Firmenwerte/Goodwill im DAX (II) – Daten

Meine Tabelle über immaterielle Werte im DAX ist fertig! Nachdem ich bei Analysen mehrfach über das Problem hoher Firmenwerte/Goodwill in Bilanzen gestolpert bin, und ich mich gefragt habe was denn da ein normaler Vergleichswert sein könnte, habe ich mich zu einer Überblicksanalyse des DAX entschlossen und mir die Daten aller 30 Firmen zusammengesammelt. Bei den größten und erfolgreichsten Firmen Deutschlands sollte man doch in etwa erkennen können wie die Bilanzen und Bewertungen von Unternehmen aussehen, die in besonderem Maß durch Profis betrachtet werden. Zur Problematik hoher Firmenwerte/Goodwill in Bilanzen siehe den ersten Teil, der die entsprechenden Bilanzgrundlagen zu erklären versucht.

Auch bei den Wirtschaftsmedien hat man das Problem offenbar auf dem Schirm, hier gib es auch schon Übersichten – die zum Vergleich mit den aktuellen Daten durchaus interessant sind: Übersicht 2011

Es wird in dieser Übersicht bereits darauf hingewiesen, dass die Risiken besonders groß sind, sobald der Goodwill den Wert des Eigenkapitals übersteigt. Insofern sollte man hoffen, dass das nicht der Fall ist – denn der Firmenwert ist aus Aktionärssicht langfristig ein Bilanzposten ohne wirklichen Wert (beziehungsweise mit kaum sinnvoll überprüfbarem Wert). Die Daten zeigen, dass man sich bei manchen Firmen dennoch Sorgen machen muss!

Aktuelle Daten

Zu den tatsächlichen Daten aus den 2013er Geschäftsberichten. Keine Gewähr, dass ich mich nicht vertippt oder mal eine falsche Spalte abgeschrieben habe, ich halte das für gut möglich (bei Hinweisen korrigiere ich auch gerne). Die genauere Aufschlüsselung der immateriellen Vermögenswerte ist in den Geschäftsberichten leider überhaupt nicht einheitlich, teilweise habe ich daher einfach alle zusammen unter sonstige geschrieben, teilweise war auch nicht ganz klar, in welche Spalte die angegebenen Werte gehören. Ich hoffe dass es trotzdem einen gewissen Wert hat. Die Sortierfunktion der Tabelle ist übrigens scheinbar nicht nach Zahlen, sondern lexikographisch – sie ist daher nur eingeschränkt sortierbar und und zeigt erst alle mit 1 beginnenden, dann alle mit 2 beginnenden Zahlen usw.

Name

Bil.- Summe

EigKap

Imm. Werte Gesamt

Goodwill

Marken

sonstige Imm. Werte

Technol., Lizenzen

VW aus EL

Adidas

11599

5481

2787

1204

1419

164

  

Allianz

711530

52849

13100

11544

296

1260

  

BASF

64382

27789

12235

6872

935

3105

1289

34

Bayer

52746

19255

18776

9862

2020

2526

4368

 

BMW

138368

35455

6179

369

 

788

 

5022

Beiersdorf

5596

3143

176

63

88

25

  

Commerzbank

549661

26936

3207

2080

395

247

 

485

Continental

26821

9322

6063

5521

 

398

 

144

Daimler

168518

43363

9388

 

681

1397

 

7310

Deutsche Bank

1611400

54719

13932

9074

438

2553

 

1867

Deutsche Börse

189309

3268

3074

2043

 

873

 

158

Deutsche Lufthansa

29084

6108

1569

616

318

620

 

15

Deutsche Post

38171

9478

11614

10677

43

674

 

220

Deutsche Telekom

118148

32063

43898

14562

439

4618

22981

1298

EON

130725

36385

19385

12797

 

6588

  

Fresenius Medical Care

16704

6991

9000

8446

153

228

125

48

Fresenius  

32758

13260

16067

14826

182

468

591

 

Heidelberg Cement

26865

12582

10330

10055

 

275

  

Henkel

19344

10158

8189

6353

1179

577

 

80

Infineon

5905

2162

170

21

 

13

 

136

K&S

7498

3397

936

606

107

223

  

Lanxess

6811

1900

323

147

 

176

  

Linde

32749

13586

13471

10395

318

2758

  

Merck

20819

11069

9867

4583

 

5284

  

Münchener Rückvers.

