Maklerpools Teil 1: Überblick

Auftakt zu einer Mini-Serie

Zum heutigen Artikel muss ich ein kleines Vorwort loswerden. Eigentlich hatte ich begonnen, einen Artikel zu Netfonds und JDC zu schreiben, zwei Unternehmen die als Kerngeschäft Maklerpools betreiben, also quasi Großhändler für Finanzprodukte sind. Dann wurde mir klar, dass Hypoport genauso zu den Konkurrenten gehört. Und außerdem wollte ich einen besseren Überblick über den gesamten Markt gewinnen und irgendwann hatte ich über 3000 Wörter und war noch lange nicht fertig. Daher habe ich diesen Artikel in eine kleine Serie aufgesplittet, die weitgehend bereits fertig ist. Dieser Überblick über den Markt ist also nur der Auftakt!

Wer meinen Blog schon sehr lange verfolgt, der weiß dass ich mit Hypoport einen meiner bisher größten Anlageerfolge hatte.

Gleichzeitig sehe ich den Verkauf zu “nur” dem dreifachen meines Einstiegskurses bei ca 80€ als einen meiner größten Fehler.

Hypoport-Gebäude in Lübeck

In diesem Post möchte ich mich noch einmal mit der Frage beschäftigen: Gibt es das Potential diesen Erfolg zu wiederholen, zumal ja JDC gelegentlich als Mini-Hypoport gehandelt wird? Wie sieht der Markt aus, und ist er für Investoren prinzipiell interessant?

Die späteren Posts werden sich dann tiefer mit den einzelnen Unternehmen beschäftigen.

Firmen / Geschäftsmodelle

Die drei genannten Unternehmen haben eine unterschiedliche Ausrichtung und ein jeweils historisch in anderen Bereichen gewachsenes  Kerngeschäft. Bei Hypoport ist dies die Baufinanzierung, bei Netfonds und JDC Group der Finanz- und Versicherungsvertrieb. Dies ist letztlich auch der wesentliche Bereich, in dem sich die drei Unternehmen tatsächlich alle bewegen.

Allen drei gemeinsam ist aber ein Grundgedanke: Kunden sind Finanz-, Versicherungs- oder Finanzierungsberater. Diese arbeiten in der Regel selbständig. Bereits in einer analogen Welt hatte es gewisse Vorteile, sich für bestimmte Dinge wie die Regulatorik, Verwaltung (Back-Office) oder die Verhandlung mit großen Produktpartnern zusammenzuschließen – so entstanden Maklerpools, die ihren Mitgliedern das Leben und die Geschäfte vereinfachten. In einer zunehmend digitalisierten und auch politisch immer stärker regulierten Welt bekommt dieses Geschäft aber eine ganz neue Dynamik: Die Automatisierung im Backoffice ist nur für größere Organisationen wirklich lohnend, dort kann sie aber über Skaleneffekte nun zu wirklich hohen Erträgen führen. Gleichzeitig kommen die ganz unabhängigen Berater aber massiv unter Druck ebenfalls Kosten zu senken, was am ehesten über den Anschluss an eine der Poolorganisationen geht.

Interessant ist hier aus Investorensicht, dass bei hinreichender Digitalisierung der Bestandsverwaltung ein sehr gut skalierendes Software- und Plattformgeschäft entsteht, welches bekanntlich ausgesprochen hohe Margen abwerfen kann.

Doch wie sieht es bei den besprochenen investierbaren Unternehmen aus? Und was tun die genau?

Netfonds

Netfonds ist ein Hamburger Unternehmen und startete im Jahr 2000 als Maklerpool im Bereich Investmentfonds. Die Geschäftsbereiche wurde in der Folge stark ausgedehnt. So tritt Netfonds unter anderem als Haftungsdach auf – das heißt Netfonds übernimmt die regulatorische Verantwortung für Berater die den hohen Aufwand einer eigenen BAFIN-Erlaubnis scheuen. Da mir der Hintergrund dafür auch nicht ganz klar war: hier die Erklärung von Wikipedia:

Der Begriff Haftungsdach beschreibt den in § 2 Abs. 10 Satz 1 KWG geregelten bankaufsichtsrechtlichen Ausnahmetatbestand. Danach bedarf „ein Unternehmen, das keine Bankgeschäfte im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 2 betreibt und als Finanzdienstleistungen nur die Anlage- oder Abschlussvermittlung, das Platzierungsgeschäft oder die Anlageberatung ausschließlich für Rechnung und unter der Haftung eines Einlagenkreditinstituts oder eines Wertpapierhandelsunternehmens, das seinen Sitz im Inland hat oder nach § 53b Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 7 im Inland tätig ist, erbringt (vertraglich gebundener Vermittler)“ keiner Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), wenn „das Einlagenkreditinstitut oder Wertpapierhandelsunternehmen als das haftende Unternehmen dies der Bundesanstalt anzeigt“. Die Tätigkeit des vertraglich gebundenen Vermittlers wird in diesem Fall dem haftenden Unternehmen (zivilrechtlich) zugerechnet. Ansprüche können folglich nicht unmittelbar auf § 2 Abs. 10 KWG gestützt werden.

