Aktienupdate Q3 2018 – Teil2

Ich habe ja bereits den größten Teil der Quartalszahlen in meinem letzten Beitrag verarbeitet, allerdings fehlten dort noch einige – diese gibts heute.

Sixt

Bei Sixt läuft alles rund, insbesondere die Expansion in die USA trägt mehr und mehr Früchte, ebenso die anderen Auslandsmärkte. Somit kommen nun mehr als 50% der Umsätze aus dem Ausland, obwohl Leasing bisher noch weitgehend in Deutschland operiert. Aber selbst Deutschland zeigt ordentliches Wachstum, wo Sixt in einem eigentlich weitgehend gesättigten Markt agiert.

Der operative Umsatz (d.h. Umsatz ohne den Wiederverkauf der Fahrzeuge) stieg um 13,6% im Vergleich zu den 9-Monatszahlen von 2017. Im dritten Quartal stieg der Umsatz sogar um über 17%, und das rein organisch (im Gegensatz zu Europcar falls jemand vergleichen will).

Der Vorsteuergewinn liegt bei 482 Mio € und der Konzerngewinn liegt bei großartigen 400 Mio €  (nach Minderheitsanteilen 390 Mio). Ohne den Sondereffekt aus dem Verkauf des DriveNow-Anteils an BMW wären es immer noch 285,5 Mio € Vorsteuergewinn gewesen, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 27%.

Die Aktien konnten sich dem schwachen Marktumfeld nicht entziehen, interessant ist aber der Abstand zwischen stimmrechtlosen Vorzugsaktien (die ich halte) und den im SDAX vertretenen teureren Stammaktien. Dieser Abstand war im Sommer zeitweise auf 40€ gestiegen – Vorzüge kosteten 75€ und Stämme 115€, was bedeutet dass einige Marktteilnehmer 54% Aufschlag für die mit weniger Dividende ausgestatteten Stammaktien zu zahlen bereit waren.
Im allgemeinen Bärenmarkt kamen die Stammaktien dann umso stärker unter die Räder und der Abstand ist auf 24€ geschrumpft. Immerhin bedeutet auch das, dass Stammaktien aktuell 42% teurer als Vorzugsaktien sind. Meine Erklärung: diese Preise zahlen nur

  1.  unerfahrene Privatanleger, die es nicht besser wissen
  2. Indexfonds und ETFs denen die Preise ohnehin egal sind
  3. Institutionelle Anleger, die im Notfall schnell raus wollen und deshalb maximale Liquidität suchen

Nun, und wenn diese Anleger dann alle schnell raus wollen ruinieren sie gerade die Preise der “liquideren” Aktiengattung. Übrigens bietet die Vorzugsaktie außerdem noch 2 Cent höhere Dividende und Stimmrechte sind angesichts der Mehrheit von Sixt ohnehin wertlos. Da erzähl mir nochmal jemand die Börse sei rational und die Märkte effizient…

Fazit: Es läuft alles bestens und besser als ich es bei meinem Einstieg vor einigen Jahren je hätte vorstellen können. Der einzige Wermutstropfen ist, dass ich zwischenzeitlich meine Sixt-Position verkleinert habe und nun ständig schaue ob ich nicht wieder den Einstieg schaffe.

Polytec

Polytec war neben Protector in diesem Jahr meine schmerzhafteste Erfahrung. Ich hatte die Aktie hoch gewichtet und habe mit steigenden Gewinnen gerechnet, dann kamen allerdings Probleme in der Autoindustrie allgemein immer stärker ans Licht, der größte Kunde im Non-Automotive-Geschäft rief auf einmal gar nichts mehr ab und der Gewinn fiel. Dazu hatte sich vor allem VW nicht gut auf die Umstellung der Verbrauchs- und Abgasstandards eingestellt und hatte im September zu kämpfen alte Modelle irgendwie loszuschlagen (statt neue zu bauen) und der dümmste US-Präsident seit ich denken kann verbeißt sich in einen sinnlosen Handelskrieg. Ach und allgemeine Konjunktursorgen um die Weltkonjunktur, Europa und China kommen im Moment dazu und belasten Zykliker wie die Autoindustrie.

Für diese Ausgangslage ist das Ergebnis von Polytec bisher passabel, aber wesentlich schlechter als ich vor einem Jahr erwartet hätte.
Das Unternehmen musste für die ersten 9 Monate einen Umsatzrückgang um 5,8% hinnehmen. Der Gewinn pro Aktie in den ersten 3 Quartalen 2018 auf 0,98€ (von 1,38€ im Vorjahr).