254288

26226

4672

3292

 

1380

  

RWE

81119

12137

13198

11374

 

261

1187

376

SAP

27094

16048

16644

13688

 

2956

  

Siemens

101936

28625

27997

17883

3816

5057

 

1241

ThyssenKrupp

35304

2511

4206

3493

520

  

193

Volkswagen

324333

90037

59243

23730

17029

4282

 

14202

Was erkennt man? So gut wie alle Unternehmen im DAX haben nennenswerte immaterielle Güter in den Büchern – und zwar nicht hauptsächlich Patente, Lizenzen oder Software. In der Regel überwiegen Firmenwerte, die nach IFRS eben nicht regelmäßig abgeschrieben werden müssen. Besonders interessant ist aber der direkte Vergleich des Anteils an Eigenkapital:

Unternehmen

Eigenkapital

Immaterielle Werte (Gesamt)

Goodwill

EK ohne IVM

EK ohne Goodwill

GW / EK

Goodwill/ Bilanzsumme

Adidas

5481

2787

1204

2694

4277

22%

10%

Allianz

52849

13100

11544

39749

41305

22%

2%

BASF

27789

12235

6872

15554

20917

25%

11%

Bayer

19255

18776

9862

479

9393

51%

19%

BMW

35455

6179

369

29276

35086

1%

0%

Beiersdorf

3143

176

63

2967

3080

2%

1%

Commerzbank

26936

3207

2080

23729

24856

8%

0%

Continental

9322

6063

5521

3259

3801

59%

21%

Daimler

43363

9388

 

33975

43363

0%

0%

Deutsche Bank

54719

13932

9074

40787

45645

17%

1%

Deutsche Börse

3268

3074

2043

194

1225

63%

1%

Deutsche Lufthansa

6108

1569

616

4539

5492

10%

2%

Deutsche Post

9478

11614

10677

-2136

-1199

113%

28%

Deutsche Telekom

32063

43898

14562

-11835

17501

45%

12%

EON

36385

19385

12797

17000

23588

35%

10%

Fresenius Medical Care

6991

9000

8446

-2009

-1455

121%

51%

Fresenius  

13260

16067

14826

-2807

-1566

112%

45%

Heidelbergcement

12582

10330

10055

2252

2527

80%

37%

Henkel

10158

8189

6353

1969

3805

63%

33%

Infineon

2162

170

21

1992

2141

1%

0%

K&S

3397

936

606

2461

2791

18%

8%

Lanxess

1900

323

147

1577

1753

8%

2%

Linde

13586

13471

10395

115

3191

77%

32%

Merck

11069

9867

4583

1202

6486

41%

22%

Münchener Rückvers.

26226

4672

3292

21554

22934

13%

1%

RWE

12137

13198

11374

-1061

763

94%

14%

SAP

16048

16644

13688

-596

2360

85%

51%

Siemens

28625

27997

17883

628

10742

62%

18%

ThyssenKrupp

2511

4206

3493

-1695

-982

139%

10%

Volkswagen

90037

59243

23730

30794

66307

26%

7%

Gerade bei Firmen wie Fresenius/FMC oder der deutschen Post, die ich als finanziell stabil eingeschätzt hätte, bin ich erstaunt. Alle diese haben im Moment deutlich mehr Goodwill in den Büchern als Eigenkapital. Sollte eine Krise die Abschreibung dieser Werte zur Folge haben sieht es schlecht aus. Positiv stechen Beiersdorf, Infineon, BMW oder Daimler heraus – sie haben keine großen Zukäufe in jüngerer Vergangenheit getätigt. Bei der Telekom dagegen ist auch nach der größeren Abschreibung auf das Geschäft in den USA die fast die Hälfte des Eigenkapitals durch Firmenwerte gefährdet, falls man denn abschreiben muss.

