börse. Hierüber laufen zum Beispiel sämtliche Trades der enorm schnell wachsenden und inzwischen wohl zu den wertvollsten Fintechs Deutschlands gehörenden TradeRebuplic.

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Rückblick 2020

Zunächst eine oft gehörte Phrase die sich keine Jahresrückblick sparen kann:

2020 war wirklich ein außergewöhnliches und unerwartet verlaufenes Jahr.

Wenn man mir nur einen Nachrichtenüberblick geben würde und keine Börsendaten, hätte ich erwartet dass die Wertentwicklung von Aktien in diesem Jahr unterirdisch gewesen sein muss. Corona-Krise (mit kompletten Lockdowns), Wahlunsicherheit in den USA, Strukturwandel in vielen traditionellen Branchen (automobile Antriebstechnik, Digitalisierung, Einzelhandel), Angriffe auf die Monopole der Tech-Riesen, bis kurz vor Schluss ungeklärter Brexit…  

Aber interessanterweise strömen neue Anleger in Scharen an die Börsen, selbst der Old-Economy-DAX steht höher als am Jahresanfang, bei Tech-Growth-Unternehmen bildet sich eine Blase und Börsengänge poppen so sehr dass Leute auf einmal die seltsame Konstruktion der SPACs (hier eine gute Erklärung) bejubeln… Und ich selbst stehe am Ende mit einem deutlichen Gewinn da (Preis-und-Wert Wikifolio +31%, privat ähnlich), den ich so mit Sicherheit nicht erwartet hatte.

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Neues von Tick TS / Präsentation auf der MKK

Über Tick TS habe ich bereits mehrmals berichtet: In meinem ursprünglichen Artikel, in einem Update von der MKK und mit einem kleinen HV-Bericht von diesem Jahr. Von meinem ursprünglichen Kaufkurs (knapp 17 €) hat sich die Aktie inzwischen auf 29€ hochgearbeitet, angesichts der nun auf 2 € steigenden Dividende ist das aber immer noch nicht viel. (Tatsächlich hatte ich in meinem ursprünglichen Post geschrieben:

[…] halte ich eine Dividendenrendite von 5% für eine faire Bewertung. Da die Gewinne ausgeschüttet werden, entspräche dies einem KGV von 20. Nehmen wir für 2020 einen Gewinn von 1,90€ je Aktie an, könnte der Kurs in zwei Jahren demnach auf 38€ steigen.

Ich lag tatsächlich gar nicht soo falsch, im November meldete Tick TS mit etwa 2€ je Aktie einen Rekordgewinn:

Die tick Trading Software AG (tick-TS AG) hat das Geschäftsjahr 2019/2020 (01.10.2019 – 30.09.2020) nach dem heute vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss mit einem Jahresüberschuss von 2.003 TEUR abgeschlossen (Vorjahr: 1.655 TEUR). Der Gewinn pro Aktie beträgt 1,99 EUR (Vorjahr: 1,64 EUR) und das Ergebnis vor Steuern beläuft sich auf 2.926 TEUR (Vorjahr: 2.371 TEUR).
Die Umsatzerlöse der tick-TS AG sind um 8,93% auf 7.308 TEUR (Vorjahr: 6.709 TEUR) gestiegen. Der finanzielle Leistungsindikator der Gesellschaft, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), legte um 23,49% auf 2.928 TEUR (Vorjahr: 2.371 TEUR) zu. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus dem Vorjahr (76 TEUR) ergibt sich ein Bilanzgewinn in Höhe von 2.080 TEUR.
Der Dividendenvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat für das abgelaufene Geschäftsjahr wird nach der Anwendung des § 268 Abs. 8 HGB (Ausweis aktiver latenter Steuern) voraussichtlich 2,00 EUR je Aktie betragen.

Tick TS ist aktuell meine drittgrößte Position und ich bin damit sehr zufrieden. Vor kurzem Neues von Tick TS / Präsentation auf der MKK weiterlesen

Sayonara Sawai, Sayonara Ateam

Ich habe vor einigen Jahren (konkret 2017), als es immer schwerer wurde unter deutschen Nebenwerten die klassischen Valueaktien zu finden, Japan als einen kleinen Investmentschwerpunkt gewählt und dort in einige Aktien investiert. Das waren die beiden IT-Dienstleister Toho System Science und Minori Solutions (verkauft mit 25% bzw 100% Gewinn), der CAD-Software-Spezialist Argo Graphics (verkauft 2018 mit fast 50% Gewinn, seitdem noch deutlich weiter gestiegen…) sowie Sawai Pharmaceutical und Ateam. Letztere waren dabei meine am höchsten gewichteten Positionen, die allerdings im Gegensatz zu den anderen eher enttäuscht haben. Ich habe mich nun entschieden dieses Kapitel vorerst abzuhaken, daraus zu lernen und das ganze zu reflektieren.

Sawai Pharmaceuticals

Sawai ist seit meinem Kauf (zu knapp 6000 Yen) mehr oder weniger seitwärts gelaufen bzw leicht gefallen, während die Gewinne in Amerika vom Konkurrenzdruck (man schaue sich die Kurse von Mylan und Teva an!) und in Japan von den ständigen Sayonara Sawai, Sayonara Ateam weiterlesen

Maklerpools Teil 3: JDC Group

Dieser Post ist Teil einer Mini-Serie zu Maklerpools, den ersten Teil (Marktübersicht) findet ihr hier, als zweiten Teil habe ich hier Netfonds unter die Lupe genommen (und mir einige Aktien gekauft).

