Neues von Tick TS / Präsentation auf der MKK

Über Tick TS habe ich bereits mehrmals berichtet: In meinem ursprünglichen Artikel, in einem Update von der MKK und mit einem kleinen HV-Bericht von diesem Jahr. Von meinem ursprünglichen Kaufkurs (knapp 17 €) hat sich die Aktie inzwischen auf 29€ hochgearbeitet, angesichts der nun auf 2 € steigenden Dividende ist das aber immer noch nicht viel. (Tatsächlich hatte ich in meinem ursprünglichen Post geschrieben:

[…] halte ich eine Dividendenrendite von 5% für eine faire Bewertung. Da die Gewinne ausgeschüttet werden, entspräche dies einem KGV von 20. Nehmen wir für 2020 einen Gewinn von 1,90€ je Aktie an, könnte der Kurs in zwei Jahren demnach auf 38€ steigen.

Ich lag tatsächlich gar nicht soo falsch, im November meldete Tick TS mit etwa 2€ je Aktie einen Rekordgewinn:

Die tick Trading Software AG (tick-TS AG) hat das Geschäftsjahr 2019/2020 (01.10.2019 – 30.09.2020) nach dem heute vom Vorstand aufgestellten Jahresabschluss mit einem Jahresüberschuss von 2.003 TEUR abgeschlossen (Vorjahr: 1.655 TEUR). Der Gewinn pro Aktie beträgt 1,99 EUR (Vorjahr: 1,64 EUR) und das Ergebnis vor Steuern beläuft sich auf 2.926 TEUR (Vorjahr: 2.371 TEUR).
Die Umsatzerlöse der tick-TS AG sind um 8,93% auf 7.308 TEUR (Vorjahr: 6.709 TEUR) gestiegen. Der finanzielle Leistungsindikator der Gesellschaft, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), legte um 23,49% auf 2.928 TEUR (Vorjahr: 2.371 TEUR) zu. Unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus dem Vorjahr (76 TEUR) ergibt sich ein Bilanzgewinn in Höhe von 2.080 TEUR.
Der Dividendenvorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat für das abgelaufene Geschäftsjahr wird nach der Anwendung des § 268 Abs. 8 HGB (Ausweis aktiver latenter Steuern) voraussichtlich 2,00 EUR je Aktie betragen.

Tick TS ist aktuell meine drittgrößte Position und ich bin damit sehr zufrieden. Vor kurzem dann gab es auch eine Prognose für das nächste (bereits angelaufene) Geschäftsjahr:

[…] Für die Weiterentwicklungen ihres Produktportfolios sowie der zeitnahen Umsetzung von Börsenreleases und Projekten plant die tick-TS AG im Geschäftsjahr 2020/2021 die Einstellung von vier weiteren Mitarbeitern in den Bereichen Development, Projektmanagement und System Operations.

[…]. Unter der Annahme eines stabilen regulatorischen Umfelds und dem Fortbestand der erhöhten Handelsaktivität an den Börsen ist der Vorstand vorsichtig optimistisch, im Geschäftsjahr 2020/2021 einen Jahresüberschuss in Höhe von 1.800 – 2.100 TEUR erreichen zu können.

Der Mitarbeiteraufbau zeigt deutlich, dass die Auftragslage offenbar gut eingeschätzt wird und ist ein klares Zeichen von Optimismus. Die Gewinnprognose allerdings sieht “nur” ein etwa auf aktuellem Niveau liegendes Ergebnis vor, wobei ja viele Unternehmen durchaus eher vorsichtig planen um bei gutem Verlauf die Prognose zu erhöhen als andersrum.

Münchner Kapitalmarktkonferenz

Auch dieses Jahr hat Tick TS bei der (virtuellen) MKK präsentiert und ein Leser hat mir eine Zusammenfassung des Vortrags zur Verfügung gestellt. Diese klingt (gerade was die Aussichten im aktuellen Umfeld mit vielen neuen Privatanlegern angeht) sehr positiv und lässt mich weiterhin eine positive Entwicklung erwarten. Die Vortragsfolien findet man hier, und hier nun der Bericht:

Tick Trading Präsentation auf der mkk am 08.12.2020

-> Es präsentierten die Vorstände Carsten Schölzki und Gerd Goetz
-> In der Präsentation waren gem. Angabe von Gerd Goetz 52 Teilnehmer; das waren deutlich mehr als die 11 Teilnehmer, die letztes Jahr bei der Präsenzveranstaltung der mkk die Präsentation der Tick besucht haben 