Ein Problem sehe ich auch bei RWE, gerade auch im Vergleich mit EON. Wegen der Schwierigkeiten mit der Energiewende sehe ich eine prinzipiell hohe Gefahr einer Abschreibung auf die Firmenwerte – denn wenn übernommene Kraftwerke unrentabler werden, muss man das irgendwann eingestehen und ist zur Abschreibung gezwungen. Nun ist aber das Eigenkapital bereits geschrumpft, so dass die Abschreibungen es fast aufzehren würden – eine Kapitalerhöhung wäre wohl unvermeidlich, mit entsprechenden Folgen für die Altaktionäre. Daher eine Aktie, die ich auf keinen Fall kaufen würde! Ansonsten kann natürlich jeder seine eigenen Schlüsse ziehen.

Update: Ich habe noch einmal in die Bilanz von RWE geschaut – tatsächlich sind die Firmenwerte im Bereich der Stromerzeugung/Kraftwerke abgeschrieben, so dass das Risiko doch nicht so akut scheint. Der Rest liegt meist bei Handels/-vertriebstöchtern, allerdings würde ich auch hier gewisse Unsicherheiten sehen. Immerhin sind die Strom- und Gaspreise wegen Energiewende und eventuellen Russlandstreitigkeiten nur schwer zu prognostizieren. Daher wäre ich hier trotzdem vorsichtig.

Bereinigung der immateriellen Vermögenswerte

Wie schon in Teil eins erklärt: es ist als Anleger ja überhaupt kein Problem, die Bilanzzahlen um die Werte zu bereinigen, die man als nicht werthaltig betrachtet. Ich habe mir daher die Werte berechnet, die man dann erhalten würde. Bei den Gewinnen will ich zeigen, wie viel die Gewinne durch den Verzicht auf die früher regelmäßige Abschreibung übertrieben sind – ich nehme dabei eine 10%-Abschreibung auf die Firmenwerte vor. Das entspräche einer 10-jährigen Nutzung, ist also durchaus nicht übertrieben. Trotzdem würde es einige Firmen extrem belasten!

Das Eigenkapital habe ich um Goodwill bereinigt, zusätzlich habe ich auch noch das Eigenkapital berechnet, wenn man sämtliche immateriellen Werte entfernt. Das ist allerdings schwieriger zu bewerten, da z.B. Bayer natürlich seine Patente braucht und die auch einen echten Wert darstellen. Da der tatsächliche Wert hier aber auch schlecht zu schätzen ist, kann man ja mit dem Gedanken der Wertlosigkeit zumindest spielen…

Unternehmen

Gewinn

Gewinn bereinigt

prozentuale Gewinnverringerung

EK-Quote

EK-Quote ohne Goodwill

EK-Quote ohne IVM

Adidas

790

669,6

15%

47%

41%

31%

Allianz

6344

5189,6

18%

7%

6%

6%

BASF

5173

4485,8

13%

43%

36%

30%

Bayer

3186

2199,8

31%

37%

22%

1%

BMW

5340

5303,1

1%

26%

25%

22%

Beiersdorf

543

536,7

1%

56%

56%

55%

Commerzbank

167

-41

125%

5%

5%

4%

Continental

2010

1457,9

27%

35%

18%

16%

Daimler

8720

8720

0%

26%

26%

21%

Deutsche Bank

681

-226,4

133%

3%

3%

3%

Deutsche Börse

495

290,7

41%

2%

1%

0%

Deutsche Lufthansa

326

264,4

19%

21%

19%

16%

Deutsche Post

1762

694,3

61%

25%

-4%

-8%

Deutsche Telekom

1204

-252,2

121%

27%

17%

-16%

EON

2510

1230,3

51%

28%

20%

15%

Fresenius Medical Care

921

76,4

92%

42%

-18%

-26%

Fresenius  

1738

255,4

85%

40%

-9%

-17%

Heidelbergcement

945

-60,5

106%

47%

15%

14%

Henkel

1625

989,7

39%

53%

29%

18%

Infineon

272

269,9

1%

37%

36%

35%

K&S

413

352,4

15%

45%

40%

38%

Lanxess

-168

-182,7

-9%

28%

26%

24%

Linde

1430

390,5

73%

41%

14%

1%

Merck

1209

750,7

38%

53%

40%

11%

Münchener Rückvers.

