Optionen – Funktionsweise und wann ich als langfristiger Anleger Optionen schreibe

Optionen haben ja (nicht ganz zu unrecht) den Ruf eher etwas für Spekulanten zu sein als für langfristig orientierte Anleger. Viele, auch ich eingeschlossen, lassen denn auch sofort die Finger von Optionen und ähnlichen Wertpapieren. Allerdings haben zumindest die normalen Optionen auch für einen langfristigen Anleger unter Umständen eine Berechtigung. In der Tat habe ich zum ersten Mal im letzten Monat eine Option geschrieben.

Was sind Optionen und wie funktionieren sie?

Um Optionen zu verstehen, starten wir am besten mit sogenannten Put-Optionen. Viele nutzen Optionen zwar eher zum spekulieren auf Kursveränderungen, aber man kann eine Option auch als Versicherung sehen. Denn Optionen sind Verträge zwischen zwei Investoren, bei denen einer das Kursänderungsrisiko des anderen übernimmt.

Angenommen, wir haben zwei Anleger, nennen wir die beiden ganz klassisch Alice und Bob.
Alice besitzt Aktien von Amazon, macht sich aber Sorgen dass diese nach ihrem steilen Anstieg irgendwann fallen könnten. Sie möchte aber auch nicht verpassen wenn der Kurs sich im nächsten Jahr verdoppeln sollte. Deshalb ist Alice nun im Zwiespalt – soll ich verkaufen oder nicht?
Bob ist bisher vorsichtiger gewesen. Er hat sein Geld auf der Bank bisher nicht in Amazon investiert, obwohl er das Unternehmen spannend findet. Allerdings ist ihm der aktuelle Preis von 1800$ zu hoch. Nach seiner Analyse würde er die Aktien höchstens für 1600$ kaufen. Deshalb bietet er Alice nun eine “Versicherung” an: Für eine Versicherungsprämie von 50$ je Aktie verspricht er ihr die Aktien ein halbes Jahr lang – sobald Alice möchte – für 1600$ abzukaufen, egal was gerade der Marktpreis ist. Alice findet das fair, auch wenn es kein 100%iger Schutz ist. Aber etwas über 10% Verlust kann sie noch verkraften und zahlt Bob 50$ um eine Aktie zu versichern. Bob wiederum legt sich 1600 Dollar zu Seite, damit er im Fall der Fälle die Aktie auch bezahlen kann.

So lange die Aktie von Amazon nicht unter die 1600$-Marke fällt, wird Bob auf sein Kapital 3% Zinsen in einem halben Jahr erhalten. Das ist deutlich mehr als auf dem Tagesgeldkonto. Und falls die Aktie doch fällt zahlt er einfach den Preis den er als fair errechnet hat (statt 200 Dollar mehr).

In der Finanzsprache hat nun Bob eine Put-Option geschrieben und Alice hat diese Option gekauft.

Dabei sind Optionen sogar flexibler als ein “Versicherungsvertrag”. Zunächst ist es egal, ob Alice die Aktien tatsächlich besitzt. Sie kann die Option von Bob trotzdem kaufen. Bob wiederum muss theoretisch nicht das ganze Geld auf dem Konto liegen haben. Er muss nur das Geld besorgen, wenn tatsächlich der Kurs unter 1600 fällt und Alice ihm ihre Aktien verkaufen will.

Ähnlich funktioniert das ganze auch anders herum: Bob kann gegen eine Prämie Alice die Option einräumen, Aktien von ihm zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Angenommen, die Aktie fällt und Alice verkauft Bob die Aktien für 1600$. Dann hat Bob immer noch einen fairen Wert für die Aktie im Kopf, sagen wir einmal er hat sich auf 1800$ erhöht. Er geht nun mit Alice einen ähnlichen Vertrag ein: Wenn die Aktie steigt würde er sie in einem halben Jahr für 1800$ wieder zurück verkaufen. Dafür will er wieder eine Optionsprämie von 50 Dollar haben. In der Finanzsprache hat Bob Alice damit eine Call-Option verkauft.