Heute ist Netfonds der zweitgrößter Maklerpool in Deutschland sowie das größte konzernunabhängige Haftungsdach und hat über 4800 Partner. Das Wachstum erfolgte sowohl organisch als auch durch Übernahmen. Netfonds ist erst 2018 an der Börse gelistet. Das Listing erfolgte dabei über eine Notierungsaufnahme ohne die Ausgabe neuer Aktien, laut Pressemitteilung wohl zu einem Preis von 29,50€, dieser sackte aber recht bald in Richtung 20€ ab. Inzwischen sind die Aktien aber wieder auf fast 30€ gestiegen, was Netfonds mit etwa 60 Mio € bewertet.

Ein wichtiger Fokusbereich von Netfonds ist – wie der Name schon sagt – der Fondsbereich. Nicht nur sind viele der Partner Finanzberater, sondern es Angebote durch Töchter wie die NFS Capital als Partner für die Auflage kleinerer Fonds oder die Hamburger Vermögen als Vermögensverwalter und Anbieter von White-Label Lösungen für z.B. Roboadvisor. Dazu gibt es mit der Netfonds Structured Investments auch eine Immobilientochter, die den Kunden einfacheren Zugang zu Immobilieninvestments bieten soll. Aber auch der Versicherungsbereich spielt eine wichtige Rolle.
Die internen IT-Systeme sind aktuell in einer “Investitionsphase”. Das heißt, genau genommen sind sie das mindestens seit dem Börsenlisting. Mit der 50%-Beteiligung finfire wird aktuell massiv in den Ausbau und die Modernisierung der finfire Software investiert. Damit sollen alte Systeme ersetzt und vereinheitlicht werden, die teilweise extern zugekauft werden. Dies soll ab nächstem Jahr geschehen, ich gehe aber auch anschließend von beständigen “Investitionen” in die Pflege und Weiterentwicklung der Software aus.

JDC

Die JDC Group (Jung, DMS & Cie) hat ein ähnliches Geschäftsmodell als Maklerpool und Haftungsdach. Zudem betreibt das Unternehmen über die Tochter FiNUM auch selbst Finanzprodukte an Endkunden – dieser Bereich hat 2019 immerhin knapp 30 der 111 Mio € Umsatz erzielt. Außerdem gehört die Plattform Geld.de zu JDC.

Die Story von JDC geht etwa so: Sie konsolidieren den ohnehin unter Druck stehenden Markt für Finanz- und Versicherungsvertrieb, skalieren mit der Plattform und machen damit irgendwann gute Gewinne. Allerdings sind die Wachstumsraten nicht ganz so gut wie bei Netfonds und die Zukäufe von Vertragsbeständen und kleineren Maklerpools kosten viel Geld. Großaktionär ist seit letztem Jahr Great-West Lifeco. JDC konnte immer wieder mit der Gewinnung größerer Unternehmenskunden gute Nachrichten vermelden, etwa der In-House Makler von Boehringer oder mit Albatros die Firmeneigene Maklertochter der Lufthansa.

Die JDC Group hieß früher einmal Aragon und ging schon 2005 an die Börse – damals zu einem Ausgabepreis von 8,50€ und einem ersten Kurs von sogar über 10€ je Aktie. Vor der Finanzkrise stieg der Kurs bis auf 30€ und fiel in der Folge der Finanzkrise und andauerndem Margendruck / Verlusten auf unter 2€ im Jahr 2015. 2012 schon wurde ein Ende der gescheiterten “Buy-and-Build”-Strategie und eine Konzentration auf das Kerngeschäft angekündigt, in der Folge dann mehrere Beteiligungen verkauft um sich gesundzuschrumpfen. 2015 dann wurde die Firma nun in JDC umbenannt und ein Neustart nach der Restrukturierung begonnen. Auch wenn Buy-and-Build nun abgesagt wurde, hat JDC dennoch eine Menge Geld z.B. in den Ankauf von Vertragsbeständen = Bestandsprovisionen investiert. Die immateriellen Werte in der Bilanz stiegen seit 2015 allein um rund 19 Mio €! Gewinne sind aber auch 2019 noch nicht erzielt worden, selbst das EBIT war noch leicht negativ.