Carsten Schölzki

–          Gerd Goetz ist schon länger Vorstand der Tick und war davor lange Zeit Geschäftsführer der HSBC Transaction Services GmbH

–          Ich bin erst seit einem Jahr bei der Tick und seit Anfang 2020 Vorstand bei der Tick

–          Ich war früher lange Zeit geschäftsführender Gesellschafter der WWK GmbH in Berlin

–          Bei Paypal war ich verantwortlich für das Development mit Teams in Deutschland, Indien und den USA; und zuletzt war ich CTO bei der figo GmbH

–          Die Tick ist für mich ein unglaubliches attraktives Unternehmen, weil es mir 20 Mitarbeitern relativ klein ist, aber gleichzeitig recht stabil ist und Gewinne einfährt

–          Tick ist erstaunlich alt für ein Fintech; 2002 gegründet; wir sind gerade volljährig geworden;

–          Was mir sehr gut gefällt ist, dass 80 % unserer Umsätze wiederkehrend sind;

–          Für mich haben wir eine sehr attraktive Kombination aus Flexibilität, weil wir so klein sind, und Stabilität, wegen dem hohen Anteil wiederkehrender Erlöse

–          Wir sind auf Börsenzugangssysteme spezialisiert

–          Alles machen wir als SaaS

–          Wir können unser Produktportfolio modular erweitern

–          Unsere Kunden sind Banken und Finanzintermediäre;

–          Sino war 2002 Teil des Gründerteams; HSBC ist sehr wichtig, mit denen machen wir den meisten Umsatz; und über die Trade Republic lesen sie derzeit jeden Tag etwas

–          Was machen wir für unsere Kunden?

–          Die TBMX Tradingplattform ist das Herz unserer Produktpalette, denn das nutzen eigentlich all unsere Kunden; die TBMX läuft als SaaS auf unseren eigenen Servern und ist direkt als API nutzbar; man bekommt aber von uns auch ein grafisches Interface für die TBMX, mit dem man sehr gut handeln kann; wir haben aber mittlerweile auch eine White Label App für das System entwickelt; die White Label App ist vom Funktionsumfang abgespeckt, weil nicht alles auf einen kleinen Smartphonebildschirm passt;

–          Wir haben noch weitere Produkte, ein Compliance System, Settlement Monitor etc.;

Gerd Goetz

–          Wir haben seit der Gründung in jedem Jahr ein positives Ergebnis erwirtschaftet;

–          Wir haben eine hohe EK-Quote und zahlen eine kontinuierliche Dividende;

–          Wir haben in unserer Satzung ein Vollausschüttungsgebot, d.h. der gesamte Gewinn soll jedes Jahr in Form einer Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet werden; soweit ich weiß, sind wir das einzige börsennotierte Unternehmen in Deutschland, dass in der Satzung ein Vollausschüttungsgebot des Jahresgewinns hat;

–          Wie können wir uns das leisten? Weil wir mit unseren Kunden kontinuierliche Services und Projekte machen und weil wir nicht ohne Partner Geld in Forschung und Entwicklung stecken; Neuentwicklungen machen wir nur, wenn uns das ein Partner bezahlt

–          Wir wollen im laufenden Geschäftsjahr weitere 4 Personen einstellen

–          Die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr (bis 30.09.2020) sind bis jetzt noch nicht testiert, das wird kommenden Montag (14.12.2020) passieren; da haben wir die Bilanzsitzung

–          Bei der Dividende sehen wir einen schönen Anstieg; Die magische 2 Euro Zahl ist gefallen;

–          Wir haben nur 1 Mio. Aktien und 82 % Streubesitz; ja wir sind eine spannende Firma, haben aber keine Aktien im Angebot;

–          Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir beim Gewinn mit einer Bandbreite die zwischen einem weiteren Rekordjahr oder knapp unter dem Niveau des bisherigen Rekordjahrs 2019/20 liegt;

Carsten Schölzki

–          Die Sparkultur der Deutschen – Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Kind ein Knax-Konto bei der Berliner Sparkasse eröffnet habe