Die JDC Group (Jung, DMS & Cie) agiert im wesentlichen als Maklerpool und Haftungsdach. Zudem betreibt das Unternehmen über die Tochter FiNUM auch selbst Finanzprodukte an Endkunden – dieser Bereich hat 2019 immerhin knapp 30 der 111 Mio € Umsatz erzielt. Außerdem gehört die Plattform Geld.de zu JDC. Maklerpools Teil 3: JDC Group weiterlesen

Hauptversammlungsberichte ABO Wind und Tick TS

Wie ihr wisst schreibe ich gewöhnlich auf Hauptversammlungen mit. Da ich dieses Jahr Dank der Corona-Eindämmung mehr Gelegenheiten hatte als sonst – virtuell fällt es mir leichter teilzunehmen als wenn ich 500 km fahren muss – gibt es heute sogar gleich zwei Mitschriften von Hauptversammlungen im August. Es geht dabei um Tick TS (Beitrag hier) und ABO Wind (hatte ich bisher nur als Kauf Hauptversammlungsberichte ABO Wind und Tick TS weiterlesen

Maklerpools Teil 1: Überblick

Auftakt zu einer Mini-Serie

Zum heutigen Artikel muss ich ein kleines Vorwort loswerden. Eigentlich hatte ich begonnen, einen Artikel zu Netfonds und JDC zu schreiben, zwei Unternehmen die als Kerngeschäft Maklerpools betreiben, also quasi Großhändler für Finanzprodukte sind. Dann wurde mir klar, dass Hypoport genauso zu den Konkurrenten gehört. Und außerdem wollte ich einen besseren Überblick über den gesamten Markt gewinnen und irgendwann hatte ich über 3000 Wörter und war noch lange nicht fertig. Daher habe ich diesen Artikel in eine kleine Serie aufgesplittet, die weitgehend bereits fertig ist. Dieser Überblick über den Markt ist also nur der Auftakt!

Wer meinen Blog schon sehr lange verfolgt, der weiß dass ich mit Hypoport einen meiner bisher größten Anlageerfolge hatte.

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Hauptversammlung Hornbach

Heute hatte Hornbach (genauer gesagt Hornbach Holding, der Tochterkonzern Hornbach Baumarkt war bereits gestern dran) seine virtuelle Hauptversammlung 2020. Ich habe zu Hornbach bisher nicht allzu viel geschrieben, verfolge das Unternehmen aber schon länger.

Eine Hornbach-Filiale
Hornbach-Filiale in RumänienQuelle , unter LlizenzCC-BY-SA 4.0

Kurzvorstellung:

Dass Hornbach eine der größten deutschen Baumarktketten dürfte einigermaßen bekannt sein, genaugenommen die drittgrößte nach OBI und Bauhaus. Hornbach ist mehrheitlich nach wie vor ein Familienunternehmen und setzt als Verkaufskonzept auf sehr große Märkte an guten Standorten, die dann mit besonders niedrigen Preisen viele Kunden anziehen. Hornbach hat dadurch die höchsten Umsätze pro m² Verkaufsfläche (Flächenproduktivität) in Deutschland und erzielt für ein Handelsunternehmen eigentlich gute Margen.

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Funkwerk Hauptversammlung

Über Funkwerk habe ich ja bereits hier einmal geschrieben und angesichts der interessanten aktuellen Lage (einerseits Corona, andererseits ist Zugfunk explizit im Konjunkturpaket erwähnt und soll mit 150 Mio € bezuschusst werden) und der vergangenen Ereignisse um die Insolvenz von Euromicron im Dezember habe ich heute die virtuelle Hauptversammlung von Funkwerk “besucht”. 

Ich habe dabei eine Mitschrift gemacht, die ich den interessierten Lesern nicht vorenthalten will, auch wenn sie sprachlich sicher nicht perfekt und nur wenig nachbearbeit ist:

HV Mitschrift Funkwerk

(alles ohne Gewähr, schnell tippen und zuhören zugleich ist mitunter nicht leicht)

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Der Corona-Crash : psychologische Selbstbeobachtung

Es ist interessant zu sehen, wie sich die Stimmung an den Börsen oftmals recht langsam verschiebt. Ich habe vor kurzem die Aussage gelesen “Preise von Aktien hängen nicht so sehr an DCF-Modellen und fundamentalen Bewertungen, sondern oft genug an den Preisen der letzten Tage“.

Dies ist sicher ein bedeutender Teil der Erklärung, und er erklärt auch warum ich typischerweise viel zu früh den Drang habe nachzukaufen und am Tief den Drang zu verkaufen. Dazu kommt aber, dass man als Mensch seine Einschätzung nur langsam und graduell anpasst. Erst nachdem der Nachkauf 30% unter Wasser ist denkt man nach, ob er überhaupt so klug war…

Im Absturz Ende 2018/Anfang 2019 habe ich das sehr gut beobachtet und bemerkt, dass meine Gefühle da durchaus als Kontraindikator taugen können. Wie haben die sich diesmal entwickelt?

Startphase (Covid in Wuhan, Dax auf 12.000)
  • Ach das wird nicht so schlimm
  • SARS war auch schnell wieder im Griff
  • die Notenbanken werden ein bisschen mehr Geld drucken
  • die übertriebenen Kursgewinne angesichts der noch nicht ausgestandenen Industrierezession sind halt weg
  • Aktien sind ja günstiger geworden, vielleicht sollte man nachkaufen?

Tatsächlich hat mich der Absturz im Dax auf 12000 überhaupt nicht gejuckt, mein einziger chinesischer Wert JD.com hat sich gut gehalten und als Krisengewinner herausgestellt und ich war komplett gelassen. Impuls: Buy the dip. Der Corona-Crash : psychologische Selbstbeobachtung weiterlesen