Wie verdient man damit Geld?

Das gute an diesen Optionen ist, dass man als Verkäufer einer Option für die Risikoübernahme mit einer Prämie entlohnt wird, die mit der Laufzeit der Option kleiner wird. An diesem Verfall kann der Verkäufer einer Option gutes Geld verdienen, er übernimmt aber ein hohes Risiko im Vergleich mit dem nun abgesicherten Optionskäufer.

Der Optionsverkäufer gewinnt immer dann, wenn die Option wertlos verfällt (oder er sie günstig zurückkauft). Das tun tatsächlich die allermeisten Optionen! Insbesondere sind Optionen dann profitabel, wenn die Bewertung des Unternehmens stabil bleibt. Wird die Option allerdings ausgeübt, dann verliert er potentiell viel Geld. Statistisch gesehen (oder wenn man an die Effizienzmarkthypothese glaubt) sollte der Optionsverkauf Aufgrund des Zeitwertverfalls äußerst profitabel sein. Wenn man als langfristiger Investor das Geld hat gleich 100 Stück einer Aktie zu kaufen, aber der Preis leicht zu hoch erscheint ist eine Option immer besser als ein entsprechendes Limit in den Markt zu stellen. Der Grund: in beiden Fällen kauf man die Aktie zum gleichen Preis (falls sie sich verbilligt), aber mit der Option wird man zusätzlich für das Warten bezahlt.

Auf der anderen Seite kann man wenn man teure Aktien besitzt (und sie bei kleinerem Anstieg ohnehin verkaufen würde) durchaus eine Call-Option auf die Aktie schreiben.

Wichtig ist: Um das Risiko zu begrenzen sollte man nur Optionen schreiben, wenn man den dahinterliegenden Handel tatsächlich durchführen kann und will.
Insbesondere sollte man bei Put-Optionen das nötige Geld zur Ausübung verfügbar haben, und für Call-Optionen eben die nötigen Aktien. Alles andere ist Spekulation und mit entsprechend hohen Risiken verbunden.

Unterschied Optionsschein

Wenn man über Optionen spricht muss man diese klar abgrenzen von den meist viel prominenteren Optionsscheinen. Optionsscheine sind gerade bei uns für eine wesentlich größere Zahl von Aktien verfügbar, Optionen nur für große Standardwerte aus z.B. DAX und MDAX. Optionen werden (in Europa) an der Optionsbörse Eurex gehandelt, der Gegenpart ist daher ein anderer Investor. Optionsscheine hingegen sind auf den ersten Blick identisch, allerdings sind sie immer von einer Bank ausgegeben. Diese Bank kann insbesondere die Preise setzen (und im Zweifel zu ihren Gunsten manipulieren, was immer wieder ein Vorwurf gegen Optionsscheine ist) und im Fall einer Insolvenz steht man mit einer ungesicherten Forderung da und sieht sein Geld vermutlich nicht wieder. Außerdem ist immer die Bank der Verkäufer (wie gerade erklärt ist der Verkauf von Optionen der für Langfristanleger interessante Teil) und man spielt daher immer “gegen die Bank”. Der einzige Grund für die hohe Präsenz von Optionsscheinen (und anderen Derivaten) ist, dass die Banken an ihnen ausgezeichnet verdienen und entsprechend viel Werbung machen. Für Anleger sind sie in der Regel das schlechtere Geschäft. Mit dem schreiben von Optionen vergleichbar hingegen sind sogenannte “Aktienanleihen” , die allerdings ein schlechteres Chance-Risikoverhältnis aufweisen und von Banken vermutlich mit Optionen gehedged werden.

Meine Optionen

Ich habe mich erst vor kürzerer Zeit mit Optionen befasst und tatsächlich im Juni meine ersten Optionen geschrieben.

Welche und warum?