–          Sparen war für meine Eltern und Großeltern unheimlich wichtig

–          Aber die Sparkultur der Deutschen verändert sich, aber sehr langsam; 2014 gab es erstmals Strafzinsen; seitdem haben sich die Zinsen nicht wirklich verbessert; trotzdem lassen die Kunden ihr Geld auf Sparkonten und Tagesgeldkonten liegen; aber 2020 hat sich das durch die Coronakrise etwas geändert; obwohl es schon seit Jahren einige gute Gründe gibt, sich davon wegzubewegen, ist es erst während der Pandemie richtig los gegangen

–          The German Angst; bei Paypal sprachen wir von den cautious conservatives; denn wenn man bei den Deutschen irgendetwas neues einführen will, was mit Geld zu tun hat, dann muss man vorher ganz viel erklären

–          für viele normale Sparer wirkte der Aktienmarkt früher aus mehreren Gründen nicht wahnsinnig attraktiv
1.) damals gab es noch Zinsen
2.) es gab eher negative Skandale und zwar in beide Richtungen – entweder hat jemand viel Geld verloren oder er wurde betrogen
3.) die T-Aktie hat das Vertrauen der Deutschen in den Aktienmarkt auch nicht gestärkt;

–          Eigentlich hätte dieser Trend schon seit ein paar Jahren losgehen können und die Coronakrise wirkt nun wie ein Katalysator; plötzlich wird richtig viel gehandelt; das merken wir auch bei unseren Umsätzen; wir haben aktuell einfach viele neue Teilhaber am Aktienmarkt, die mitmachen wollen

Gerd Goetz

–          Man kann sich ja fragen, warum der stärkere Börsenhandel für uns wichtig ist

–          Die variablen Erlöse machten bisher 20 % unseres Umsatzes aus; diese Zahl ist für das GJ 2019/20 natürlich nicht mehr richtig, sondern liegt eher bei 30 %; Eigentlich wollte ich den Anteil der variablen Erlöse senken, weil eine Softwarefirma lieber stetige Erträge hat; dann ist das einzige Risiko die Länge der Verträge und mögliche Kündigungen;

–          Wir haben mit einigen Kunden ein hybrides Abrechnungsmodells; wir bekommen lastabhängige Vergütungen, d.h. mehr Orders bedeutet mehr Server, mehr Rechenleistung, mehr Umsatz für uns;  

–          Wir wachsen mit unseren Kunden auch, wenn sie Frontends haben wollen – z.B. eine neue App oder sich gerade neu gründen; Wir sehen gerade einen Trend in Deutschland, dass neue Onlinebroker gegründet werden

–          Wir sehen gerade ein enormes Wachstum bei den ETFs; das unterstützen wir gerne mit unseren Softwarelösungen

–          HSBC, comdirect, Trade Republic und sino, sind Kunden, mit denen wir wachsen;

–          Wir dachten, dass diese hohen Umsätze an den Börsen nicht nachhaltig sein können; mittlerweile gibt es aber immer mehr Stimmen, die sagen, dass das die neue Normalität ist;

–          Die explodierenden Umsätze an der LSX kommen nicht nur von der Trade Republic, sondern auch von anderen Kunden der Börse

–          Diese hohen Umsätze sind vor allem an den Marktplätzen, wo sich Market Maker um Retailkunden kümmern (LSX, Tradegate, Euwax, Gettex, Quotrix); der verbrauchergetriebene Markt wächst extrem; Xetra, als institutioneller Handelsplatz, wächst auch, aber nicht so dramatisch, wie die Handelsplätze der Retailkunden

–          Wir haben gerade 52 Teilnehmer im Call;

–          Es gibt noch etwas Zweites, was diesen Trend bestätigt – die neuen Finanzblogs, Podcasts, Videos etc.; z.B. Madame Moneypenny, die sich ausschließlich um Wertpapieranlagen von Frauen kümmert;

–          Die neue Generation Anleger kümmern sich nicht mehr um den Bankberater oder Wertpapierspezialisten; die suchen sich ihre Informationen im Internet u.a. bei diesen Finanzblogs; die hohen Followerzahlen bestätigen diesen neuen Trend;

–          Präs. S. 16: Das ist die Auflistung der Gründe für einen fortlaufenden Boom am Kapitalmarkt; und ich habe Ihnen zwei Gründe aufgeführt, die den Boom abwürgen könnten; 
1.) Social-Trading, befeuert von den sozialen Netzwerken; 
2.) Zinsen bleiben niedrig
3.) Gold ist teuer und zahlt keine Dividende
4.) Kunst und Oltimer sind ausverkauft
5.) Die Banken wünschen und fordern die Anlage von hohen Geldguthaben bzw. führen Negativzinsen ein
6.) Die Neobroker befördern immer kostengünstigeres Handeln
7.) Mit den Apps hat man das Depot in der Hosentasche
8.) Gamification des Wertpapierhandels