3342

3012,8

10%

10%

9%

9%

RWE

-2443

-3580,4

-47%

15%

1%

-2%

SAP

3325

1956,2

41%

59%

18%

-6%

Siemens

4409

2620,7

41%

28%

13%

1%

ThyssenKrupp

-1536

-1885,3

-23%

7%

-3%

-5%

Volkswagen

9145

6772

26%

28%

22%

12%

Fazit

Meiner Meinung nach wird dieses Thema von vielen Anlegern unterschätzt. Bei RWE oder ThyssenKrupp könnte es tatsächlich existenzgefährdend sein, dass die Firmenwerte extrem hohe Werte erreichen obwohl das Geschäft nicht gerade brummt. Als einigermaßen intelligenter Anleger sollte man diese Kennzahlen daher unbedingt im Blick haben – schade dass bei den üblichen Kennzahl-Übersichten selten die Firmenwerte ausdrücklich aufgeführt werden.

Bei künftigen Analysen werde ich auf jeden Fall auch wie in obiger Tabelle bereinigte Werte für das Eigenkapital berechnen – immerhin hat man dadurch schon ein Risiko weniger. Bei Gewinnen ist ein Abziehen natürlich etwas fragwürdiger, da die Vergleichbarkeit hier eher leiden kann. Andererseits kann man einen gewissen Abzug (möglicherweise eher 5%) auch durch einberechnen des langfristigen Abschreiberisikos rechtfertigen. Ich hoffe euch bringen die Tabellen auch was – wer selber ein bisschen an den Daten rumbasteln will kann sich gerne auch direkt die ganze Excel-Tabelle hier herunterladen:

ImmWerteDAX

Freu mich wie immer auf Kommentare, Anregungen oder Verlinkungen 😉

12 Gedanken zu „Firmenwerte/Goodwill im DAX (II) – Daten

  1. Moin,

    hierzu:
    Bei der Telekom dagegen ist auch nach der größeren Abschreibung auf das Geschäft in den USA die fast die Hälfte des Eigenkapitals durch Firmenwerte gefährdet.

    Mit den Deutschen Telekomikern habe ich mich länger nicht befasst. Aber ich glaube kaum, dass die Ihre Pensionsdeckunglücke inzwischen erledigt haben. Da könnte man dann noch etwas vom Eigenkapital abziehen, wenn denn noch etwas da ist…

    1. Wie weit die Pensionen gedeckt sind ist auch so ein Thema, das ich überhaupt nicht einschätzen kann – zumal ich annehme dass Firmen bei den niedrigen Zinsen aktuell mehr dafür zurücklegen sollten. Ein anderes Problem bei den Bilanzen ist wohl, dass oftmals Verbindlichkeiten aus Leasing nicht direkt in der Bilanz auftauchen – und daher bei einigen die Schulden höher sein könnten…
      Aber ich kann ehrlich gesagt nicht sagen ob ich irgendwann dazu komme das ganze hier einmal systematisch zu betrachten, wäre aber ein Punkt den ich Hinterkopf behalte.

  2. Hi,
    ich habe mich ja bereits zu deinem ersten Artikel gemeldet.

    Also, damit kann ich nichts anfangen. Ich glaube, du kreist in deinem Text um ein Problem. das eigentlich keines ist.

    Der Goodwill an sich ist weder gut noch ist er schlecht. Ein Goodwill der größer als das Rest-Eigenkapital ist, ist auch nicht an sich besorgniserregend wie du schreibst. Ein hoher Goodwill hat nicht etwas mit seriös oder nicht seriös zu tun. Gerade weil er nicht liquiditätswirksam ist, ist ein Abschreiben zwar ein Eingeständnis einer Fehlgeschlagenen vergangenen Investition, aber keine Aussage darüber ob das Unternehmen aktuell gut aufgestellt ist.

    Die von dir betrachtete Firma IVU Traffic T. hat seit zehn Jahren einen hohen Goodwill in der Bilanz stehen. Das ist seit zehn Jahren kein Problem. Und wenn sie den dieses Jahr abschreiben würden, würde das auch kaum jemanden jucken. Entscheident ist der Cashflow.