Hypoport

Hypoport hatte ich hier im Blog bereits 2015 vorgestellt und dann auch von der Hauptversammlung berichtet, als der Börsenwert gerade über 100 Mio € geklettert war. Inzwischen liegt dieser bei 2,7 Mrd € . Zu Beginn war ich etwas am Zweifeln: Bei Ariva haben einige Forenuser die Aktie (völlig zu recht!) gepusht was mir nicht geheuer war, die Gewinnhistorie war durchwachsen und es gab immer wieder Verluste, Die ING-Tochter Interhyp war größer und schien profitabler…  Dennoch hat sich Hypoport zu einer unglaublichen Erfolgsgeschichte gemausert. Nicht nur die Aktie ist seitdem enorm gestiegen, der Rohertrag stieg von 60 auf fast 200 Mio € und der Nettogewinn trotz starker Investitionen von 6 auf 24,4 Mio €. 

Das Geschäftsmodell hat sich seitdem auch erweitert und umfasst inzwischen nicht nur Baufinanzierung, sondern auch immer stärker Versicherungen (Maklerpool – hey!) , Immobilienbewertung und -Vermarktung. Trotz gewisser Änderungen verzichte ich auf eine zu genaue Beschreibung, denn vieles was ich in meiner ursprünglichen Analyse geschrieben habe stimmt weiterhin. Das selbsterklärte Ziel von Hypoport ist, alle Bereiche rund um die Immobilientransaktion abzudecken und so weit es geht zu digitalisieren. Hypoports Stärke in zentralen Backoffice-Funktionalitäten mit eintsprechend schon heute sehr hohen Gewinnen macht dabei möglich die hohen Investitionen zu stemmen. Hypoport hat starke Marktanteile und gewinnt hier weiter hinzu, insbesondere nimmt das Geschäft mit Sparkassen und Genossenschaftsbanken enorm zu. Aber auch die anderen Bereiche sind attraktiv und wachsen stark, Qualitypool etwa ist einer der wachstumsstärksten unter den deutschen Maklerpools.

Bei Hypoport spielt die Transaktionsplattform Europace eine wesentliche Rolle, insbesondere weil eine solche Marktplatzlösung einen echten Burggraben darstellt und damit erhebliche Margen verspricht. Wenn ein Marktplatz aktiv ist, dann sind Händler eben auch viel eher bereit ihn zu nutzen, selbst wenn er deutlich teurer als andere Vertriebswege ist. Auch wegen dieser Qualität und der inzwischen extrem hohen Gewinne ist Hypoport aber leider auch schon sehr hoch bewertet.

Marktvergleich Maklerpools

Das Fachmagazin Cash gibt regelmäßig Ranglisten der größten deutschen Maklerpools heraus, was einen sehr interessanten Ansatzpunkt für die Bewertung der Entwicklung des Gesamtmarktes bietet. Zunächst ist festzustellen, dass das Wachstum in der Branche offenbar struktureller Natur ist. Nur ganz wenige Unternehmen zeigen 2019 einen leichten Rückgang bei den Provisionserlösen, viele hingegen wachsen sogar zweistellig. Der größte Maklerpool in Deutschland ist dabei klar die Fonds Finanz mit Erlösen von 156 Mio € , gefolgt von JDC und Netfonds mit 95 und 93 Mio €. Die Liste enthält ganze 18 Unternehmen mit aktuell mehr als 10 Mio € Jahresprovisionserlösen, was zeigt wie zersplittert der Markt nach wie vor ist. Bei den Wachstumsraten, insbesondere auch wenn man die Zahlen aus mehreren Jahren vergleicht, fallen aber klare Unterschiede auf: Zum ersten sind die Wachstumsraten sehr schwankungsanfällig. Selbst die Wachstumsstarken Gesellschaften haben hin und wieder Jahre mit Schrumpfung und wachsen nicht gleichmäßig. Der Gesamttrend ist aber klar positiv. 2009 etwa war der Maklerpool von Netfonds mit 22Mio € noch halb so groß wie der von JDC, 2014 war Netfonds mit 65 Mio zu 60 Mio in Führung gegangen und inzwischen haben beide ihre Umsätze noch um 50% gesteigert. Als besonders wachstumsstark fallen in den letzten Jahre zudem Qualitypool (=Hypoport) und Blau Direkt (die sich selbst als den “Technologiemarktführer” bezeichnen) auf. Gute digitale Technologie scheint sich also auszuzahlen. Gleichzeitig sieht man auch, dass die Konkurrenz hier stark ist und der Kuchen offenbar noch lange nicht verteilt.