–          Die Gamification des Wertpapierhandels durch die Neobroker leitet über auf die kritische Seite des Booms; wenn sich Verbraucher durch zu leichte Teilhabe stundenlang mit der Börse beschäftigen, vielleicht sogar süchtig werden, könnte die Regulierung eingreifen;

–          Viele Broker leben heute von den Rückvergütungen der Handelsplätze; Das es in Deutschland Payment für Orderflow gibt, wird in anderen Ländern sehr kritisch gesehen; hier könnte es auch zu einem Verbot kommen

–          Die FAZ am Sonntag hat den aktuellen Trend gerade in dem Artikel „Die neue Lust auf die Börse“ kommentiert; viele der neuen Anleger bekommen die Rückschläge gar nicht richtig mit, weil die Mehrzahl von denen nicht in Old Economy Aktien investiert ist, sondern in den großen Techkonzernen unterwegs ist, die in diesem Jahr sehr gut gelaufen sind;

–          Wir kennen unsere Novemberzahlen schon; Sino hat ihre Novemberzahlen schon veröffentlicht; Wir sehen einen weiteren kompletten Anstieg der Tradezahlen über alle Kunden hinweg und das macht uns so zuversichtlich in der Prognose

Wie sieht es dem Wachstum und mit einer europäischen Expansion aus?

–          Eine Umsatzprognose für die nächsten 10 Jahre ist schwierig; aber wir können die Chancen und Risiken betrachten;

–          Chancen: Es gibt neue und alte Spieler im Markt, die sich verstärkt um die Privatinvestoren kümmern (wollen); die brauchen sowohl eine Anbindung an Märkte, als auch die Anbindung an eine Abwicklungsbank und vielleicht auch ein Frontend;

–          In Deutschland gibt es nur zwei Abwicklungsbanken, die echte Mengen und große Player aufnehmen können; das sind die DWP Bank (der Sparkassen, Volksbanken und einiger Privatbanken) und HSBC Transaction Services (der ehemalige Arbeitgeber von Herrn Goetz) – mehr gibt es nicht; das ist schon fast ein Duopol; mit der HSBC sind wir sehr gut verdrahtet und die sind auch indirekt Teileigentümer von uns; wir können Anbieter auf dem Weg zur HSBC sehr gut unterstützen; ich glaube, das gelingt kaum einem anderen Partner so gut, wie uns;

–          Wir sehen auch großes Potenzial in unserer White Label App, die aber bisher noch nicht wirklich zum Zuge gekommen ist; diese App ist ein neues Frontend und genau richtig für Kunden, die auch ein Gesicht zum Kunden brauchen; das hat ein hohes Potenzial für die Zukunft;

–          Der Blick ins Ausland ist interessant; aber wir haben in Deutschland noch so großes Potenzial; noch Ende 2019 waren nur etwas über 10 % der Deutschen am Aktienmarkt engagiert; so langsam kommen wir auf 20 % Teilhabe; in anderen europäischen Ländern ist die Quote viel höher – Holland oder auch UK sind da ganz stark; da trifft man auf einen gut verteilten Wettbewerb, während wir in Deutschland noch einen riesigen Nachholbedarf haben; in Deutschland sind wir stark, weil wir die Interfaces und Anbindungen haben;

Wer sind die Wettbewerber?

–          Natürlich gibt es Konkurrenz; das vor einem Jahr noch sehr interessante SEEOMS Ersatz-Produkt haben wir nicht gewonnen; da sind wir nicht dabei; ich bin traurig, dass wir diese Chance verpasst haben; Bloomberg hat mit anderen Services, das SEEOMS-Produkt teilweise ersetzt; aber unser Produkt ist lebensfähig, wenn es jemand mit uns machen will;

–          Bei der Appentwicklung haben wir viele Konkurrenten; z.B. Anbieter von Kernbankensystemen; Anbieter können auch selbst eine App entwickeln; z.B. ist die App der Trade Republic nicht von uns;

–          Wir konkurrieren nicht mit einer asiatischen oder indischen Firma, die auch Apps bauen;

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