    Bei der Bewertung kann man natürlich den Goodwill vom Eigentkapital abziehen. Nur welche Aussage generiert man dadurch? Die meisten Unternehmen sind ohnehin mehr wert als das Eigentkapital.
    Grüße

    1. Ok – wo ich dir Recht gebe ist, dass der Goodwill an sich eine relativ neutrale Größe ist und nicht viel ausmacht. Würde man einem Konzern einfach ein paar Milliarden Goodwill in die Bücher schreiben und entsprechend Kapital- oder Gewinnrücklage erhöhen – der Konzern ist im Prinzip gleich viel Wert. Das Problem liegt darin, dass ich gerne Kennzahlen vergleichen will – und insofern vom Goodwill gewaltig in die Irre geführt werde/wurde und das verhindern will. Ich bleibe dabei, dass im Vergleich mit organisch gewachsenen Firmen man den Goodwill einfach aus der Bilanz streichen sollte, wenn man z.B. Schuldenquote/EK-Quote anschaut. Und ein Unternehmen mit negativem Eigenkapital würde ich ehrlich gesagt nicht kaufen wollen (oder nur mit hinreichendem Abschlag) – abgesehen davon dass es vermutlich auch mangels Bilanzgewinn keine Dividenden ausschütten kann. Im Prinzip gilt genau das aber für die Unternehmen, die mehr Goodwill als Eigenkapital haben, weshalb ich sie eher meiden würde.
      Ansonsten stimme ich dir zu, dass die meisten Unternehmen mehr wert sind als ihr Eigenkapital. Und mir ist klar, dass Goodwill Jahrzehntelang problemlos durch die Bilanz geschleppt werden kann. Aber das muss eben nicht so sein, daher entsteht ein Risiko dass das Unternehmen ganz plötzlich Verluste verzeichnet, obwohl es operativ eigentlich ganz zufriedenstellend läuft. Sowohl bei Unternehmen mit stabilem, hohem Cashflow als auch bei solchen die gut finanziert sind ist das im Prinzip zu verkraften. Wenn es einen wesentlichen Teil des Eigenkapitals ausmacht, dann geht es aber an die Substanz. RWE ist z.B. gerade dabei, umfangreiche Geschäftsaktivitäten, die sich irgendwie zu Geld machen lassen, zu verkaufen. Macht ein Konzern das gerne oder freiwillig? Bringt es den Aktionären Vorteile? Oder ist man einfach dazu gezwungen, weil die Banken sonst irgendwann nicht mehr mitspielen würden?

      Eine andere Sichtweise könnte man so beschreiben: Wenn der Goodwill das EK übersteigt, dann hat die Firma im Prinzip das ganze eigene Geld für Übernahmen verbraten und am Ende vielleicht sogar rein auf Kredit andere aufgekauft. Ist man vernünftig, muss man nun eine Weile warten, bis man wieder Geld in der Kasse hat und weiter expandieren kann. Ein Konkurrent, dessen Kriegskasse noch gefüllt ist hat dagegen direktes anorganisches Wachstumspotential. So würde eine hohe EK-Quote sogar die Wachstumschancen deutlich bessern, abgesehen vom geringeren Verlustrisiko.

      Kurz gesagt: Eine hohe Goodwillquote taugt sicher nicht als Argument, eine Aktie definitiv zu meiden. Aber bestimmte Parameter, an denen man Bilanzen vergleicht, werden von Goodwill deutlich verzerrt, was ich bislang wenig beachtet hatte (und ich will ja auch selber dazulernen). Darüber hinaus sehe ich im Goodwill keinen produktiven und liquidierbaren Wert, da er nur erklärt wie teuer in der Vergangenheit die Firma zusammengekauft wurde.
      Meine Vorsicht gegenüber Bilanzen rührt sicher noch von der Erfahrung mit Mox, vielleicht bin ich jetzt auch übervorsichtig geworden. Aber lieber ist mir, wenn ich die für mich erkennbaren Risiken erst einmal vermeide. Außerdem finde ich die Tabelle insofern interessant, als ich mich gefragt hatte was ein normaler Vergleichswert sein könnte. Jetzt habe ich einen schönen Vergleich, und kann viel eher einschätzen was ich in Bilanzen finde 🙂

      1. Hi Tobi,
        ich stimme dir da voll zu. Wenn ich mir eine Firma mit hoher Goodwill-Quote anschaue, will ich auch erstmal wissen wie die denn überhaupt zustande gekommen ist. Gut ist dann, wenn zwischendurch zu einem neuen und konservativeren Management gewechselt wurde. Negatives Eigenkapital ist für mich auch ein absolutes noGo.