Ich habe wie ich hier geschrieben habe seit dem Winter Aktien von DistributionNOW. Meine Position war nicht besonders groß, so dass ich überlegt habe aufzustocken. Gleichzeitig waren meine Mittel komplett in anderen Aktien gebunden. Was tun? Ich entdeckte, dass wegen der hohen Volatilität die Optionsprämien ausgesprochen hoch waren. So verkaufte ich bei einem Aktienkurs von knapp 14 Dollar Optionen. Und zwar erklärte ich mich bereit, 300 Aktien (Optionen beziehen sich immer auf 100 Aktien!) im November zum Preis von 12,50 Dollar zu kaufen. Ich bekam dafür eine Prämie von 1,10 Dollar pro Aktie, insgesamt nach Gebühren also etwa 320 Dollar.

Das ist also genau die zu Beginn beschriebene Situation: ich bin bereit Aktien langfristig zum Preis 12,50$ zu kaufen. Statt einer Limit-Order gehe ich mit einer Option in den Markt und muss erst einmal kein Geld aufwenden. Falls sich im November abzeichnet, dass ich die Aktien bekommen werde habe ich noch genug Zeit eine andere Position zu verkaufen um das nötige Geld zu bekommen. Steigt de Aktie hingegen (wie es nach den starken Quartalszahlen zu beobachten war) behalte ich die 320 Dollar und kann im November eine neue Option schreiben. Bisher sieht es nach letzterem aus 🙂

Nach den Quartalszahlen habe ich daher noch eine Option auf NOW zum Preis von 17,50$ verkauft, bei der eine Ausübung nun wesentlich wahrscheinlicher erscheint. Auch hier bin ich aktuell bereit zu diesem Preis die Aktien langfristig zu halten.

Günstiger Broker für Optionen?

Noch ein letztes: Was ich hier gerade beschrieben habe ist leider nicht bei jedem Broker so einfach, oft verkaufen die nämlich lieber ähnliche Derivate (Optionsscheine und Aktienanleihen) oder der Optionshandel ist sehr teuer. Und da ich schon bei meinen ausländischen Aktien öfters nach dem Broker gefragt wurde nehme ich an dass diese Frage hier wieder aufkommt.

Persönlich habe ich mit Banxbroker bisher gute Erfahrungen gemacht und bin auch mit den Preisen absolut zufrieden. Intern setzt Banx (wie auch Lynx) auf das System von Interactive Brokers auf, bietet aber geringere Mindesteinzahlung und deutschen Support. US-Optionen (z.B. auf DNOW) kosten dort 3,50 Dollar während europäische Optionen schon für 2 € handelbar sind. Zudem ist der Wertpapierkredit ziemlich günstig für den Fall dass man bei Ausübung der Option ungenügend Deckung hat. Steuern werden erst mit der Steuererklärung (die dann verpflichtend ist) fällig, sind also für ein halbes bis ganzes Jahr gestundet. Falls ihr über den folgenden Link ein Konto eröffnet bekomme ich eine Provision, meine Meinung ist davon allerdings unbeeinflusst – wie gesagt ist Banx mein eigener Broker für internationale Aktien. Andere Broker habe ich zum Optionshandel nicht ausprobiert.


Banxbroker

Fazit

Ich denke, in Zukunft werde ich des öfteren versuchen mit Optionen den einen oder anderen Euro zu verdienen. Genau wie bei Aktien muss man aber genau wissen, was man für ein Unternehmen bereit ist zu bezahlen. Und sobald man in größerem Maß Optionen schreiben möchte, so muss man auch das entsprechende Kapital vorhalten und kann auf dieses kaum nachhaltig so hohe Gewinne wie von unterbewerteten Wachstumsunternehmen erwarten. Mehr als eine kleine Ergänzung zu meinen Aktien werden Optionen also sicher nicht werden.

Übrigens bin ich für den deutschen Valueinvesting-Blogpreis nominiert und würde mich freuen, wenn ihr für mich abstimmen würdet. Und nebenbei könnt ihr dort einige weitere spannende Blogs entdecken – es lohnt sich!

2 Gedanken zu „Optionen – Funktionsweise und wann ich als langfristiger Anleger Optionen schreibe

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