Schaut man sich die Tabellen zum Haftungsdach an (Zahlen von 2017), sieht man dass hier ganz klar Netfonds Financial Service der Marktführer ist mit einem Umsatz von 38 Mio€ , während JDC nur auf 2,4 Mio € kam. Allerdings gibt es auch deutlich weniger Haftungsdächer in Deutschland und weniger Konkurrenz. Leider ist die Aussagekraft der Liste begrenzt, da die letzten Jahre hier nicht abgebildet sind.

Welche Margen sind in dem Bereich möglich? Vergleich mit anderen Konkurrenten

Wie ich bereits geschrieben habe sind sowohl Netfonds als auch JDC nicht konsistent profitabel, so dass man über die möglichen Margen spekulieren kann. Allerdings zeigt ein Blick auf die Zahlen der deutlich größeren Fonds Finanz (zu finden im Bundesanzeiger), dass hier durchaus gute Margen zu holen sind:

Fonds Finanz: Fünf-Jahres-Kennzahlenentwicklung (2014-2018)

In
Tsd. Euro
GJ 2014 GJ 2015 GJ 2016 GJ 2017
in %
GJ 2018
Umsatzerlöse 105.295 114.599 124.557 134.879 18,70 % 160.155
Provisionserlöse 101.706 110.702 120.067 130.572 19,30 % 155.740
Bruttoertrag 19.466 21.385 23.905 27.246 19,30 % 32.517
Personalaufwand 12.847 14.974 17.419 19.683 10,10 % 21.673
Ergebnis vor Steuern 3.125 3.214 3.502 4.455 34,90 % 6.010
Jahresüberschuss 1.907 1.964 2.161 2.820 33,50 % 3.764

Die Zahlen zeigen, dass Fonds Finanz offenbar eine Nettomarge von etwa 10% auf den Rohertrag erzielt, bei einem sehr ordentlichen Wachstum.

Schauen wir uns einmal Blau Direkt an, die wie es scheint technologisch sehr gut aufgestellt und sehr weit digitalisiert ist:

Ergebnis Blau Direkt 2018 1.1.2018 – 31.12.2018
EUR
1.1.2017 – 31.12.2017
EUR
1. Rohergebnis 7.501.860,61 6.427.510,95
2. Personalaufwand 2.459.469,24 2.193.885,66
10. Jahresüberschuss 3.071.317,20 1.759.492,60

Hier blieben also schon 2018 bereits geniale 40% Nettomarge hängen! Wäre Blau direkt an der Börse notiert, wäre es bei vernünftiger Bewertung wohl die attraktivste Option für ein Investment. Aber leider ist die Firma in Privatbesitz…

Schaut man weiter, schafft auch Fondskonzept ein 20% ige Nettomarge auf das Rohergebnis, für die Branche scheint eine solche Marge also durchaus nicht unrealistisch zu sein.

Fazit

Der Markt für Maklerpools ist ein prinzipiell sehr interessantes Feld für Investitionen. Etliche Unternehmen haben hohe Margen und strukturelles Wachstum, und die Digitalisierung spielt denjenigen Anbietern in die Karten die dort gut dabei sind. Der Konsolidierungsdruck dürfte sich noch weiter verstärken, so dass auch anorganisches Wachstum eine Option bleibt. Die staatliche Regulierung bleibt ein Risiko, erhöht aber eben jenen Konsolidierungsdruck der die Maklerpools weiter wachsen lässt, selbst wenn die Zahl der Makler an sich nicht allzu stark verändert.

Die nächsten Beiträge werde ich mir daher insbesondere JDC und Netfonds noch einmal näher anschauen!

4 Gedanken zu „Maklerpools Teil 1: Überblick

  1. Insbesondere bei Hypoport glaube ich unterschätzen viele potentielle Anleger die möglichen Synergieeffekte. Wer eine Baufinanzierung abschließt, der nutzt auch gerne eine Versicherung vom selben Anbieter / Makler.
    Insofern ist der Erfolg von Hypoport auch gut begründet – bin (noch) kein Aktionär, bei einem günstigeren Kurs würde ich aber wohl einsteigen.
    LG

  2. Sehr aufschlussreicher Artikel, vielen Dank dafür. Da Hypoport inzwischen meine größte Depotposition ist, würde ich mich natürlich besonders darüber freuen, wenn auch Hypoport noch einmal einer genaueren Betrachtung unterzogen würde. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.