        Neue Vorstandsvorsitzende schreiben gerne zu Beginn ihrer Führung den Goodwill des Vorgängers ab. So geschehen z.B. bei E.ON und Johannes Teyssen.

        Viele Grüße

        1. Ich hab auch gerade nochmal einen Abschnitt im vorigen Artikel eingebaut, in dem ich versuche genauer meine Probleme zu erläutern, und ein kleines Rechenbeispiel durchführe (ich hoffe zu so später Stunde ohne Fehler), bei dem zumindest meine Intuition mich möglicherweise zu dem gefährlichen Investment hätte führen können…
          Gut gefallen mir auf jeden Fall Firmen, die auch bei Abzug der Firmenwerte eine äußerst starke Bilanz haben (und am besten noch gute Margen), im Zweifel sind die Verlustrisiken da deutlich kleiner.

          1. Finde ich nicht so toll!
            Ein Blogartikel ist eigentlich wie ein Tagebucheintrag. Einmal geschrieben ist nunmal geschrieben (Das gilt auch für Rechtschreibfehler:-). Die Kommentare deiner Leser beziehen sich ja auf das was geschrieben wurde!

            In dem Fall finde ich es jetzt nicht gravierend. Aber so prinzipell ist das schon fragwürdig was du machst. Als Leser fühle ich mich eher abgeschreckt, hier Kommentare zu hinterlassen.

  3. Ok, darüber habe ich vielleicht nicht nachgedacht. Prinzipiell kann ich halt editieren, und zumindest Rechtschreibfehler u.ä. werde ich auch in Zukunft kommentarlos ändern wenn sie mir auffallen. Was größere Änderungen/Einfügungen wie diese angeht, versuche ich es klar zu kennzeichnen, was ich später hinzugeschrieben habe, hier wäre vielleicht auch ein neuer Beitrag oder eine längere Antwort angemessen gewesen. Wie gesagt, ich hab mir keine großen Gedanken gemacht – und da ich gute Artikel will, und hier selbst die Begründung von mir schwach fand, habe ich einfach einen Teil hinzugefügt.

    Als Richtlinie setze ich mir:
    – keine inhaltlichen Änderungen ohne eine klare Kennzeichnung
    – keine Löschungen
    – Kommentare werden nur bei obszönen, beleidigenden, rechtswidrigen, rassistischen usw. Äußerungen von mir moderiert/gelöscht
    – bei großen Ergänzungen werde ich eher einen neuen Artikel schreiben

    Ich weiß nicht ob dir das hilft oder dir so passend erscheint, für mich ist es aber ausreichend – und in manchen Fällen will man auch eine Ergänzung einführen können 😉

  4. Wie gehts du denn jetzt eigentlich damit um, wenn du ein interessantes Unternehmen gefunden hast, aber die um immat Vermögenswerte und Goodwill berechtigte Eigenkapitalquote sehr schlecht ist? Leider ist das ja bei vielen Unternehmen so.
    Kritisch ist für den Investor ja vor allem zu Erkennen, ab welchem Zeitpunkt für ein Unternehmen ein ernsthaftes Insolvenzrisiko besteht. Wie man bei deiner Mox-Analyse schön sieht kann das EKQ-basiert mehr oder weniger aus heiterem Himmel kommen.
    Die entscheidende Frage ist doch eigentlich, ab wann a) die vorhandenen Liquiditätsreserven verbraucht sind oder b) das Unternehmen keine neuen Kredite mehr erhält.
    a) sieht man relativ leicht aus der Bilanz; Interessant ist, wie man b) abschätzen kann. Wenn ich das harte Kriterium EK minus Goodwill minus immat. Verm. zu Grunde lege, dann dürften ja sehr viele Unternehmen eigentlich keinen Kredit mehr kriegen. Was sollte also die Konsequenz für den Investor sein? Nur noch in Unternehmen mit sehr guter EKQ oder liquiden Mitteln investieren? Und wo zieht man sinnvollerweise die Grenze?