Der Aktienkurs sackte innerhalb eines Jahres von 22€ auf zeitweise unter 9 € ab. Der Markt preist also scheinbar eine sich weiter verschlechternde Lage ein, denn bei einem angenommenen Gewinn von 1,30 € / Aktie in diesem Jahr Läge das KGV bei nur noch 7. Ähnlich sieht es bei anderen Vertretern er Automobilindustrie aus.

Fazit: Ich habe das Ausmaß der Probleme in der Autoindustrie wohl deutlich unterschätzt. Allerdings sehe ich beim jetzigen Stand der Dinge (stabile Kauflaune in Europa, niedrige Bewertung, Nullzinsen) die Aktien weiter als zu günstig an.
Für die Zukunft muss ich wohl lernen bei Zyklikern schneller Gewinne mitzunehmen oder zumindest wenn der Kurs fällt keine Übergewichtung mehr zuzulassen. Auch wenn ich optimistisch bin dass die Kurse wieder zulegen, dieses Jahr hätte ich bei Polytec gerne ausgelassen.

Sawai Pharmaceuticals

Sawai zeigt eine insgesamt erfreuliche Entwicklung, allerdings in zweifacher Hinsicht anders als ich erwartet hatte. Ich habe bei meiner Investition von 1,5 Jahren ein weiter wachsendes Geschäft in Japan erwartet, bei der Übernahme in den USA war ich etwas skeptisch.

Nun ist die Preisrevision für Medikamente in Japan wohl recht scharf ausgefallen und kostet erheblich Umsatz und Margen. In Japan sind daher zwar die Mengen stark gesteigert worden, der Gewinn war aber rückläufig.

Anders in den USA, die ich für schwierig hielt: hier scheint die Strategie von Sawai voll aufzugehen. Letztes Jahr hatte Sawai die Firma Upsher-Smith Laboratories für eine Milliarde Dollar übernommen, die zu dem Zeitpunkt mit einem sich rapide verschlechternden Geschäft konfrontiert war und einen (fallenden) Gewinn von 100 Mio hatte. Offenbar ist hier der Turnaround geglückt, der Gewinn stabilisiert und die USA wird möglicherweise zum neuen Wachstumstreiber. Ebenso sind die Umsätze von in diesem Jahr neu eingeführten Generika in Japan recht stark, was auf gute Zahlen für die nächsten 1-2 Jahre hindeutet.

Die ursprüngliche Prognose der Firma sah ein schwaches erstes Halbjahr und ein etwas stärkeres zweites Halbjahr vor. Nun zeigt das erste Halbjahr (mit Konsolidierungseffekt aus der Übernahme von Upsher-Smith) ein Umsatzwachstum von 11% bei einem fast stabilen Vorsteuergewinn. 60% des angepeilten Gewinns für dieses Jahr sind bereits eingefahren, sollte das zweite Halbjahr wirklich besser werden könnte die Prognose deutlich zu vorsichtig sein. Statt der prognostizierten 400 Yen / Aktie rechne ich mit einem Gewinn von 500-600 Yen pro Aktie und damit einem nach wie vor für eine so defensive Aktie zu niedrigen KGV von rund 10. In diesem Gewinn ist übrigens nicht enthalten dass der Übernahmepreis für Upsher-Smith zu erheblichen Teilen abgeschrieben wird und somit das Nettoergebnis belastet. Diese Abschreibung lag im ersten Halbjahr bei über 2 Mrd Yen (15 Mio€), was bei 10,5 Mrd Yen Nettogewinn etwa 20% des Gewinns ausmacht! Würde man wie die meisten westlichen Unternehmen nichts oder nur wenig von der Übernahme regelmäßig abschreiben wäre der Gewinn je Aktie also eher bei 600-700 Yen anzunehmen.

Fazit: Bei einem Kurs von 6000 Yen ist Sawai nach wie vor sehr günstig.

Ich muss mir allerdings eingestehen bestimmte Teile des Geschäftes nicht gut genug verstanden zu haben. Insbesondere gefällt mir die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen über die Preissetzung von Medikamenten immer weniger. In einer Zeit von wirtschaftlicher Abkühlung bin ich trotzdem glücklich eine defensive Aktie wie Sawai im Depot zu haben.

Admiral Group

Die britische Versicherung Admiral ist ein absoluter Ruhepool im Depot und glänzt mit hervorragenden Geschäften und hoher Dividende. In den ganzen Börsenturbulenzen der letzten Wochen hat der Aktienkurs nicht einmal gezuckt – dem stabilen und krisenfesten Geschäftsmodell sei dank.

Hervorzuheben ist die Entwicklung der nicht-britischen Tochtergesellschaften (Italien, Spanien, Frankreich, USA). Die europäischen Töchter schreiben inzwischen schwarze Zahlen und können so bei weiterem Wachstum und Skalierung zunehmend Gewinne beitragen. Auch die Hausversicherung in Großbritannien entwickelt sich ausgesprochen stark.