  5. Hi, das ist eine sehr gute Frage, und letztendlich habe ich noch keine endgültige Antwort darauf gefunden, außer diese Firmen vorerst zu meiden (oder nur bei deutlichen Bewertungsabschlägen und gut prognostizierbaren Cashflows in Betracht zu ziehen). Aber ich bin der Meinung, dass jede Aktie einen fairen Preis hat, insofern sollte man darüber nachdenken wie man den in so einem Risikofall definiert. Da ich den Eindruck habe, dass die Schulden eines Unternehmens an der Börse nur teilweise eingepreist werden, denke ich dass die Einschränkung eine akzeptable ist. Es könnte sogar einen Bewertungsvorteil geben, was aber genauer zu untersuchen wäre…

    Gerade das Risiko keine Kredite mehr zu erhalten kann ich kaum abschätzen, weil es ja stark von der Laune und Geldversorgung der Banken abhängt, die sich in ziemlich kurzer Zeit deutlich ändern kann. Und auch wo Banken die Grenze ziehen ist (mir zumindest) überhaupt nicht klar. Falls du darüber fundiert nachgedacht hast und gute Ideen liefern kannst, könntest du ja einen Gastartikel schreiben 😉 . Ansonsten kann ich das erst einmal nur auf meine imaginäre Liste der Themen über die ich nachdenken und dann irgendwann schreiben will setzen, und mich vielleicht später darum kümmern.

  6. Danke für das Angebot mit dem Gastartikel, aber Artikel schreiben ist nicht so mein Ding 😉 Wenn du willst, können wir aber gerne noch ausfühlicher zu dem Thema diskutieren.
    Ich hatte bisher gar keine Ahnung, welche Kriterien Banken für die Kreditvergabe anlegen. Die interessanteste Zusammenfassung, die ich zu dem Thema gefunden habe ist unter folgendem Link:
    http://www.ihk-regensburg.de/ihk-r/autoupload/officefiles/Kreditverhandlungen.pdf
    Die Broschüre vermittelt ein sehr gutes Gefühl dafür, worauf es den Banken ankommt.
    Was ich bei der Internetrecherche rausgelesen habe, ist die Eigenkapitalquote klar eine der zentralen Bewertungsziffern zur Bonitätsbeurteilung. Allerdings wird von den Banken ein bereinigtes Eigenkapital verwendet, bezeichnet als „wirtschaftliches Eigenkapital.“ Das kann z.B. EK – immat Verm. sein.
    Alllerdings wird das“wirtschaftliche Eigenkapital“ an verschiedenen Stellen unterschiedlich definiert. Ich bin gerade dabei eine nicht unnötig komplizierte, aber dennoch aussagekräftige Definition für Aktienanalysezwecke rauszusuchen. Wenn man mal eine Definition hat, könnte man sich ja z.B. anschauen, wie sich diese bei Unternehmen entwickelt hat, die bereits pleite gegangen sind. Vielleicht kriegt man so ein gutes Gefühl dafür, ab welchen Werten es gefährlich wird…

    1. Puh, mal sehen ob ich die Zeit finde mir das Ding mal durchzulesen, ist ja eine ganze Menge. Ich denke allgemein, dass es schon auf Eigenkapitalquoten und ähnliches ankommt, aber auch darauf wie die Banken die Gewinnsituation einschätzen. Bei Anleihen wird oftmals geschaut, wie gut die Schulden durch die Cashflows gedeckt sind, wie lange die Firma zurückzahlen muss um Schuldenfrei zu sein etc.
      Aber normalerweise sollte eine Telekom anders bewertet werden als ein zyklisches Industrieunternehmen was die Schuldensituation angeht – einfach weil die Gewinne verlässlicher sind. Und da wird es wieder schwierig.
      Außerdem habe ich durchaus auch die Sorge, dass Banken ihre Kriterien ziemlich plötzlich ändern könnten, wenn beispielsweise die Regulierung verschärft wird, oder die Zinsen steigen oder die Bank selber Liquidität braucht. Sicherer sind daher schuldenfreie Unternehmen allemal…

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