Die Kundenzahl stieg insgesamt um 14% auf 6,2 Mio und der Gewinn je Aktie um 8% auf knapp 0,62 Pfund im ersten Halbjahr. Die Zwischendividende wurde auf 60 Pence festgelegt – wenn sich das zum Jahresende wiederholt liegt die Dividendenrendite für diesen Top-Wachstumstitel bei starken 6%. Zu meckern gibt  es nichts und ich bin überzeugt dass allein der Brexit eine wesentlich höhere Bewertung der Aktien verhindert.

Fazit: Läuft.

Wizz Air

Der Billigflieger Wizz Air hat im Vergleich zur Konkurrenz der Fluglinien eigentlich ganz ordentlich abgeschnitten: Die Passagierzahlen sind um 20% gestiegen, die Auslastung lag noch über der im vergangenen Jahr (obwohl schon deutlich über 90%) und der Umsatz stieg ebenfalls um 20%. Da allerdings der Ölpreis als wichtigster Kostenfaktor ebenfalls stark anstieg und die Änderung der Gepäckregeln die Zusatzeinnahmen verringerte konnte der Gewinn nur minimal gesteigert werden. Außerdem belastete das Chaos an vielen Flughäfen in diesem Sommer mit Streiks des Flughafenpersonals und Überlastung der Infrastruktur das Ergebnis über zu viele unpünktliche und abgesagte Flüge und die entsprechenden Entschädigungszahlungen.

Weiterhin stiegen die Löhne und Gehälter, da Piloten knapp werden und entsprechend immer höhere Lohne verlangen.

Im nächsten Jahr will die Linie daher mehr Reserve einplanen um von Unterbrechungen weniger stark getroffen zu werden. Außerdem soll das Wachstum etwas verlangsamt werden (auch weil mit Airbus eine Verschiebung der Flugzeuglieferungen vereinbart wurde) und mit höheren Preisen und wieder besser laufenden Zusatzeinnahmen dürfte der Gewinn auch bald wieder zulegen.

Die Gewinnprognose wurde leicht gesenkt, Wizz Air will nun knapp unter 300 Mio € verdienen. Bei 127 Mio Aktien (theoretische Zahl bei voller Ausübung der Optionen) ergäbe das einen Gewinn pro Aktie von 2,30 € bei einem aktuellen Preis von 32 € je Aktie.

Fazit: Auch wenn die Luftfahrt stark zyklisch ist, bin ich von Wizz Air, seinem Management und seiner Strategie sehr überzeugt. Das Wachstum wird über die kommenden Jahre etwas schwächer sein – eher 15% als 20% – aber ist immer noch extrem stark. Bei aktuellen Kursen könnte man eigentlich überlegen die Position zu erhöhen.

Fintech Group

Neu in meinem Depot ist eine (recht kleine) Position an Aktien der Fintech Group. Warum? Die Fintech Group ist im wesentlichen die Muttergesellschaft für die bekannten Onlinebroker Flatex und ViTrade, daneben werden auch Dienstleistungen für Geschäftskunden im Finanzsektor angeboten.  Für das aktuelle Geschäftsjahr soll der Gewinn  – abhängig natürlich stark von der Handelsaktivität an den Börsen – bei rund 1,30€ je Aktie liegen. Ich bin bei 22,50 € eingestiegen, aktuell ist der Kurs wieder auf 20€ gefallen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 ist an sich nichts besonderes, allerdings kann das Geschäftsmodell der Onlinebroker extrem gut skalieren. Und die Fintech Group wächst bei der Kundenzahl deutlich zweistellig, die Gewinne sollten damit überdurchschnittlich (also mehr als 20%) zulegen.

Allerdings sehe ich hier auch Probleme. Die Mitarbeiterbewertungen bei Kununu sind sehr schlecht, was für ein Unternehmen im IT-Bereich mit seinem Fachkräftemangel ein Problem ist. Die Absage des Deals mit der österreichischen Post hat mich sehr überrascht und hinterlässt mich etwas ratlos. Und die neuesten Zahlen die zusammen mit der Verschiebung der Höherstufung des Börsensegmentes bekanntgegeben wurden sind etwas schwächer als ich gehofft hätte.

Ich setze hier also darauf, dass die Skalierung weiter Fahrt aufnimmt und die Gewinne schneller steigen als mancher denkt. Konkurrenten wie Degiro sind natürliche eine ernste Gefahr für Flatex, aber bisher geht das Kundenwachstum quasi ungebremst weiter und ich möchte gern davon profitieren. Das Geschäftsmodell ist einfach zu attraktiv um es auf dem aktuellen Niveau ganz zu ignorieren.

 

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